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Abschied mit Tränen

Europa League | FC Chelsea - Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurts Finaltraum platzt im Europa-League-Halbfinale beim FC Chelsea auf höchst tragische Art und Weise. Dennoch ziehen Stadt und Verein einen enormen Gewinn aus der Europa-Tour.

David Abraham tröstet Goncalo Pciencia
Ein glanzvolles Jahr endet tragisch: David Abraham (li.) und Goncalo Pciencia
Quelle: ap

Wenn gestandene Männer auf der Tribüne und auf dem Rasen mit feuchten Augen zu kämpfen haben und irgendwann die Tränen in Sturzbächen über die Wangen rinnen, dann hat sich meist ein Fußballspiel mit Erinnerungswert abgespielt. An der Stamford Bridge haben zwar alle bei Eintracht Frankfurt versucht, nach dem tragischen Aus im Europa-League-Halbfinale beim FC Chelsea mit dem 3:4 (1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen in die Mischung aus Trotz und Tapferkeit zu schalten, doch so einfach ging das nach diesem tragischen Verlauf nicht.

"Es nicht leicht zu kapieren, weil wir was Außergewöhnliches geschafft haben", sagte einigermaßen gefasst Sportvorstand Fredi Bobic, der zum x-ten Mal bei dieser ungewöhnlichen Europa-Tour mit einer siegreichen Gruppenphase gegen Kaliber wie Lazio Rom und Olympique Marseille und dem Weiterkommen gegen Kontrahenten wie Schachtjor Donezk, Inter Mailand und Benfica Lissabon die "unglaubliche Willensleistung" lobte.

Ein Verein wie seine Stadt

Der Pokalsieger, unter den sieben deutschen Europapokalstarter als größter Außenseiter gestartet, hielt tapfer als letzter Bundesliga-Vertreter die Fahne hoch und sammelte am Abstand die meisten Punkte für die wichtige UEFA-Fünfjahreswertung ein. Hinzu kommt der Imagegewinn, den Stadt und Verein eingefahren haben. Die Multi-Kulti-Truppe ist ein Musterbeispiel fürs gelungene Miteinander und gleichzeitig ein Abziehbild der wachsenden Mainmetropole mit all ihrer Vielfalt.

Eintracht Frankfurt hat seine eigenen Grenzen ein ganzes Stück nach oben verschoben. Ein Verein wie seine Stadt: Die Mitgliederzahl wird bald die 75.000er-Marke brechen, das Stadion soll spätestens bis zur EM 2024 ausgebaut werden, eine neue Geschäftsstelle entsteht. Mit UEFA-Ausschüttungen aus Prämien und Marketingpool und den Zuschauereinnahmen hat die Europa-Tour rund 30 Millionen Euro eingebracht, der Marktwert der Mannschaft ist sprunghaft gestiegen. Es sind eine Menge nachhaltiger Effekte angestoßen. Das geht von der Eigenvermarktung bis zur Internationalisierung eines Klubs, der sich in dieser Saison fast selbst überholt hat, wie der Treiber Bobic bestätigt.

Die Reise nach Baku vor Augen

Es wäre die Pointe gewesen, wenn jener Klub, dessen begeisterungsfähiger Anhang vor jedem Heimspiel die Hymne "Im Herzen von Europa" singt, das das englische Alleinvertretungsrecht in den zwei europäischen Endspielen verhindert hätte. Doch spielten die Nerven Martin Hinteregger und Gonçalo Paciência bei ihren letzten Elfmetern einen Streich, nachdem Kevin Trapp mit einer Parade die Vorlage zum Weiterkommen geliefert hatte.

"Ich habe den Jungs gesagt, ich bringe euch ins Finale, Ich dachte, ein Gehaltener reicht", erzählte der von Paris St. Germain ausgeliehene Torwart, der um die übergeordnete Einordnung bat: "Niemand hat erwartet, dass wir im Halbfinale gegen Chelsea im Elfmeterschießen ausscheiden." Das macht es ja so bitter.

Viele Eintracht-Anhänger, von denen viel mehr als die offiziell zugeteilten 2235 Tickets an die Fulham Road gekommen waren, wähnten sich bereits im Flieger nach Baku zum Europa-League-Endspiel am 29. Mai, als das Starensemble und der vom Heimpublikum beschimpfte Trainer Maurizio Sarri sich beim Check-In vordrängelten. "Unser Traum ist geplatzt. Wir waren fast mit einem Bein im Finale. Es sind viele Tränen geflossen", berichtete Trainer Adi Hütter und stellte ohne Umschweife fest: "Wir haben es nicht verdient auszuscheiden."

Charaktertest gegen Mainz

Doch ähnlich wie Ajax Amsterdam machte auch der Außenseiter Eintracht die Erfahrung, dass auf dieser Bühne eine Tür noch in letzter Sekunde zufallen kann, die eigentlich schon sperrangelweit auf stand. "Egal, was am Ende rauskommen wird - das war ein überragendes Jahr", betonte Bobic: "Aber wenn es einen Freifahrtschein für die Champions League geben würde - wir hätten ihn verdient."

Egal, was am Ende rauskommen wird - das war ein überragendes Jahr.
Fredi Bobic

Nur werden genau diese begehrten Startplätze selten von einer über die Gerechtigkeit des Fußballs wachenden Jury vergeben, sondern im knallharten Konkurrenzkampf der Bundesliga. Und das macht es für den aktuellen Tabellenvierten so gefährlich. Das Heimspiel am 33. Spieltag gegen den Nachbarn FSV Mainz 05 wurde von der Deutschen Fußball Liga (DFL) zwar auf Sonntag (18 Uhr) verlegt, aber selbst der zusätzliche Regenerationstag könnte zu wenig sein, um die körperlichen und seelischen Wunden zu heilen. Antreiber Sebastian Rode (verdrehtes Knie) wird sicher ausfallen.

Und dass es am letzten Spieltag zum FC Bayern geht, macht es für die Hessen, die aus den letzten vier Bundesligaspielen nur zwei Punkte holten, gemeingefährlich. Am letzten Spieltag in München beim Ex-Trainer Niko Kovac vollständig aus den Europapokalrängen zu purzeln, wäre für die gar nicht mehr launische Diva vom Main eine noch viel größere Tragik als das Drama im Londoner Süden am Donnerstagabend.

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