Sie sind hier:

Niklas Süle – das neue Bollwerk

Fußball - Nationalmannschaft

Schneller als gedacht haben sich die Weltmeister Jerome Boateng und Mats Hummels angreifbar gemacht. Der eine ist für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland (Donnerstag, 20.45 Uhr) gar nicht mehr berufen, der andere steht in der öffentlichen Kritik. Dafür ist Niklas Süle neuerdings unumstritten.

Niklas Süle
Niklas Süle
Quelle: dpa

Es gibt diese Momente, in denen sogar einer wie Niklas Süle mal Halt benötigt. Wenn etwa bei den komplexen Aufwärmübungen mit der deutschen Nationalmannschaft sozusagen der körperliche Schulterschluss mit einem Mitspieler verordnet wird: Am Dienstagmorgen suchte der Münchner Abwehrmann sich beim Dehnprogramm den Kölner Linksverteidiger Jonas Hector, um auf dem Trainingsgelände von RB Leipzig nicht auf den Hosenboden zu fallen. Danach standen Passübungen mit Slalomläufen an, die einem 1,95-Meter-Schlaks nicht immer ganz leicht fallen.

Süle wirkte indes bestens gelaunt, und er trug eine kurze schwarze Hose und ein weißes langärmeliges Oberteil, aber keine jener ulkigen Mützen, die sich seine Klubkameraden Mats Hummels und Thomas Müller bei der ersten von nur zwei Einheiten vor dem Freundschaftsspiel gegen Russland (Donnerstag, 20.45 Uhr) bei dem regnerischen Wetter übergestülpt hatten. Das Erstaunliche jedoch ist, dass die Nummer 15  als zentrale Abwehrfigur bereits gesetzt scheint. Ganz im Gegensatz zu Weltmeistern wie Müller oder Hummels.

Boateng gar nicht mehr dabei

Der 23-Jährige ist so etwas wie der heimliche Gewinner. Denn die die einst weltmeisterliche Innenverteidigung scheint auseinandergefallen. Die Formkrise von Jerome Boateng ist so eklatant, dass Joachim Löw den  30-Jährigen diesmal gar nicht mehr nominiert hat. Und Hummels tat am Wochenende niemand einen Gefallen, nicht bei bester Gesundheit das Spitzenspiel bei Borussia Dortmund zu bestreiten.

Sehr wahrscheinlich, dass der Bundestrainer auch auf den 29-Jährigen vorerst verzichtet - und auf ihn erst wieder für das Nations-League-Duell gegen die Niederlande (Montag 20.45 Uhr) zurückgreift, wenn die Partie noch über den Abstieg aus der A-Gruppe entscheiden sollte. Nach der letzten Begegnung in der Nations League in Frankreich (1:2) war bei allen Schwärmereien über die Offensive mit den Jungspunden Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner ein bisschen untergegangen, wie gut die Hereinnahme von Süle der Defensive getan hatte. Weil der gebürtige Frankfurter in einer Dreierkette eine fast schon zu reife Leistung bot, um den französischen Weltmeistersturm einzufangen.

Genug Optionen für die Verteidigung

Ähnliche Optionen hat Löw wieder, denn auch Matthias Ginter (24), Thilo Kehrer (22), Antonio Rüdiger (25) und Jonathan Tah (22) stehen im Aufgebot. Der Confed-Cup-Sieger Süle scheint trotz seiner erst 14 Länderspiele die schnellsten Lernfortschritte zu machen. Sicherheit verleiht ihm in erster Linie eine Schnelligkeit, die sich aufgrund seines mächtigen Körperbaus nicht jedem Betrachter sofort erschließt. Würde sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) unter den Sponsoren ein Kühlschrankhersteller befinden, der 97-Kilo-Mann mit den schneeweißen Schuhen würde in der ersten Reihe stehen. Aber auch sportlich ist er auf bestem Wege dahin.

Im Verein hat Bayern-Trainer Niko Kovac ziemlich früh postuliert, dass er zwischen seinen drei Innenverteidigern keine Leistungsunterschiede mehr sehe: "Alle drei sind auf einem Niveau, da gibt es keine Unterschiede."  Obwohl sich die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß in ihrer legendären Wut-Pressekonferenz dann unter anderem über die Verunglimpfung von Boateng und Hummels als Altherrenkicker erwehrten, ließ auch Kovac danach Boateng draußen - und vertraute Süle.

Erstaunlich gute Passquote

Erst gegen Athen und beim Gipfel in Dortmund saß das 2017 von der TSG Hoffenheim gekommene Abwehrtalent mal wieder anfänglich auf der Bank. Interessant: Bei den Zweikampfwerten liegen Boateng, Hummels und Süle zwar auf einem ähnlichen Level, aber Letzterer gewinnt deutlich mehr Kopfballduelle und hat eine bessere Passquote; speziell in der gegnerischen Hälfte, weil er kein unnötiges Risiko im Aufbau eingeht.

"Ich versuche mit einer gewissen Gelassenheit auf und neben dem Platz meinen Teil zum Erfolg beizutragen", sagte Süle kürzlich zu seinem Standing. Kovac schätzt diese Eigenschaft: "Der Niklas ist ein sehr entspannter Zeitgenosse, der gleichzeitig ehrgeizig und sehr locker ist. Er ist sympathisch, nicht verkrampft, nicht total verbissen, aber sehr konzentriert." Süle muss seinen Stellenwert nicht mal mit Worten untermauern. Und einen Satz vor fast genau einem Jahr würde er ohnehin nicht mehr wiederholen. Da sagte er nämlich, sich "niemals auf eine Ebene mit Boateng zu stellen". So schnell kann eine Wachablösung gehen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.