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Immer ein bisschen mulmig

Sport - Immer ein bisschen mulmig

Polizisten, Soldaten und Rettungskräfte aus sieben Ländern trainieren den Ernstfall. Frankreich bereitet sich damit nicht nur auf das sportliche Großereignis vor, sondern auch auf Terroranschläge.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.03.2017, 12:00

Safety first heißt das Motto dieser Fußball-EM. Auch rund um die deutsche Nationalmannschaft wird der Fokus verstärkt auf die Sicherheit gelegt. Das zweite Gruppenspiel - in Paris St. Denis - wird unweigerlich zur Begegnung mit der Vergangenheit, den Terroranschlägen vom 13. November.

Die Begleiter der DFB-Elf im Trainingscamp im Tessin hatten sich irgendwann daran gewöhnt: Wer das Pressezentrum besuchen wollte, der musste Taschen und Rucksäcke vorzeigen, und sich vorher jedesmal kontrollieren lassen. Sicher ist sicher. Ein Vorgeschmack darauf, was alle Besucher bei der am 10. Juni beginnenden EM in Frankreich erwartet.

Kosten haben sich versechsfacht

Seit den Terroranschlägen vom 13. November vergangenen Jahres in Paris ist es unmöglich, das Turnier als ein unbeschwertes Happening zu betrachten, bei dem sich Polizisten, Sicherheitskräfte und Spezialisten so im Hintergrund halten wie bei der WM 2006 in Deutschland. Frankreich wird zum Hochsicherheitstrakt. Und mittendrin die Nationalmannschaften.

"Die Sicherheitsstandards werden extrem sein. Und das Thema auch", sagte Ulrich Voigt kürzlich bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Der für die elektronischen Medien zuständige Pressesprecher der deutschen Nationalmannschaft verriet auch, dass beim EM-Quartier in Évian allein sechs Spezialisten ständig bei der DFB-Auswahl seien. Und die "Sicherheit rund um die Uhr" habe einen stolzen Preis: Die Kosten hätten sich gegenüber der WM in Brasilien "fast versechsfacht."

Das Trauma von St. Denis

Es gibt auch gar keine andere Wahl: Die Mannschaft war ja damals mittendrin, als die Attentäter zum Freundschaftsspiel im Stade de France versucht hatten, bis ins Stadioninnere vorzudringen, um ein Blutbad zurichten. Schnell wurde entschieden, dass die deutsche Mannschaft die Nacht drinnen verbrachte. Voigt hat  die Stimmungslage bei Spielern, Trainern und Begleitern noch gut im Gedächtnis: "Da waren 100 Leute mit 100 Empfindungen."

Für Ausnahmesituationen wie diese bestehen eben keine allgemeingültigen Verhaltensmuster. Voigt: "Einige haben geschlafen, weil ihnen der Kopf sagte, dass sie an einem sicheren Ort seien. Andere haben natürlich kein Auge zugetan." Für den einen oder anderen ein traumatisches Erlebnis.

Insofern ist es pikant, dass das Team von Joachim Löw zum zweiten Gruppenspiel am 16. Juni gegen Polen nach Saint-Denis zurückkehrt. "Einige im Betreuerstab haben schon ein mulmiges Gefühl", räumte Voigt bei der Podiumsdiskussion im Eintracht-Museum ein und erzählte davon, dass sowohl Teammanager Oliver Bierhoff, als auch der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lefert zu den  drängenden Sicherheitsfragen eigens eine Info-Veranstaltung abgehalten haben.

"Nicht einsperren"

Es wird bei dieser EM eher nicht passieren, dass wie noch vor zwei Jahren in Brasilien die Fußballer zwischen den Touristen am Strand flanieren - so wie es einige niederländische Spieler in Rio de Janeiro an freien Tagen an der Copacabana taten. Gleichwohl soll es für die deutschen Kicker kein Ausgehverbot geben.

"Wir können und wollen die Spieler nicht über fünf Wochen einsperren", sagte Bierhoff. Laut dem DFB-Manager werden am Hotel und rund um das Medienzentrum am Genfer See "mehr und intensivere Sicherheitskontrollen gelten als sonst".

Enormer Aufwand

Die Zuständigkeiten sind klar geregelt: In den Spielstätten selbst ist die UEFA als Veranstalter in der Pflicht, auf öffentlichen Plätzen das Innenministerium zuständig. Der französische Sportminister Patrick Kanner sagte: "Wir haben das Menschenmögliche für die Sicherheit getan." Wohl wissend, dass es keinen absoluten Schutz geben kann.

Denn wenn sich einer mit einem Sprengstoffgürtel irgendwo an einen belebten Ort begibt, wie will man ihn erkennen und aufhalten? Die Regierung in Paris hat den geltenden Ausnahmezustand und die Sonderrechte für die Sicherheitsorgane verlängert. Insgesamt sind mehr als 10.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Fanzonen werden kontrolliert

Im Visier von Attentäter könnte auch das Public Viewing sein. "Die Fanmeilen werden genauso gesichert wie die Stadien", hat Premierminister Manuel Valls beteuert. In Paris wurde heftig darüber gestritten, ob die Fanzone auf dem Marsfeld direkt hinter dem Eiffelturm mit Platz für mehr als 80.000 Menschen wirklich so stattfinden kann.

Einige wie der Ex-Polizeichef Frederic Pechenard waren strikt dagegen - letztlich setzte sich die Fraktion um Bürgermeisterin Anne Hidalgo durch. Die in den zehn Fan-Zonen erwarteten sieben Millionen Besucher müssen sich nur darauf einstellen, dass sie mindestens eine genauso fürsorgliche Eingangskontrolle erwartet wie die Journalisten in Ascona.

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