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Ich bin dann mal wieder da

Sport - Ich bin dann mal wieder da

Uli Hoeneß kommt frei: Nach 21 Monaten in Haft, davon die längste Zeit als Freigänger, soll die restliche Strafe nun zur Bewährung ausgesetzt werden. Eine Entscheidung, die polarisiert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.02.2017, 05:40

Uli Hoeneß ist gestern aus der Haft freigekommen. Erwartet wird, dass der langjährige Manager und Präsident in der zweiten Jahreshälfte in eine führende Rolle beim FC Bayern zurückkehrt.

Eingebunden ist Uli Hoeneß längst wieder in wichtige Entscheidungen, nach außen aber dosiert er seine Rückkehr in vorsichtigen Schritten. In den kommenden Monaten "werde ich Fußball genießen, ins Stadion gehen und wieder Fan sein“, hat er gerade gesagt. Zudem plant er einen Familienurlaub und danach - angeblich - am 1. Juli zu verkünden, ob und welche Rolle er zu übernehmen gedenkt im Verein. Auch das kolportierte Datum lässt erahnen, wozu der langjährige Manager und Präsident des FC Bayern tendiert. Es markiert offiziell den ersten Tag der neuen Saison.

Beginn eines neuen Lebensabschnitts

Am Montag kam Hoeneß nach dann insgesamt 637 Tagen Haft wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro frei. Nachdem ihm im Januar die sogenannte Halbstrafe gewährt worden war, beginnt für den 64-Jährigen damit ein neuer Lebensabschnitt. Auf Bewährung, nach 21 der ursprünglich veranschlagten 42 Haftmonate, wegen einer vorbildlichen Führung, wie es zur Begründung hieß. Eine Entscheidung, die kontrovers diskutiert wurde.

Die Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung kommentierte, dies sei ein "fatales Signal“ und "untergrabe den Glauben der Bürger daran, dass vor dem Gesetz alle gleich sind“, da eine Halbierung der Haftstrafe die absolute Ausnahme sei. Andere Beobachter hingegen begleiten Hoeneß‘ Weg zurück in die Freiheit auffallend wohlwollend.

Hafterlass polarisiert

Auch im übrigen Publikum stehen sich die Befürworter und Kritiker des Hafterlasses und des schon immer polarisierenden Patriarchen ziemlich unversöhnlich gegenüber. Einen maßvollen Umgang, der jedem Ex-Häftling zusteht, darf Hoeneß auch in Zukunft wohl kaum erwarten. Sehr weit hatte er sich ja früher oft aus dem Fenster gelehnt, wenn er gegen die Verfehlungen anderer polterte.

Nach allem, was aus dem Verein und von langjährigen Weggefährten zu vernehmen ist, kann Hoeneß es dennoch kaum erwarten, wieder die alten Aufgaben von vor der Haft zu übernehmen. Dass er voller Tatendrang sei, ist ebenso überliefert wie sein Wunsch nach einer Rückkehr in eine führende Rolle beim FC Bayern.

Rückkehr an die Macht wahrscheinlich

"Dass Uli zurück an die Macht will, steht fest“, soll ein Vertrauter laut "Sport Bild" gesagt haben. Auch Hoeneß hat sich inzwischen geäußert, konkrete Pläne gab er aber nicht bekannt. Einmal abgesehen von jenem, sich nach seiner 14-monatigen Freigänger-Tätigkeit als "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team“ auch künftig um den Nachwuchs des Vereins kümmern zu wollen, mindestens einmal in der Woche. "Ich habe es jetzt verinnerlicht, da bleibe ich dran“, sagte Hoeneß dem "kicker". Frei nach dem Motto: Ich bin dann mal wieder da.

Dass er sich kurz vor seiner Entlassung aus der Haft wieder zunehmend öffentlich äußerte, lässt sich wie mehrere Spenden für wohltätige Zwecke wohl auch als Vorbereitung seiner Zukunft in Freiheit deuten. Kritiker und Wohlmeinende dürften sich gleichermaßen bestätigt fühlen. Die Wohlmeinenden in ihrer Einschätzung, Hoeneß zeige Reue und sein großes soziales Gewissen. Und die Kritiker, für die er sich von seinem Steuerbetrug an der Gesellschaft frei- und verlorenes Ansehen wieder erkaufen will.

Im Herbst stehen Wahlen an

Im Herbst stehen Präsidentschaftswahlen beim FC Bayern an. Der Amtsinhaber und zugleich Aufsichtsratsvorsitzende Karl Hopfner hat längst erklärt, dass er einer Rückkehr seines Vorgängers nicht im Wege stehen werde, sofern Hoeneß zurück wolle auf den Thron seines Lebenswerks. Vielleicht nur als Präsident und nicht wieder als Aufsichtsratschef. Die dafür nötige Satzungsänderung wäre das geringste Problem.

Eher schon muss sich Hoeneß Gedanken darüber machen, dass seine wahrscheinliche Rückkehr auch im Klub nicht ohne Vorbehalte betrachtet wird. Stets auffallend zurückhaltend äußert sich etwa der aktuelle Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge. "Keine Ahnung“, sagte der Vorstandsvorsitzende jüngst auf die Frage nach Hoeneß‘ Rückkehr als Präsident, "ich habe mit ihm darüber noch gar nicht gesprochen, was er vorhat. Ich glaube, wenn er es werden will, wird er es wahrscheinlich werden.“ Das klang nicht gerade danach, gerne Macht einzubüßen.

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