Löw bieten sich neue Optionen

Sport - Löw bieten sich neue Optionen

Geht doch! Im Testländerspiel Deutschland - Italien am 29. März in München hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach 21 Jahren das erste Mal wieder gegen Italien gewonnen.

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2 min
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Video verfügbar bis 30.03.2017, 05:51

Mit der 4:1-Gala gegen Italien ist der deutschen Nationalmannschaft nur drei Tage nach der Ernüchterung gegen England der dringend nötige Akt der Versöhnung gelungen. Für Bundestrainer Joachim Löw ergeben sich neue Optionen, die das Arbeiten erleichtern.

Eigentlich schade, dass die Stadionregie in München-Fröttmaning nach dem Schlusspfiff eine so lange Pause ließ. Normalerweise werden die Lautstärkeregler nach Ende eines Länderspiels sofort nach oben gefahren, und der WM-Song "Auf uns" von Andreas Bourani übertönt alles. Viele Zuschauer schienen sogar darauf zu warten, Zeilen wie "Wer friert uns diesen Moment ein" mitzusingen, schließlich hatten viele der 62.653 Zuschauer kurz zuvor ein "Oh wie ist das schön" in der Arena angestimmt. Ganz ohne Vorgabe aus den Lautsprechern.

Joachim Löw hat nach dem furiosen 4:1-Vortrag gegen Italien - dem ersten Sieg gegen den Angstgegner seit 21 Jahren - feinsinnig gelächelt, ob er wegen der besonderen Stimmung auf den Rängen überrascht gewesen sei. So wirklich nicht, erklärte der Bundestrainer. Denn: "Wir haben es besser gemacht als gegen England. Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt." Der Funke sprang denn auch vom Rasen auf die Ränge über - nicht umgekehrt.

Viel Lob für die Dreier-Abwehrkette

Das geschah, weil die personell auf fünf Positionen und taktisch im 3-4-3-System umformierte deutsche Elf in der Lage war, "die Konzentration über 90 Minuten hochzuhalten" (Löw). Kein eklatanter Spannungsabfall nach einer Stunde drückte diesmal auf die Stimmung. "Jeder kann mit einem guten Gefühl nach Hause gehen", meinte Verteidiger Antonio Rüdiger, der zwar den Ball beim Ehrentreffer von Stefan El Shaarawy unglücklich abfälschte (83.), ansonsten aber im Verbund mit Shkodran Mustafi und Mats Hummels erstaunlich abgeklärt agierte.

Das Trio habe "klasse agiert", befand Löw wohlwollend. "Gerade die Abwehrspieler haben sich taktisch hervorragend verhalten." Zudem hätten Jonas Hector und Sebastian Rudy auf den Außenpositionen überzeugend agiert. Der Kölner Linksfuß erzielte das 3:0 (59.), der Hoffenheimer Allrounder holte den Elfmeter heraus, den Mesut Özil zum 4:0 nutzte (75.).

Die Mannschaft zeigte eine taktische Flexibilität, die ihr zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zugetraut worden war. Löw möchte dann spätestens im Trainingslager in Ascona (23. bis 3. Juni) noch an "Spielauslösung, Laufwegen und Umschaltverhalten" arbeiten, wie er sagte.

Kroos und Özil gefallen in neuer Rolle

Wenn sich alle so lernwillig zeigen, wie die neue Doppel-Sechs mit dem bärenstarken Ballverteiler und Torschützen Toni Kroos (24.) sowie dem fleißigen Özil, wäre das hilfreich. Ob das Tandem zum Einsatz kommt, wenn Sami Khedira, Ilkay Gündogan oder auch Bastian Schweinsteiger sich gesund melden, erscheint zwar zweifelhaft, aber es ist eine weitere Option.

Mesut Özil und Toni Kroos
Mesut Özil und Toni Kroos Quelle: ap

Er wollte grundsätzlich etwas anderes probieren, erläuterte Löw seine taktischen Überlegungen gegen die überraschte Squadra Azzurra. Wegen der Dreier-Abwehrkette "konnte man auch ein bisschen mehr Risiko gehen im Mittelfeld." Gut möglich, dass Löw bei der EM in Frankreich – wo die aufgeblähte Gruppenphase an Bedeutung verlieren wird - erneut zwischen den Systemen variiert, um in der K.-o.-Runde für alle Eventualitäten im Ernstfall gerüstet zu sein.

Kein Gradmesser für ein EM-Viertelfinale

Aus dem EM-Tableau ergibt sich, dass es im Viertelfinale wieder zum deutsch-italienischen Duell kommen kann. Dass Italiens Nationaltrainer Antonio Conte eine "Differenz" zum Weltmeister ausgemacht hat, die beim besten Willen in den nächsten Wochen nicht geschlossen werde könne, mag Löw nicht zu Übermut verleiten. Es sei gut, das Gefühl zu haben, "dass man auch Italien schlagen kann, aber ich glaube nicht, dass das 4:1 für die EM eine ganz wichtige Rolle spielt." Das wäre ein anderes Spiel. Vermutlich hat er recht.

Zuvor muss der 56-Jährige andere Entscheidungen treffen. Welche Erkenntnisse lässt er aus dem Testspiel-Doppelpack gegen England und Italien, in dem ihm sein Ensemble im Grunde zwei Gesichter zeigte, in die Nominierung seines Kaders einfließen? Löw will noch in dieser Woche beide Partien in Ruhe analysieren, dann wird er auf die Leistungen seiner Kandidaten in der Liga und in den europäischen Wettbewerben schauen.

Was passiert mit den Kandidaten aus der U 21?

Julian Draxler etwa dürfte mit einer Tor-Vorbereitung Pluspunkte gesammelt haben, Mario Götze - bei Löw ohnehin nie ein Wackelkandidat - untermauerte mit seinem Kopfballtor zum 2:0 (45.) und seiner Hackenablage vor dem 3:0 seinen besonderen Wert. Kardinalfrage wird sein, was mit den Kandidaten aus der U 21 passiert - der Bundestrainer erwähnte namentlich Max Meyer, Leon Goretzka, Julian Weigl und Joshua Kimmich.

Ist es besser, solche Akteure beim Olympischen Fußballturnier Erfahrung sammeln zu lassen oder sollen sie schon das Turnier-Feeling in Frankreich spüren? Löw scheint für den 17. Mai die Konturen des Kaders im Kopf zu haben. "Wenn alle in Form bleiben, wird es leicht", erklärte er - und setzte ein spitzbübisches Lächeln auf.

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