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FIFA-Ethiker fordern Niersbach-Sperre

Sport - FIFA-Ethiker fordern Niersbach-Sperre

Die Ermittler der FIFA-Ethikkommission haben eine Zweijahres-Sperre für Wolfgang Niersbach gefordert. Der ehemalige DFB-Präsident bekleidet noch hohe Ämter im internationalen Fußball.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.05.2017, 19:29

Die Ermittler der FIFA-Ethikkommission fordern eine Zweijahres-Sperre für den früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach (65). Der Ex-Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war wegen des WM-Skandals 2006 ins Visier der "Ethikjäger" geraten.

Niersbach sitzt noch im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sowie im Council des Weltverbands FIFA. Die rechtsprechende Kammer hat ein formelles (Gerichts-)Verfahren eröffnet.

Niersbach kann noch Stellung nehmen

Chefermittler Cornel Borbely (Schweiz) hatte seinen Abschlussbericht am 22. April weitergeleitet, genau einen Monat nach Beginn des Ermittlungsverfahrens. In ihrem Untersuchungsbericht werfen die Ermittler unter dem Vorsitz des Schweizers Cornel Borbély dem ehemaligen Vizepräsidenten des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft in Deutschland Verstöße gegen vier Paragrafen des FIFA-Ethikcodes vor. Sie fordern neben dem Bann für alle Fußballaktivitäten auch eine Geldstrafe von 30.000 Schweizer Franken. Niersbach hat nun die Gelegenheit, sich zu verteidigen und kann eine Anhörung beantragen. Über eine mögliche Strafe entscheidet nun die Rechtsprechende Kammer.

Im Kern geht es um die "verschwundenen" 6,7 Millionen Euro, die im Rahmen der WM-Vergabe vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach Katar überwiesen wurden. Warum, wissen bislang nur die Verantwortlichen. Und die schweigen. Niersbach selbst saß damals im von Beckenbauer geführten WM-Organisationskomitee.

DFB berät weiteres Vorgehen

Zum Verhängnis wurde ihm aber vorrangig, dass er die Dinge im Sommer 2015, als er laut eigener Aussage erstmals von den Unregelmäßigkeiten um die Millionen erfahren hatte, erst intern regeln wollte. "Diesem Reglement unterstellte Personen müssen ein mögliches Vergehen gegen dieses Reglement umgehend dem Sekretariat der Untersuchungskammer der Ethikkommission melden", steht im Ethik-Code, Artikel 18 eindeutig. Am 9. November 2015 trat Niersbach als DFB-Präsident zurück.


Die neue Führungsriege des DFB beriet sich am Freitagmittag lange über das weitere Vorgehen. Fakt ist, dass die Personalie Niersbach belastet ist - mit jeder Mitteilung der Ethikkommission mehr. "Es gibt keine Vorverurteilung", hatte DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball zuletzt gesagt. Niersbachs Mandat bei der UEFA läuft offiziell noch bis 2017, bei der FIFA bis 2019. Für seinen Job beim Weltverband kassierte der frühere Journalist allein im vergangenen Jahr 270.000 Euro.

Weitere Verfahren könnten folgen

Borbely hatte seinen Abschlussbericht am 22. April weitergeleitet, genau einen Monat nach Beginn des Ermittlungsverfahrens. Ausschlaggebend war der am 4. März veröffentlichte Freshfields-Bericht über die WM-Affäre 2006, in dem Niersbachs Schweigen während der Sommermonate klar beleuchtet wurde.


Ermittlungen aufgenommen worden waren zudem gegen Beckenbauer, Ex-DFB-Präsident und Niersbach-Vorgänger Theo Zwanziger sowie gegen die früheren DFB-Generalsekretäre Helmut Sandrock und Horst R. Schmidt und den einstigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans. Dass die Ethikkommission am Freitag nur über das Niersbach-Verfahren informierte, ist wohl kein Zeichen dafür, dass gegen die weiteren Verantwortlichen des WM-Skandals nicht noch Verfahren folgen. Niersbach ist aber der einzige Funktionär, der noch offizielle Ämter ausübt.

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