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Teamgeist fällt nicht vom Himmel

Nationalmannschaft schwört sich ein - Trainingslager der Deutschen Nationalmannschaft

Sport - Teamgeist fällt nicht vom Himmel

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr Trainingslager in Ascona bezogen. Zehn Tage bereitet Bundestrainer Jogi Löw dort sein Team auf die EM in Frankreich vor.

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Flucht, Abschottung, Kasernierung? Das ist reichlich übertrieben, wenn es um die EM-Trainingslager des deutschen Nationalteams geht. Es geht vielmehr um den nicht verhandelbaren Wunsch nach Abgeschiedenheit, der Teamgeist wachsen lässt. Ein paar Tricks sind dabei durchaus erlaubt.

Viele internationale Journalisten werden sich kaum nach Evian-les-Bains an den Genfer See verirren, wenn die EM in Frankreich läuft. Nach Paris ist es weit, mindestens zwei Tage würden für einen Besuch draufgehen. Es steckt vermutlich eine Portion Kalkül dahinter, dass der DFB den abgelegenen Ort nahe der Schweizer Grenze als Turnierbasis wählte. Im Medienzelt vor Ort muss der DFB so meist nur deutsche Journalisten bedienen.

Ähnliches gilt für das Vorbereitungscamp der deutschen Delegation am Lago Maggiore. Die Herberge in Ascona ist gewissermaßen eine Kopie. Das idyllisch gelegene Luxus-Hotel "Giardino" erfüllt alle Ansprüche, die Ruhe und Abgeschiedenheit garantieren. Der DFB-Tross wird zwischen dem 24. – 29. Mai einziger "Gast" sein. Bundestrainer Joachim Löw und sein 27-köpfiger vorläufiger Kader sind unter sich, wenn es darum geht, die 23 EM-Plätze zu besetzen.

Mit dem Rad zum Training

Vor der EM 2008 waren die Deutschen schon mal im Tessin und überaus zufrieden mit den Bedingungen. Vom milden Klima abgesehen. Dieses Mal ist die Sache weiter optimiert worden. Statt einer längeren Busfahrt zum Trainingsplatz von 2008, üben die Nationalkicker direkt beim FC Ascona. Quasi um die Ecke. Wenn möglich, will man die paar Minuten per Fahrrad zurücklegen.

archiv - die gartenfront des 5-sterne-hotels "giardino" aufgenommen in ascona, tessin, schweiz am 27.10.2007. die deutsche fussball-nationalmannschaft wird in dem hotel am lago maggiore im schweizer kanton tessin waehrend des trainingslagers mit dem erweiterten em-kader quartier beziehen. trainingsplaetze liegen nur wenige kilometer. foto: karl mathis/dpa (zu dpa "loew startet projekt
Das Teamhotel "Hotel Giardino" in Ascona Quelle: dpa

54 Zimmer und 18 Suiten stehen im Fünf-Sterne-Hotel zur Verfügung. Manager Bierhoff hat sich nach detaillierter Vorplanung durch den DFB-Organisationsstab alles genau angesehen und dann mit dem Trainerstab die endgültige Entscheidung getroffen. Nach der Ankunft am 24. Mai, direkt aus Frankfurt zum Flughafen Lugano, gibt es am Abend das erste Training, ein EM-Gegner-Simulationstest gegen die eigene U-20, gefolgt von letzten Testspielen gegen die Slowakei und Ungarn.

Strenge Regeln für Sponsoren und Spieler

Minutiös geplant soll und vor allem darf nichts schief gehen. Nicht so wie vor der WM 2014 als die Vorbereitung durch einen Zwischenfall beeinträchtigt wurden. Bei einem Sponsorentermin mit rasanter Rallye-Show gab es in Südtirol zwei Verletzte. "Unser Partner Mercedes hat hier gelernt und gemeinsam haben wir abgestimmt, auf solche Aktionen zukünftig zu verzichten", sagt Georg Behlau, Organisationschef und Büroleiter des Nationalteams.

Trotz des Vorfalls muss es weiter Sponsoren und Medientermine geben. Nur eben andere, ungefährlichere. Auch für Spieler gelten strenge Verhaltensregeln. Bierhoff und Löw wiesen eindringlich darauf hin, das Team zähle weit mehr als der Einzelne. Soll heißen: Fehltritte und vollmundige Forderungen könnten weitreichende Folgen für die Kicker haben.

Drei Sattelschlepper Material

Es geht schließlich darum, Teamgeist zu entwickeln. Diese Hausaufgabe muss auch ein Weltmeister von neuem angehen. Teamgeist war eine der Trumpfkarten der Deutschen in Brasilien als man im "Campo Bahia" auf einer Art Insel residierte, die nur über eine Fähre erreichbar war.

Hinter dem Wunsch nach Ruhe steckt also mehr und zudem eine logistische Meisterleistung für die Georg Behlau und sein Stab verantwortlich sind. "Teamgeist", sagt Behlau, "fällt nicht vom Himmel". Herbeizuzaubern ist der kaum, aber offenbar kann man die Sache nachhaltig beeinflussen.

Ein knappes Jahr liefen die Vorbereitungen im Tessin. Eine gute Woche bevor das Team eintrifft, karrte man in drei Sattelschleppern eigene Fitnessgeräte, hydraulische Massagenliegen, Kälte-Therapie-Geräte, Laufbänder, Spinning-Bikes, Mountainbikes und Team-Gepäck ins Tessin. Im Trainingsstadion wurde neuer Rasen verlegt.

Trainingslager-Identität schaffen

"Wir wollen dort eine eigene Identität schaffen und Teamgeist bewusst fördern", erläutert Behlau. Deshalb sieht das DFB-Team im "kleinen kompakten" Hotel genau den richtigen Platz, um den nötigen Zusammenhalt zu schaffen. Tischkicker, Billardtische, Gesellschaftsspiele und Tischtennisplatten gehören zum Standardprogramm, den Planern aber geht es ums Gesamtpaket, das Teamgeist wachsen lässt. Den Rest müssen dann Bundestrainer Löw und seine Spieler auf dem Rasen in Frankreich regeln.

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