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Das Prager Geldwunder

Dank ihrer reichen Besitzer investierten die Prager Spitzenklubs Sparta und Slavia in diesem Jahr viel Geld in neue Spieler. Doch der große Erfolg blieb aus. Ähnlich wie momentan bei der tschechischen Nationalmannschaft, WM-Quali-Gegner der DFB-Elf am Freitag um 20:45 Uhr.

Eden Arena
Eden Arena in Prag Quelle: imago

Wie wichtig Halil Altintop für den FC Augsburg war, zeigen schon die nackten Zahlen. Allein in der vergangenen Saison absolvierte der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke 31 Ligaspiele für den bayerischen Bundesligisten und erzielte dabei sechs Tore. Insgesamt stand Altintop, der im Sommer 2013 ablösefrei vom türkischen Erstligisten Trabzonspor zu den Schwaben wechselte, bei 128 Pflichtspielen für die Augsburger auf dem Platz und war einer der Garanten für die jüngsten Erfolge des FC Augsburg. So ist es nicht verwunderlich, dass die Verantwortlichen des Klubs den im Sommer auslaufenden Vertrag mit dem 34-Jährigen gerne verlängert hätten. Doch Altintop, dessen Zwillingsbruder Hamit für den Zweitligisten Darmstadt 98 spielt, zog es in eine der schönsten Städte Europas. Seit dem ersten Juli ist dieser beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag aktiv.

Geld spielt keine Rolle

Ein Transfer, der bei aller Schönheit der tschechischen Hauptstadt aus sportlicher Sicht überraschen mag. Im Gegensatz zu der Bundesliga gehört die tschechische HET Liga nicht gerade zu den stärksten Ligen Europas – was auch für die Finanzen der tschechischen Klubs gilt, die von den Verkäufen ihrer Leistungsträger leben. Doch zumindest bei den Prager Spitzenklubs Slavia und Sparta Prag scheint Geld seit diesem Sommer keine Rolle mehr zu spielen. Neben Halil Altintop verpflichtete Slavia gleich sieben weitere neue Spieler, darunter so bekannte Profis wie Miroslav Stoch (Fenerbahce Istanbul), den Portugiesen Danny, für den der russische Spitzenklub Zenit St. Petersburg einst 30 Millionen Euro an Dynamo Moskau überwies oder den ukrainischen Nationalspieler Ruslan Rotan, der vom FK Dnipro kam.

Noch aktiver auf dem Transfermarkt war der Lokalrivale Sparta Prag, der in diesem Sommer gleich zehn neue Profis verpflichtete. Darunter so bekannte Spieler wie den ehemaligen OSC Lille-Mittelfeldspieler Rio Mavuba oder den israelischen Nationalspieler Tal Ben Haim. Ein weiterer bekannter Profi ist der Franzose Jonathan Biabiany, der von Inter Mailand ausgeliehen wurde. Möglich machen diese für ostmitteleuropäische Verhältnisse beeindruckenden Transfers die vollen Geldbeutel der jeweiligen Klubbesitzer.

Investor aus China

Obwohl Slavia Prag, für den auch einst so bekannte tschechische Spieler wie Pavel Kuka oder Vladimir Smicer spielten, auf eine glorreiche Vergangenheit blicken kann, hatte der Klub in den letzten Jahren mit enormen Problemen zu kämpfen Nach einigen beachtenswerten Auftritten im UEFA-Cup, als man sowohl 2008/09 als auch 2009/10 die Gruppenphase erreichte, begann der sportliche und finanzielle Abstieg, der fast in der Pleite des Traditionsvereins geendet hätte.

Die finanzielle Wende kam mit der Übernahme des Klubs durch den chinesischen Konzern China Energy Company. Eines privaten chinesischen Energie- und Finanzunternehmens, das seit 2015 in der Tschechischen Republik kräftig investiert. Der Konzern kaufte unter anderem nicht nur eine Brauerei und mehrere Immobilien in der tschechischen Hauptstadt, sondern erwarb gleich auch 60 Prozent an Slavia Prag. "Wir wollen aus Slavia einen starken, stabilen Klub machen und ihn dahin zurückführen, wohin er hingehört", erklärte damals Chan Chauto, Vorsitzender des neuen chinesischen Mehrheitseigners. Eine Ankündigung, die nicht nur aus leeren Worthülsen bestand. Bereits in der vergangenen Saison konnte Slavia seinen ersten Meistertitel seit dem Jahr 2009 feiern.

Duell Sparta gegen Slavia Prag

Die Investitionen der Chinesen bedeuteten auch eine Herausforderung für Daniel Kretinsky. Seit 2006 ist der Milliardär Besitzer des Traditionsklubs Sparta Prag. Ein Klub, der zwar als das Bayern München Tschechiens gilt, sich in den letzten Jahren aber kein einziges Mal für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren konnte. Angestachelt durch die Investitionen beim Lokalrivalen Slavia, griff auch fußballbegeisterte Kretinsky tief in die Tasche.

Doch die mutigen Investitionen brachten weder Slavia noch Sparta Prag den erhofften Erfolg. Slavia scheiterte in der Champions-League-Qualifikation an Apoel Nikosia, so wie Vizemeister Viktoria Pilsen, die bereits in der 3. Runde gegen Steaua Bukarest ausschieden. Sparta Prag wiederum scheiterte bereits in der 3. Qualifikationsrunde der Europa League an Roter Stern Belgrad.

Ausbleibender internationaler Erfolg

Ein Ergebnis, das sich auch im Gesicht der tschechischen Nationalmannschaft widerspiegelt. Trotz der jüngsten Investitionen verdienen die meisten tschechischen Auswahlspieler weiterhin ihr Geld lieber im Ausland. Doch hier zeigt sich das große Dilemma des tschechischen Fußballs. Während die früheren Stars wie Vladimir Smicer oder Tomas Rosicky bei Klubs wie den FC Liverpool oder FC Arsenal spielten, sind es heute vorwiegend mittelmäßige Klubs wie der FC Kopenhagen oder Werder Bremen. Für höhere Aufgaben fehlt den Spielern momentan einfach das Talent.

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