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Gegen Nordirland die Abwehrkräfte stärken

Bekommt Löw die Baustelle Defensive in den Griff?

Die Abwehr der deutschen Nationalmannschaft ist ein Problem. Joachim Löw wehrt sich gegen den Vorwurf von grundsätzlichen Qualitätsmängeln. Doch der Bundestrainer wird in Nordirland seine Hintermannschaft neu formieren.

Deutschland - Niederlande: v. l. Lukas Klostermann, Manuel Neuer und Jonathan Ta
Ratlose Recken gegen Holland: v. l. Lukas Klostermann, Manuel Neuer und Jonathan Ta
Quelle: imago images / Moritz Müller

Rafael van der Vaart redete im aktuellen sportstudio nicht groß um das Hauptproblem in der DFB-Auswahl herum. „Ich finde sie hinten ganz schwach“, sagte der 109-fache niederländische Nationalspieler. An alter Hamburger Wirkungsstätte hatte der 36-Jährige die 2:4-Lehrstunde gegen die Niederlande verfolgt – und war erschreckt über die individuellen Aussetzer auf deutscher Seite, die die DFB-Auswahl in der EM-Qualifikation für das Auswärtsspiel in Nordirland (Montag 20.45 Uhr/RTL) in Zugzwang bringen.

Manches erinnerte an die Auflösungserscheinungen von vor elf Monaten, als eine 0:3-Abreibung gegen denselben Gegner erst den Verzicht auf Jerome Boateng und später in den Abschied vom weltmeisterlichen Abwehrgespann mit Boateng und Mats Hummels mündete. Van der Vaart hält das für einen Fehler: „Wenn man jemand aussortiert, müssen die anderen deutlich besser sein. Und das sind sie nicht.“ Die Trennung sei viel zu früh erfolgt, „in zwei, drei Monaten braucht er Hummels wieder“.

Verletzter Schulz

Zur Hummels-Causa sei alles gesagt, richtete Löw noch vor dem Abflug nach Belfast aus. Im Windsor Park wird seine Elf gegen Nordirland aber mit einer neuen Hintermannschaft spielen lassen. Wahrscheinlich mit Marcel Halstenberg oder Jonas Hector links hinten, weil Nico Schulz wegen eines Teilrisses eines Bandes in der linken Fußwurzel abreisen musste.

Auch die Rückkehr zur Viererkette zeichnet sich ab. „Taktisch werden wir auf jeden Fall umstellen“, kündigte Löw an. „Nordirland spielt einen völlig anderen Fußball als die Niederlande.“ Körperlich robust, viele lange Bälle, tief stehende Abwehr. Da braucht es keine Dreierkette, die in Wahrheit gegen die Niederlande eine Fünferkette war, weil Lukas Klostermann und Schulz nicht weit genug vorschoben. Geplant war das angeblich nicht.

Verstimmter Kapitän

Im Endeffekt ging Löws Taktik vorne und hinten nicht auf. Seine Mannschaft übernahm im Angriff so wenig Initiative wie selten und gab sich in der Abwehr überraschende Blößen. Wegen der Laissez-faire-Verteidigung seiner Vorderleute war hinterher sogar der tadellose Kapitän Manuel Neuer verstimmt: „Vier Tore sind einfach viel zu viel, unsere Defensive sah als Verbund nicht gut aus.“

Für den gewöhnlich auf Ausgleich bedachten Torhüter waren das deutliche Worte. Vier Gegentreffer, alle in einer Halbzeit, hatte der 33-Jährige nur bei einem vogelwilden 4:4 im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden 2012 in Berlin erlebt. Doch damals war die Mannschaft unter Löw noch gnadenlos auf Offensive gepolt.

Tapsiger Tah

Diesmal hatte der Bundestrainer den für ihn atypischen Fokus auf die Defensive gelegt. Und dann sah die Verteidigung am Ende besonders dumm aus. Symbolfigur war der tapsige Jonathan Tah, der eine äußerst unrunde Leistung mit dem Eigentor zum 1:2 krönte. „Wir können viel lernen aus dem Spiel“, sagte der 23-Jährige, der sich an alter Hamburger Wirkungsstätte so viel vorgenommen hatte.

Mit ihm hatte auch Matthias Ginter einen schwierigen Tag erwischt. Zum Schluss sah auch Niklas Süle dumm aus. „Wir haben die Kontrolle komplett verloren, und Holland zum Toreschießen eingeladen“, räumte der 24-ährige Abwehrchef an. „Wir wurden zu Recht viel gelobt, aber das war ein schlechtes Spiel.“ Grundsätzliche Fragen über die Abwehrqualität stellen sich, wenn die Niederländer in vier Wettbewerbsduellen gegen Deutschland spielend leicht zu elf Toren kommen.

"Keine Qualitätsmängel"

Löw wollte hinterher von einer falschen Herangehensweise wenig wissen: „Wir hatten unsere Schwachstellen, aber nicht aufgrund der taktischen Ausrichtung, sondern wegen der individuellen Fehler.“ Und die These der fehlenden individuellen Klasse galt für ihn schon mal  gar nicht: „Qualitätsmängel haben wir keine. Wir haben in anderen Spielen gegen Holland und Frankreich gesehen, dass wir gut verteidigen können.“

von Frank Hellmann

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