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Mit Klopp zurück zu alten Tugenden

Sport - Mit Klopp zurück zu alten Tugenden

Das 1:1 im Hinspiel der Europa League bei Borussia Dortmund ändere nichts an den Chancen, sagt Liverpools Mittelfeldspieler Emre Can im ZDF-Interview: "Es bleibt bei 50:50."

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.04.2017, 00:10

In England sieht man in Jürgen Klopps Fußball die Rückkehr zu eigenen Tugenden. Klopp hat Zeit und Geld, den FC Liverpool nach seinen Wünschen umzubauen. Ein Weiterkommen im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League am Abend gegen den BVB (21.05 Uhr) wäre ein großer Erfolg.

„Jürgen Klopp erinnert den englischen Fußball daran, worin er gut ist.“ Der Guardian ist am Mittwoch voll des Lobes für den Liverpooler Trainer. „Es gibt eine Menge Gründe zu glauben, dass Liverpool unter Jürgen Klopp Fortschritte macht,” heißt es dort, und: „Er hat den Spaß zurückgebracht und, was noch wichtiger ist, er hat gezeigt wie unterhaltsam, wie gut englischer Fußball - ein Fußball englischen Stils - sein kann.“ Das ist schon eine erstaunliche Aussage. Noch hat Klopp keinen Pokal gewonnen und in der Liga liegt Liverpool auf Platz acht. Sowas nennt man für gewöhnlich Underperformance.

Deutliche Fortschritte bei Liverpool

Zuerst einmal ist zu beobachten, dass die Reds zuletzt wirklich besser geworden sind, attraktiveren und schnelleren Fußball spielen. An BVB-Trainer Thomas Tuchel ist das nach dem 1:1 im Hinspiel vor einer Woche nicht unbemerkt vorbei gegangen: „Liverpool ist in den letzten Wochen stärker geworden ist. Zu einem großen Teil ist das Jürgens Verdienst. Es ist schwierig gegen sie zu spielen - sie verteidigen hoch und haben hervorragende Offensivqualitäten.”

Seit Klopp das Ruder an der Anfield Road übernommen hat, ist der FC Liverpool in der Liga schon einige Male durch spektakulären Angriffsfußball aufgefallen. Aber oft standen drei, vier geschossenen Toren ebenso viele Gegentore gegenüber. Die Balance im Team hat gefehlt, das Umschalten von Verteidigung auf Angriff klappte nicht gut, und bei Standards verteidigte kein Team schlechter als die Liverpooler. Daher der eher mäßige Tabellenstand.

Gegenpressing braucht Zeit

Dennoch ist es ruhig geblieben in Liverpool. Klopp predigt seit seiner Ankunft, dass die Umstellung auf sein anspruchsvolles taktisches System Zeit brauche. Und es sieht so aus, als bekomme Klopp die Zeit, es ist als ob sich eine große Vorfreude aufbaut angesichts der immer wieder aufblitzenden Fähigkeiten des Teams. Natürlich werden von Klopp Titel erwartet, daran wird er letztlich gemessen werden.

Er war nahe dran, schon mal einen kleinen Titel zu holen. Das Endspiel des Ligapokals ging erst im Elfmeterschießen gegen ManCity verloren. Dem eigenen Anspruch nach muss ein Club wie Liverpool in der europäischen Königsklasse spielen, diese ist nur noch erreichbar, wenn Liverpool die Europa League gewinnt. Dem Sieger winkt die automatische Qualifikation für die Champions League nächstes Jahr. Das scheint nun machbar. Auch daher kommt ein wenig Euphorie.

Klopp immer populärer

Der zweite Grund für Klopps wachsende Popularität ist, dass der von Klopp favorisierte Angriffsfußball der englischen Tradition entgegenkommt. Im Guardian vom Mittwoch steht, dass das Gegenpressing, das Klopp seiner Liverpooler Mannschaft einimpfen will, der alten englischen Schule des Fußballs entspricht. Jedenfalls deutlich mehr als das artifizielle spanische Tiki-Taka eines Pep Guardiola oder Louis van Gaals Idee vom Vorrang des Ballbesitzes. Seit der Mitte der sechziger Jahren, so der Artikel, stand der englische Fußball im Zeichen einer frühen Ballrückeroberung. Wohl eine Vorform des Gegenpressings, bevor es den Begriff überhaupt gab.

Aber dieser sehr erfolgreiche, kampf- und laufbetonte Fußball galt als Auslaufmodell. England wurde sozusagen ein Opfer der Internationalisierung: Zu viele Einflüsse ließen seit den Neunzigern die eigenen Stärken in Vergessenheit geraten. So ist es nun an Klopp (und dem Argentinier Mauricio Pochettino bei Tottenham) alte Tugenden zu reimportieren, so könnte man sagen. Klopp so der Guardian, habe ja nie einen Hehl aus der Tatsache gemacht, dass der englische Fußball ihn stark beeinflusst habe.

Viel Geld und genug Zeit

Klopp hat Zeit und Geld, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen umzubauen. Im Sommer werden zu Klopps Fußball die passsenden Spieler gesucht. Das Herz des künftigen Teams ist ein brillantes brasilianisches Duo: Coutinho und Roberto Firmino spielen an guten Tagen jede gegnerische Abwehr schwindelig. Davor läuft gerade der erst zwanzigjährige Belgier Divock Origi, der auch in Dortmund getroffen hat, den etablierten Sturridge und Benteke den Rang ab.

Es steckt viel Offensivpotential in der Mannschaft. Das 1:1 aus dem Hinspiel lässt beide Teams auf ein Weiterkommen hoffen. Für die englischen Medien war Dortmund vor dem Hinspiel Favorit auf den Gewinn des Titels. Das Spiel vor großer heimischer Kulisse und die Tatsache schon in Dortmund gut gespielt zu haben, geben Liverpool nun das nötige Selbstvertrauen. Die Anfield Road wird ein Offensivspektakel erleben. Ein Sieg gegen Dortmund wäre für Jürgen Klopp und Liverpool ein erster großer, sehr wichtiger Schritt zu künftigen ganz großen Erfolgen.

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