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DFB-Elf: Ein bisschen unter Niveau

Löws Mannschaft nach dem 2:4 gegen Holland unter Zugzwang

Die 2:4-Heimniederlage in der EM-Qualifikation gegen Holland wirft für die deutsche Nationalmannschaft etliche Fragen auf. Im Auswärtsspiel in Nordirland geht es auf einmal wieder um Grundsätzliches.

Joachim Löw (re.) und Timo Werner (Mitte) im Spiel gegen Holland
Ratlos in der Coachingzone: Joachim Löw (re.) im Spiel gegen Holland
Quelle: ap

Für die vielen niederländischen Anhänger war in dieser besonderen Hamburger Nacht schnell klar, dass eine zeitige Bettruhe die schlechteste Lösung sein würde. Also hat ein Teil der orangen Karawane noch einen Abstecher an der Reeperbahn eingeschoben, um den 4:2-Auswärtssieg der Niederlande beim inzwischen vollumfänglich respektierten Rivalen gebührend zu feiern. Der andere Teil hat sich an die vielen Hotelbars gesetzt, um mit deutschen Gästen die besonderen Umstände dieses Ausrufezeichens in der EM-Qualifikation zu besprechen.

Wir haben einfach ein paar Fehler zu viel gemacht. Das hatte mit der Grundordnung nichts zu tun.
Joachim Löw

Fürs DFB-Team hat das Auswärtsspiel in Nordirland (Montag, 20.45 Uhr/RTL) auf einmal eine wegweisende Bedeutung. Im Windsor Park von Belfast wartet ein Gegner, der mit vier Siegen aus vier Spielen viel Selbstvertrauen hat. „Wir fahren mit der gleichen Idee nach Nordirland. Drei Punkte, das ist für uns wichtig“, sagte Joachim Löw. Alles andere könnte auch den Bundestrainer in die Bredouille bringen, denn nur die Gruppenersten und –zweiten qualifizieren sich für die erste paneuropäische Fußball-Europameisterschaft, bei der Deutschland mit dem Spielort München vertreten ist.

Oranjes flinker und besser

Der 44. deutsch-holländische Klassiker vermittelte im Volksparkstadion bisweilen fast einen Klassenunterschied. Die DFB-Auswahl schien von der Weltspitze auf einmal doch weiter entfernt als gedacht. Die temporeiche, technisch starke Elftal war am Ende so überlegen, dass Löw die Rechtmäßigkeit des Resultats nicht im Geringsten anzweifelte. „Über 90 Minuten betrachtet war Holland die bessere Mannschaft. Wir haben das ganze Spiel so ein bisschen unter unserem technischen Niveau gespielt.“

Seine Elf präsentierte sich in einem ähnlichen schlechten Zustand wie der Hamburger Rasen. Löw führte als Entschuldigung die gegenüber dem 3:2-Sieg in Amsterdam veränderte Formation an.  Aber sind Ausfälle von Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer oder zuletzt Leon Goretzka wirklich so elementar, das damit das ganze Gefüge ins Wanken gerät wie ein kleines Segelboot beim ersten Herbststurm auf der Außenalster?

Kontrollverlust in der zweiten Halbzeit

Gewiss, ein Einsatz von Leroy Sané hätte helfen können, weil sich Marco Reus erschreckend wenig durchschlagskräftig und Timo Werner fast schon naiv dranstellte. Wäre der agile Serge Gnabry nicht gewesen, der das frühe 1:0 erzielte, hätte der von Löw verordnete Umschaltfußball kaum funktioniert. Der Bundestrainer wechselte sowohl Reus und Werner aus, um mit Ilkay Gündogan und Kai Havertz zweite Halbzeit mehr Kontrolle zu erlangen. Doch da war die Partie längst abgekippt.

Obwohl Toni Kroos ein Handelfmetergeschenk noch zum zwischenzeitlichen 2:2 verwandeln konnte – zuvor hatten Frenkie de Jong und ein Eigentor von Jonathan Tah die Wende angedeutet – erlangte der Gastgeber die Kontrolle nie mehr zurück. Der DFB-Elf war schlicht die Puste ausgegangen wie einem Hamburger Alsterläufer, der vom Teamhotel The Fontenay das erste Stück bis zum Alster Cliff zu schnell angeht und an der Kennedybrücke völlig außer Atem ist. Donyell Malen und Georginio Wijnaldum besiegelten den späten, aber völlig verdienten K.o.

Kritik von Kroos

Letztlich sollte die deutsche Taktik, die  mit einer tief stehenden Fünferkette und einer lauffreudigen Restverteidigung den spielfreudigen Niederländern den Spaß verderben wollte, nicht aufgehen. „Es war nicht ganz so gedacht, dass wir so wenig Ballbesitz haben. Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir aus der Defensive ein bisschen mehr zupacken“, erklärte Taktgeber Toni Kroos.

Löw hingegen hielt fast trotzig fest: „Wir hatten unsere Schwachstellen, aber nicht aufgrund der taktischen Ausrichtung, sondern wir haben einfach ein paar Fehler zu viel gemacht. Das hatte mit der Grundordnung nichts zu tun.“ Vermutlich vermischten sich beide Komponenten zur unheilvollen Konstellation: „Was mich am meisten ärgert, ist das Gegentor zum 2:3. Da müssen wir schlauer agieren“, kritisierte Kroos.

Mängel in der Abwehr

Eingedenk der schwachen Leistungen der Defensivkräfte Lukas Klostermann, Matthias Ginter und vor allem Jonathan Tah stellte sich die Frage nach grundsätzlichen Qualitätsmängeln. Aber genau darauf wollte Löw auf Nachfrage von zdfsport.de nicht eingehen: „Qualitätsmängel haben wir keine. Bei einem Tor war das Zentrum schlecht besetzt. Beim dritten Tor haben wir einen Freistoß, und dann hat Matthias Ginter den Ball unter Druck verloren. Wir haben in anderen Spielen gegen Holland und Frankreich gesehen, dass wir gut verteidigen können.“

Der Bundestrainer verzichtet bewusst auf einen Abwehrspieler von der Güteklasse eines Mats Hummels, weil er sich andere Führungsstrukturen in seiner Mannschaft gewünscht hat. Welches Risiko mit diesem Weg verbunden ist, hat der Abend von Hamburg offenbart.

DFB-Fahrplan

Für die deutsche Nationalmannschaft geht es nach der Niederlage gegen die Niederlande am Montag in der EM-Qualifikation in Belfast gegen Gastgeber Nordirland weiter. Die Nordiren führen die Gruppe C mit zwölf Punkten vor dem DFB-Team (9) an. Bis zum Jahresende folgen noch drei weitere Quali-Spiele und der Test gegen Argentinien in Dortmund:

  • 9. September: Nordirland - Deutschland (EMQ)
  • 9. Oktober: Deutschland - Argentinien in Dortmund
  • 13. Oktober: Estland - Deutschland (EMQ)
  • 16. November: Deutschland - Weißrussland in Mönchengladbach (EMQ)
  • 19. November: Deutschland - Nordirland in Frankfurt (EMQ)
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