Sie sind hier:

Gomez: "Auf mich hat keiner gewartet"

Sport - Gomez: "Auf mich hat keiner gewartet"

Heute sind die beiden Nationalspieler auf der DFB-PK erschienen, die in der Türkei spielen: Die Stürmer Lukas Podolski (Galatasaray) und Mario Gomez (Meister) zeigen sich vor der EM hochmotiviert.

Beitragslänge:
19 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.06.2017, 10:30

Mario Gomez ist wieder da. Allein das ist beeindruckend. Doch der 30-Jährige kehrt als „eine Option“ für Bundestrainer Löw zurück ins Nationalteam, nicht als der, der immer spielen muss. Der Schwabe hat sich nicht nur sportlich herangekämpft, er geht das Projekt Euro 2016 mit einer neuen Einstellung an.

Manchem kommt dieser Mario Gomez grundlegend verwandelt vor. Er wirkt gesund selbstbewusst, wohltuend ausgeglichen und steckt dennoch voller Ehrgeiz. Seinen Ehrgeiz lebte der inzwischen 30-Jährige immer offen aus. Doch dieses Mal ist alles ein wenig anders. Im EM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw steht ein Stürmer, den viele abgeschrieben hatten. Und mehr. Gomez war vom Radar verschwunden. Verletzt, sein Platz, entweder die Tribüne oder der Behandlungsraum beim Arzt. Nach zwei verlorenen Jahren in Florenz und dem einen überragenden „Aufbaujahr“ in der Türkei wird seine Rückkehr ins Nationalteam nun als Märchen beschrieben.

„Märchen klingt mir zu dramatisch“

Wenn der gebürtige Schwabe die Geschichte vom Gomez-Märchen hört, muss er lachen. „Ach, das klingt mir viel zu dramatisch“, sagt er. „Fakt ist: Auf mich hat keiner gewartet, es war mein Job, zurückzukommen.“ Keine Vorwürfe an seinen Ex-Klub in Italien, keine Kritik am Bundestrainer, der ihn nicht zur WM in Brasilien nahm. „Wir haben damals miteinander gesprochen. Ich habe ihm gesagt, ich bin das Problem, ich bin nicht fit, ich bringe nicht die Leistung, die nötig ist und, die ich selbst von mir erwarte.“


In seinem Kopf entstand „ein Plan“ als „alle dachten, der geht jetzt in die Türkei, weil er zum Abschluss noch ein paar schöne Jahre haben will“. Gomez aber arbeitete an seiner Rückkehr. „Ich wusste, wenn weitere Verletzungen kommen, könnte es das gewesen sein“, sagt er. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Ich bin stolz, weil ich die Versprechen gegenüber mir selbst eingelöst habe.“


Türkischer Meister mit neuer Einstellung


Jetzt ist er zurück als Gomez re-loaded gewissermaßen. Als türkischer Meister mit Besiktas Istanbul und als Torschützenkönig (26 Treffer) der Süper Lig. Die türkische Liga mag international nicht die erste Geige spielen, aber schließlich hat Gomez` Zielstrebigkeit auch Joggi Löw beeindruckt. „Ich habe mir damals vorgenommen alles zu tun, um in einem Jahr wieder mit voller Kraft da zu sein“, sagt Gomez. „Jetzt spüre ich wieder Power und Selbstbewusstsein. Und, jetzt will ich Europameister werden“.

Mario Gomez, Meister mit Besiktas Quelle: dpa


Seinen Ehrgeiz hat er sich erhalten, seine Einstellung dagegen hat sich geändert. „Ich sehe mich in einer Phase, in der nichts sein muss, aber vieles sein kann“, sagt er. Von „komplett zu, weil ich dachte, ich muss spielen, ich muss es alleine richten mit meinen Tore“ bis zur Erkenntnis, „ich bin nicht mehr als ein Teil des Teams, das den anderen zeigt, der rackert, der bringt sich ein, der hilft uns“.

Kein Spaziergang

Für einen Mittelstürmer im klassischen Mittelstürmerland Deutschland war das alles andere als ein Spaziergang. Heute sagt er, brauche man den klassischen Mittelstürmer nicht mehr unbedingt. Er passte sein Spiel der Veränderung an. Manchmal aber ist ein Konterspieler mit Power immer noch genau das Richtige. „Ich bin da, wenn ich auf dem Platz gebraucht werde. Wenn es am Ende drei Minuten sind und wir Europameister werden, freue ich mich.“

Er habe nichts geändert in seinem Leben, was Ernährung oder Training angeht. Nur eben im Kopf. „Ich habe mehr als jemals zuvor gelernt, im Augenblick zu leben und mir keine Gedanken um die Zukunft zu machen. Wenn es noch ein Jahr geht, ist es so. Wenn es noch fünf Jahre geht, ist es auch gut. Ich belaste mich nicht mehr mit einem Plan, wie es weiter geht.“

Sieht so aus als sei Mario Gomez wunschlos glücklich. Ganz stimmt das allerdings nicht. „Was ich mir für die EM wünsche?“, wiederholt er. „Es gibt einen ganz besonderen Wunsch“, sagt er und streut eine Kunstpause ein: „Am 10 Juli möchte ich die EM-Trophäe in den Himmel heben – am 10. habe ich Geburtstag.“

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet