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Fordert der DFB von der UEFA Nachverhandlungen?

Deutsche EM-Bewerbung für 2024

Vertreter der zehn Städte, mit denen der DFB ins Rennen um die Ausrichtung der Fußball-EM 2024 geht, trafen sich kürzlich mit dem DFB. Es geht nun auch darum, ob der DFB auf alle Anforderungen der UEFA eingeht oder es zu Nachverhandlungen kommt. Einziger Mitbewerber ist die Türkei.

Commerzbank-Arena Frankfurt
Neben Dortmund und München hat auch Frankfurt die Verpflichtungen nicht uneingeschränkt eingereicht. Quelle: dpa

Markus Stenger hat in seinem neuen Job gleich viel zu tun. Als Leiter des Bewerbungsverfahrens des DFB für die EM 2024 empfing er am Mittwoch Vertreter der zehn ausgewählten Ausrichterstädte. "Beim Auftakt-Workshop wurden gemeinsam die Anforderungen und Bedingungen des Internationalen Bewerbungsverfahrens erörtert und vertieft“, lies der DFB verlauten. Im anschließenden Forum sei es unter anderem um die Themen "Nachhaltigkeit, Sicherheit sowie Accommodation" gegangen.

Gesprächsbedarf im Sektor 4


Gesprächsbedarf könnte es besonders noch im Sektor 4 der UEFA-Turnieranforderungen "Rechtliche Aspekte“ geben. Die Hälfte der 14 Bewerberstädte hatte die geforderten Garantie- und Verpflichtungserklärungen nur mit Einschränkungen oder Abänderungen unterschrieben. Unter ihnen waren alle vier abgelehnten Bewerber Bremen, Hannover, Mönchengladbach und Nürnberg.

Aber auch Dortmund, Frankfurt und München haben die Verpflichtungen (untertakings) der jeweiligen Bewerberstadt, der Stadioneigentümer und -betreiber sowie des entsprechenden Flughafens gegenüber der UEFA Flughafens nicht uneingeschränkt eingereicht. Dabei geht der DFB davon aus, dass "diese Verpflichtungserklärungen im internationalen Bewerbungsverfahren der UEFA von enormer Bedeutung sind“, wie es in den DFB-Anforderungen für das nationale Auswahlverfahren heißt.

Bremen wollte Hoheit nicht abgeben


Am weitreichendsten hatte Bremen einige Dokumente "dahingehend angepasst, dass diese rechtssicher unterzeichnet werden können, auch auf die Gefahr hin, dass die Bewerbungschancen für Bremen damit sinken könnten“, wie es in der entsprechenden Senatsvorlage heißt, die zdfsport.de vorliegt.

So versahen die Bremer die geforderte Verpflichtung, im Umkreis von 500 Metern um das Stadion Aktionen wie "Wirtschaftswerbung, Straßenverkauf, das Verteilen von Flugblättern und Produkten oder Produktproben sowie politisch und/oder religiös motivierte Demonstrationen“ zu verhindern mit dem Hinweis: " - jeweils nur soweit diese Aktivitäten im öffentlichen Raum (keine Privatgrundstücke) stattfinden und eine Untersagung rechtlich zulässig ist.“

"Zum Teil verfassungswidrig“


Ganz gestrichen wurde folgender Passus: "Wenn die UEFA die relevante lokale Gesetzgebung in Bezug auf eine wirksame und effiziente Umsetzung des Anti-Ambush-Marketing-Programms sowie des Anti-Fälschungsprogramms als, möglicherweise, unzureichend erachtet (…), müssen die relevanten Behörden zusätzliche Vorschriften, Dekrete, Verordnungen, Anweisungen usw. einführen.“

Der Sprecher der Bremer Wirtschaftsbehörde, Tim Cordßen, bezeichnete die Verpflichtungserklärung als "bar jeder gültigen Vorstellung eines rechtsstaatlichen Staatsaufbaus“. Der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht, Wolfgang Hoffmann-Riem, hält Teile gar für verfassungswidrig.

In einer Stellungnahme wies der DFB die Vorwürfe zurück. Die "Reglementierung im Stadionumfeld stützt sich zum einen auf das bestehende Hausrecht, ferner sind auch sicherheits- und ordnungsrechtliche Aspekte von entscheidender Bedeutung“, heißt es da. Zudem werde keine "vorbehaltlose Zusicherung des Erlasses von Gesetzen zum Schutz von UEFA-Vermarktungsrechten“ verlangt.

Es geht auch ums Geld


Neben rechtlichen Fragen wird es in den weiteren Gesprächen auch ums Geld gehen. Das in den Turnieranforderungen der UEFA beschriebene Finanzmodell sieht vor, dass alle Einnahmen von Medienrechten über Sponsoring, Ticketverkauf, Hospitality und jede weitere Nutzung von Werberechten bei der UEFA verbleiben.

"Es kann nicht sein, dass die Städte das finanzielle Risiko tragen, aber nichts vom Gewinn haben", sagt André Bühler, Direktor des Deutschen Institut für Sportmarketing, gegenüber zdfsport.de. "In Zeiten, wo Geld für Kitaplätze fehlt, könnte das zu ethischen Diskussionen und Bürgerinitiativen führen. Aber der DFB kann gegenüber der UEFA aus einer starken Position verhandeln und sollte das nutzen, um die Interessen der Städte durchzusetzen.“

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