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FC Bayern: Hoeneß geht, aber nicht ganz

Der langjährige Macher des FC Bayern verkündet seinen baldigen Abschied als Präsident und Chef des Aufsichtsrats, dem er als einfaches Mitglied aber erhalten bleibt. Seinen Einfluss auf sein Lebenswerk wahrt Uli Hoeneß auch anderweitig.

Uli Hoeneß
Uli Hoeneß
Quelle: reuters

Als Uli Hoeneß bei der Ehrung der Double-Gewinner mit Fan-Sprechchören gefeiert wurde, hätte ihn Wehmut befallen können. Der Patriarch des FC Bayern als umjubeltes Familien-Oberhaupt, „das hat mir unheimlich gefallen“, sagte er. Es war ja so ganz anders als auf der Jahreshauptversammlung (JHV) im November, als Hoeneß vom Redner Johannes Bachmayr scharf angegangen wurde („Der FC Bayern ist keine One-Man-Show“), wofür dieser von vielen anderen Mitgliedern Applaus erhielt. Hoeneß erntete damals viele Buh-Rufe, als er eine Debatte über die vorgebrachte Kritik verweigerte. All das wirkte am Mittwoch ziemlich fern, als Hoeneß als der „beste Mann“ gefeiert wurde.

Hoeneß für Hainer

Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann.
Uli Hoeneß

Geändert hat die jüngste Verehrung an seinem reiflich überlegten Entschluss selbstredend nichts, seine Ämter als Präsident und Chef des Aufsichtsrats in zweieinhalb Monaten aufzugeben. Das teilte der FC Bayern am Donnerstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. An diesem Freitag wird Hoeneß auf einer Pressekonferenz öffentlich zu seinem Rückzug Stellung nehmen. Für die Präsidentenwahl bei der kommenden JHV am 15. November wird der ehemalige Chef des Anteilseigners Adidas, Herbert Hainer, 65, auf Hoeneß‘ Wunsch für seine Nachfolge kandidieren. Hainers Wahl durch die Mitglieder gilt ebenso als sicher wie anschließend die Übernahme des Chefpostens im Aufsichtsrat, wo er derzeit Hoeneß‘ Stellvertreter ist.

Zu Hoeneß‘ Entschluss hätten neben familiären Gründen auch der „Schock“ über Bachmayrs beklatschte Grundsatzkritik und die ständigen „Zwistigkeiten“ mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beigetragen, sagte der Chef des Verwaltungsbeirats, Edmund Stoiber. Womöglich haben den 67-Jährigen die jüngsten Huldigungen sogar bestärkt, den Zeitpunkt als richtig gewählt zu empfinden. Hoeneß, der Spieler (1970 – 1979) und vor allem polarisierende Macher des FC Bayern (seit 1979), kann sich so nach mehr als 40 Jahren in der Verantwortung unter viel Beifall zurückziehen statt zum Rücktritt gedrängt zu werden.

Zukunft mitgestalten

Es ist eine Zäsur, doch gehen wird Hoeneß nicht so ganz. Einfaches Mitglied im Aufsichtsrat werde er bleiben, teilten die Bayern mit. Dadurch behält Hoeneß Einfluss auf alle wichtigen Entscheidungen. Zudem weiß er, dass sein Freund Hainer den FC Bayern in seinem Sinne weiterführen wird. Auch sonst wahrt Hoeneß seinen Einfluss auf sein Lebenswerk. Durch seinen Vertrauensmann Oliver Kahn, 50, der vom 1. Januar an als Nachfolger von Rummenigge (Vertrag bis 31. Dezember 2021) eingearbeitet und dessen Amt am 1. Januar 2022 übernehmen soll. Und auch durch die von Hoeneß maßgeblich eingesetzten Jan-Christian Dreesen, Jörg Wacker (beide Vorstände), Hasan Salihamidzic (Sportdirektor) und Niko Kovac (Trainer).

Schon am Mittwoch hatte Hoeneß anklingen gelassen, dass er die Zukunft mitgestalten möchte, nur eben mehr aus dem Hintergrund. „Die Hilfe für den FC Bayern hat ja nichts mit dem Amt zu tun“, sagte er, „ich habe immer gesagt, dass ich dem Verein, was immer ich tun kann, zur Verfügung stehe – und das ist nicht an irgendein Amt gebunden.“ Bevor er seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung (2014 – 2016) antrat, hatte Hoeneß 2013 sogar gesagt: „Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann.“

Was "den FC Bayern so liebenswert macht"...

