Sie sind hier:

EM-Tickets nur für erlauchte DFB-Fans?

Noch 2 Tage

Sport - EM-Tickets nur für erlauchte DFB-Fans?

Fußballtickets für die deutschen Spiele bei der Europäischen Meisterschaft sind schwer zu bekommen. Chancen auf Karten gibt es, wenn man Fanclub-Mitglied beim DFB wird.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.12.2016, 20:00

Die EM in Frankreich nutzt der DFB, um seinem "Fan Club Nationalmannschaft" noch mehr Mitglieder zu verschaffen. Denn nur diejenigen können Karten direkt über den Verband beziehen. Das sorgt für Kritik. Der Vorverkauf startete dennoch.

Nils Römeling betreibt mittlerweile mehrere gut frequentierte Fußball-Websites. Sich selbst kategorisiert der 40-Jährige zudem als Fußballfan, der die meisten Heimspiele der deutschen Nationalmannschaft besucht. Doch kann er nicht gut heißen, was vor der EM 2016 in Frankreich bei der Kartenvergabe für die Spiele mit deutscher Beteiligung passiert.

„Um Tickets aus dem Kontingent des DFB können sich ausschließlich Mitglieder im Fan Club Nationalmannschaft bewerben“, heißt es im Ticket-Portal des DFB. Wenn die Paarungen nach der Auslosung am Samstag in Paris feststehen, werden den beteiligten Nationen jeweils 20 Prozent der Stadion-Nettokapazität angeboten. Liegt diese bei 40.000 stehen den Teams also je 8000 Karten zu.

70 Euro extra nur für die Bewerbung

Bislang konnten sich darauf alle Fans bewerben. Damit ist es nun vorbei. Kritiker sehen darin eine unnötige Verpflichtung, dem Fan Club Nationalmannschaft mit seinen bislang rund 55.000 Anhängern zwangsweise beizutreten. Das kostet eine Aufnahmegebühr von zehn Euro und einen Jahresbeitrag von 30 Euro.

Weil die Tickets erst Ende Januar 2016 vergeben werden, fallen aber zwei Jahresbeiträge und somit summa summarum 70 Euro an. Dabei sind die Eintrittspreise moderat. Die beiden untersten Kategorien kosten in der Vorrunde 25 und 55 Euro. Das Teuerste wäre damit der Fan Club. Wer ihm beitritt, hat aber mitnichten eine Garantie, wirklich auch die begehrten Billets zu bekommen. Dieses Koppelgeschäft machen sich auch Frankreich, Belgien, Wales und England zunutze.

„Es wird eine Chance vertan“

Auf der Website www.fussballnationalmannschaft.net , die Römeling betreibt, ist von „Abzocke bei den EM-Tickets“ die Rede. „Die Ticketpreise sind eigentlich vergleichsweise human. Vielen deutschen Fußballfans nutzt das allerdings nichts. Denn natürlich übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Der DFB sieht dabei wohl eine gute Gelegenheit, auch selbst noch ein wenig Geld zu verdienen.“

Römeling sagt gegenüber zdfsport.de: „Es ist nicht einzusehen, dass der DFB beim Ticketverkauf indirekt noch mitverdienen will. Diese Praxis führen nur wenige der 24 Verbände durch. Wir halten das für nicht gerechtfertigt. Das passt aber beim DFB gerade ins Gefüge. Es wird die Chance vertan, ein transparentes und fanfreundliches Bild abzugeben.“

DFB verweist auf andere Verkaufsphasen

Der Verband verweist darauf, dass die UEFA dem Vorschlag des DFB gefolgt sei, der bei seinen Auswärtsspielen positive Erfahrungen mit dem Prozedere gemacht habe. Ferner seien sicherheitsrelevante Fragen abgedeckt. Überdies könne sich der deutsche Fan doch auch in anderen Verkaufsphasen bewerben.

Das stimmt, doch in der ersten Phase machte eine Bewerbung nur Sinn, wer sich vorab auf eine Stadt festlegen wollte, weil die Paarungen nicht feststehen. Insider vermuten, dass nach der Auslosung viele Tickets auf dem Schwarzmarkt und bei Ebay auftauchen. In einer letzten offiziellen Verkaufsphase von März bis April 2016 gibt die UEFA über eine Ticket-, Tausch- und Rückgabebörse Karten zum Originalpreis ab. Aber mutmaßlich werden für die deutschen Spiele hier maximal einige Hundert Karten zu haben sein.

Andere interessante Vorschläge

Für die Nationalmannschaft wird damit eine Praxis aus den Vereinen angewandt. Für Partien wie in der Champions League oder Topspiele in der Bundesliga werden oft jene Fans bevorzugt, die Dauerkarten oder Mitgliedschaften besitzen. In Frankfurt waren beispielsweise nach einer Verkaufsphase an Mitglieder der offiziellen Fanclubs für das Bayern-Heimspiel (30. Oktober) nur noch 1500 Karten übrig, die überhaupt in den freien Verkauf gingen.

Philipp Markhardt als Sprecher der Football Supporters Europe, die für die Fanbotschaften vor Ort zuständig und mit einem eigenen Projekt auch Teil des UEFA Social Responsibility Programms sind, bringt eine andere interessante Variante ins Spiel: „Es kommt auf die richtige Gewichtung an. Es sollten diejenigen Anhänger belohnt werden, die der Nationalmannschaft Schritt auf Tritt folgen, die auch Freundschaftsspiele und EM-Qualifikationsspiele auswärts besucht haben. Diese Allesfahrer müssten eine Garantie auf Tickets haben und dürfen nicht die Gelackmeierten sein, wenn ein Turnier ansteht. Derzeit kann ja auch der Kegelklub Volle Kugel schnell noch in den Fanclub Nationalmannschaft eintreten und EM-Tickets ordern.“

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet