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Spaniens Abschied von der großen Bühne

Sport - Spaniens Abschied von der großen Bühne

Italien zerstört Spaniens Traum vom Titel-Hattrick. Im EM-Achtelfinale besiegen die Azzuri Spanien mit 2:0 und fordern nun im Viertelfinale in Bordeaux die deutsche Mannschaft.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 20:00

Das Feuer ist erloschen, die goldene Ära der spanischen Fußball-Nationalmannschaft vorbei. Unklar ist, wer nach dem EM-Aus im Achtelfinale den Umbruch einleitet.

Die Presse kannte nach dem 0:2 gegen Italien keine Gnade und stimmte den Abgesang an. Wie "das Orchester der Titanic", schrieb die "AS", sei der Titelverteidiger untergegangen - das Aus gegen den großen Rivalen Italien bedeute nicht weniger als das "Ende einer Ära". Nur einer wollte das nicht wahrhaben.

Rücktritt vorerst ausgeschlossen

"Nein, das denke ich nicht", sagte Vicente Del Bosque trotzig, als die unvermeidliche Frage aller Fragen kam. Den Rücktritt nach dem zweiten Turnierfiasko in Folge schloss der 65-Jährige zunächst aus. Über seine Zukunft, sagte der Coach, werde zwar zu reden sein - aber nicht an diesem Abend.

Del Bosque
Vicente del Bosque Quelle: reuters

"Ich weiß nicht, was der Trainer machen wird. Es ist seine Entscheidung", sagte Kapitän Sergio Ramos, der sich als einer der wenigen den Fragen stellte: "Ich weiß nicht, ob wir was ändern sollten. Von der Couch aus, mit einer Tüte Chips in der Hand, ist das einfach zu beurteilen. Aber wir gucken nach vorne."

Wie ausgebrannt

Der Blick in die Zukunft erschien am Montagabend aber äußerst düster. Zum zweiten Mal nach der WM 2014 scheiterten die Spanier als Titelverteidiger sang- und klanglos. Die leidenschaftlich spielenden Italiener waren zumindest in der ersten Halbzeit eine Klasse besser. Den Künstlern um Dirigent Andres Iniesta, der stocksauer und wortlos aus dem Stadion verschwand, fiel nichts ein: Kein Feuer, kein Esprit, kein Elan.

"Wir sind nicht mehr die Besten", verabschiedete die Sportzeitung "Marca" die Goldene Generation des spanischen Fußballs: "Der Zyklus, der 2008 begann, ist jetzt Geschichte." Für "El Mundo Deportivo“ beging Spanien in der ersten Halbzeit gar "Selbstmord".

"Gute Struktur"

Und jetzt? Steht es schlecht um Spaniens Fußball - obwohl die Klubs seit Jahren die europäischen Wettbewerbe dominieren? "Nein", sagte Del Bosque, "der spanische Fußball hat eine gute Struktur, gute Akademien, gute junge Spieler, und in den Klubs wird gute Arbeit geleistet." Aber ein Turnier könne eben nur eine Mannschaft gewinnen.

Del Bosque ist seit 2008 im Amt, als er den Posten nach dem EM-Triumph in Österreich und der Schweiz vom inzwischen verstorbenen Luis Aragones übernahm. Sein Vertrag endet im Juli. Viele Spanier hoffen, dass Präsident Angel Maria Villar ihn nicht noch einmal verlängert.

Bald neuer Präsident?

Die Lage ist kompliziert: Villar könnte bald für die Präsidentschaftswahl der UEFA kandidieren - über die Zukunft der Seleccion müsste dann ein anderer entscheiden.

Die Liste der Nachfolgekandidaten scheint lang. Laut "AS" wäre Joaquin Caparros (60), der in seiner Karriere unter anderem beim FC Sevilla, bei Deportivo La Coruna und Athletic Bilbao an der Seitenlinie stand, aber nie wirklich erfolgreich war, der Favorit. Genannt wird aber auch ein halbes Dutzend anderer Namen.

So einen wie Del Bosque, den großen "Mister" des spanischen Fußballs, werden sie so schnell nicht finden. Spanien habe "eine goldene Ära" erlebt - und diese sei trotz der Schlagzeilen bei "AS" und "Marca" noch lange nicht zu Ende, sagte der Trainer: "Echte Sportsmänner fallen um, aber sie stehen auch wieder auf. Wir können noch viel erreichen. Und es geht ja weiter." In der Quali für die WM in Russland wartet übrigens: Italien.

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