Was hier sportlich und gesellschaftlich geschaffen wurde, gibt es auf der ganzen Welt nicht nochmal.
Uli Hoeneß

Sein Lebenswerk hat Hoeneß jüngst schon aus seiner Sicht bilanziert. „Was hier sportlich und gesellschaftlich geschaffen wurde, gibt es auf der ganzen Welt nicht nochmal“, befand er, „es ist die Geschichte, die den FC Bayern so liebenswert macht. Wir wollen anders sein als diese Geldsäcke, die in unserem Geschäft immer mehr die Oberhand gewinnen.“ Seine Kritiker empfanden das als Verklärung. Bei seinem Ausstand auf der JHV im November dürften sie sich aber wohl zurückhalten in den Feierlichkeiten, die dann zu Hoeneß‘ Ehren zu erwarten sind. Wenn er geht, aber nicht so ganz.

Hoeneß' Laufbahn beim FC Bayern

  • 7. Juli 1974: Zwei Jahre nach dem EM-Titel jubelt Uli Hoeneß auch als Fußball-Weltmeister. Dreimal gewinnt er den Europapokalsieger der Landesmeister mit dem FC Bayern. Dazu kommen drei Meistertitel und ein Pokalsieg. Den Weltpokal gewinnt er 1976. Wegen einer chronischen Knieverletzung beendet er 1979 mit nur 27 Jahren seine Karriere.
  • 1. Mai 1979: Die Manager-Laufbahn beginnt. Im grauen Sakko und mit einem Notizblock unter dem Arm übernimmt Hoeneß das Büro seines Vorgängers Robert Schwan. Ein Schreibtisch und ein Sideboard mit einem Telefon drauf - so sah es damals aus im Büro. Zwei Stunden telefoniert Hoeneß herum, dann ist der erste Arbeitstag vorbei.
  • 17. Februar 1982: Der 30-jährige Hoeneß überlebt wie durch ein Wunder als einziger an Bord den Absturz mit einem Propellerflugzeug auf dem Weg nach Hannover zu einem Länderspiel.
  • 23. Mai 2001: Der FC Bayern wird erstmals Champions-League-Sieger, der größte sportliche Erfolg für Hoeneß als Manager. In diesem Amt bejubelt der Mr. FC Bayern auch den UEFA-Cup-Erfolg 1996. 16 Meisterschaften, neun Pokalsiege und ein weiterer Weltpokalerfolg kommen noch dazu.
  • 27. November 2009: Mit imposanten 99,3 Prozent der knapp 4500 abstimmenden Mitglieder wird Hoeneß erstmals zum Club-Präsidenten gewählt. Bei Ovationen und «Uli, Uli»-Rufen unterdrückt er Tränen.
  • Titel feiert Hoeneß auch in diesem Amt zuhauf. Höhepunkt ist das einzigartige Triple 2013 inklusive des Champions-League-Titels.
  • 13. März 2014: Das Landgericht München spricht Hoeneß wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig. Er wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe, tritt von seinen Ämtern beim FC Bayern zurück. "Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht!", kündigt Hoeneß wenig später bei einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung an. Einen Monat später tritt er die haft an.
  • 25. November 2016: Neun Monate nach seiner Haftentlassung steht der große Tag der Wiederwahl an. Beklatscht wie in einem Fußballstadion und unter Sprechchören nimmt der 64-Jährige voller Stolz die Wahl an. "Ich verspreche Euch, ich werde Euch nicht enttäuschen", erklärt er. Mehr als 97 Prozent der über 7000 Mitglieder votieren für ihn.
  • 30. November 2018: Bei der Jahreshauptversammlung gibt Hoeneß nähere Einblicke in den Umbruch der Klub-Führung, bei dem Oliver Kahn eine zentrale Rolle spielen soll. Er selbst wird am Ende des Abends ungewöhnlich hart kritisiert, es gibt sogar Buh-Rufe. "Dieser Abend geht nicht spurlos an einem vorüber", gesteht Hoeneß kurz darauf.
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