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Undurchsichtig und umstritten

Massive Kritik am Modus der Auslosung zur Fußball-EM 2020

Ein aufgeblähtes Teilnehmerfeld, eine auf zwölf Ausrichter verteilte EM 2020 und zahlreiche Vorgaben: Von einer Auslosung der Endrunde kann am Samstag in Bukarest kaum noch die Rede sein. International regt sich Kritik an dem Prozedere.

Der Spielball und die Trophäe der Fußball-EM 2020
Der Spielball und die Trophäe der Fußball-EM
Quelle: pr

In Belgien sind die Protagonisten weniger zurückhaltend als in Deutschland. An dem Prozedere für die Auslosung der EM-Endrunde am Samstag (18 Uhr) in Bukarest übt der Weltranglistenerste heftige Kritik. "Fußball ist mehr und mehr ein Geschäft geworden", schimpfte Kevin De Bruyne gegenüber dem belgischen Sender VTM Nieuws.

"Wie eine Wettbewerbsverzerrung"

Belgien als souveräner Gruppensieger weiß schon jetzt, dass die Gegner in der Gruppe B Russland und Dänemark heißen. Und die einzige Variable besteht darin, ob Wales oder Finnland noch dazukommen. Der ehemalige Bundesligaprofi und Starspieler von Manchester City sprach von einer "Schande", denn: "Das fühlt sich an wie eine Wettbewerbsverzerrung."

Für die Belgier geht es deshalb in die Russland-Gruppe nach St. Petersburg, weil die Ukraine aus politischen Gründen dort nicht spielen darf. Und alle anderen Teams aus dem ersten Lostopf genießen Heimrecht in ihren Austragungsstädten. Die Roten Teufel sind die ersten Leidtragenden eines schwer durchschaubaren Systems.

Von einer echten Auslosung kann keine Rede sein, wenn nur elf Teams frei gelost werden und der Rest durch politische und organisatorische Vorgaben schon gesetzt ist. Zudem ist die EM-Qualifikation zwanghaft mit der Nations League verknüpft: Zwei Wettbewerbe in den Qualifikationsmodus einfließen zu lassen, ist nicht logisch - und nachvollziehbar sind die Kriterien nur schwerlich.

Alles wirkt zu groß und zu kompliziert

Bei der erstmals mit 24 Teams ausgespielten EM 2016 in Frankreich war es so, dass die besten Gruppendritten noch Playoff-Spiele absolvierten. Im November 2015 standen die Teilnehmer fest, danach wurde das Endturnier ausgelost. Aber warum einfach halten, wenn es auch kompliziert geht: Diesmal dürfen Nationen wie Georgien, Nordmazedonien, Kosovo und Weißrussland noch über einen so genannten Playoff-Pfad D hoffen, obwohl die in der deutschen Gruppe vollkommen überforderten Weißrussen bei einem Endturnier eigentlich nichts zu suchen haben. Erst im März 2020 steht das Teilnehmerfeld wirklich fest.

Der einstige UEFA-Boss Michel Platini hatte nicht nur die Aufblähung der EM in die Wege geleitet, sondern hatte bei der EM 2012 in Kiew auch die fixe Idee vorgestellt, die Auflage 2020 über ganz Europa zu verteilen. Zwölf Länder, zehn Sprache, sieben Währungen und vier Zeitzonen kommen heraus, wenn zwischen Bilbao, Budapest und Baku im fernen Aserbaidschan gespielt wird.

Von einer großen Party, wie sie einst der heutige FIFA-Präsident Gianni Infantino in seiner Rolle als Platinis Generalsekretär versprach, kann keine Rede mehr sein. Auch Fans brauchen ganz viel Organisationsgeschick und einen gut gefüllten Geldbeutel, um das Dutzend an Spielorten anzusteuern. Und die besondere Turnieratmosphäre mit einem landestypischem Charakter wird sich schon deshalb nicht einstellen, weil sich die Teilnehmer zumeist in ihrem eigenen Land verschanzen dürften.

Löw spielt den Pragmatiker

Bundestrainer Joachim Löw gibt sich vor der Prozedur im Messezentrum von Bukarest als Pragmatiker zu erkennen: "Eine Auslosung ist für mich keine Anspannung. Es ist immer interessant, was für Gegner man bekommt, man kann sich mit den Gegnern beschäftigen. Das ist ein wichtiges Mitbringsel in die Heimat."

Der 59-Jährige weiß, dass seiner Mannschaft in der Gruppenphase jegliche Reisestrapazen erspart bleiben: "Das ist natürlich gut, wenn sich auf kurze Reisen einstellen kann." Ausgerechnet die München und Budapest zugeteilte deutsche Gruppe F bietet noch die meisten Optionen.

Aus dem zweiten Topf kommen Frankreich oder Kroatien, Polen und die Schweiz infrage, auf dem dritten Topf wäre Europameister Portugal der schwierigste Gegner. Ungarn, Island oder Bulgarien bieten sich als dritter Kontrahenten an. Würde sich allerdings aus diesem Qualifikationspfad A Rumänien durchsetzen, würden die Rumänen automatisch der Gruppe C mit dem Spielort Bukarest zugeordnet. Dann käme ein Leichtgewicht auf dem Qualifikationspfad D auf die Löw-Elf zu, die ihre Heimspiele in München am 16., 20. und 24. Juni austrägt. Danach kann es vor dem Halbfinale und Finale in London nach Dublin, Baku, Bilbao oder St. Petersburg gehen.

DFB hält sich mit Kritik zurück

Mit Kritik am Format hält sich ausgerechnet der mächtige DFB zurück. Zum einen, weil ihr Bundestrainer wirklich entspannt ist. Zum anderen auch, weil der größte Verband gerade nicht in den entscheidenden Gremien bei UEFA und FIFA vertreten ist. Sich da aus der Ferne als Besserwisser aufzuschwingen, käme nicht so gut. Andere Nationen artikulieren ihren Unmut deutlicher.

"Ich verstehe dieses neue Format nicht wirklich", hat der niederländische Nationaltrainer Ronald Koeman gesagt. Der Bondscoach verriet, dass er im eigenen nachgefragt Verband habe, "ob ich wirklich zu dieser Auslosung gehen soll". Immerhin: Mit ihrem festen Spielort Amsterdam hat die Elftal immerhin Planungssicherheit für die Vorrunde. Und vermutlich auch einfachere Gegner als der Nachbar Belgien.

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