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Generalprobe für den Stimmungstest

Fußball | Testspiel gegen Serbien

Der Neustart des DFB-Teams ist etwas holprig angelaufen. Das 1:1 gegen Serbien gefällt dem Bundestrainer vor allem wegen der Mentalität in der zweiten Halbzeit. Doch die Qualität der jungen Mannschaft muss sich nun in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande zeigen.

Fußball Deutschland - Serbien
Ein durchwachsender Auftritt der verjüngten deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Quelle: ap

Einen Vorgeschmack auf Unruhe im Auditorium hatte Joachim Löw schon am Mittwochnachmittag bekommen. Da besuchte der Bundestrainer gemeinsam mit Manager Oliver Bierhoff und Torwart Kevin Trapp die hochbrisante Betriebsversammlung im Volkswagenwerk. Und auch wenn Löw nur im einleitenden Talk der über fünfstündigen Mammutveranstaltung über die Parallelen zwischen der deutschen Nationalmannschaft und dem deutschen Autobauer sprach ("waren ähnlich wie Volkswagen lange Marktführer"), bekam er einen Eindruck davon, was enttäuschte Erwartungen produzieren: Buhrufe und Pfiffe.

Insofern hatte seine Mannschaft dann am Abend in der werkseigenen Arena noch das Schlimmste abgewendet: Nach einer schwachen ersten Halbzeit - vom erwartungsfrohen Publikum mit einigem Unmut quittiert - raffte sich das stark verjüngte Team nach einer klaren Leistungssteigerung noch zu einem 1:1 auf. Es hätte schlimmer kommen können. Hernach stellte Löw vor allem die positiven Signale aus der Autostadt heraus. "Die Mentalität der Mannschaft, die so noch nicht zusammengespielt hat, war sehr gut. Das war ein deutliches Signal. Die Erfahrungen in der ersten Halbzeit müssen wir machen, aber mit der zweiten Halbzeit bin ich absolut zufrieden."

Schlechte Abstimmung, keine Automatismen

Doch war die stark veränderte Rasselbande - anfänglich mit nur drei Spielern älter als 24 Jahre (Manuel Neuer, Marcel Halstenberg und Ilkay Gündogan) - eben nicht in der Lage, gegen stark ersatzgeschwächte Serben eine durchgängige Aufbruchsstimmung zum Länderspielauftakt zu erzeugen. Dafür fehlten es an Automatismen, an Läufen in die Tiefe, an Gegenbewegungen der drei Angreifer - schlicht an der Abstimmung, was bei nur einer angesetzten gemeinsamen Trainingseinheit beinahe logisch erschien.

Aber was werden sich Jerome Boateng und Mats Hummels zuhause in München wohl gedacht haben, wenn die beiden Bayern-Stars nun ihre Nachfolger Jonathan Tah und Niklas Süle sahen? Dieses Gespann blieb nicht nur beim Gegentor des sträflich allein gelassenen Frankfurter Torjägers Luks Jovic (12.) den Nachweis internationaler Klasse schuldig, gerade der Leverkusener Tah wirkte hinten in etlichen Szenen doch arg tapsig. Und vorne hätte man sich ein bisschen mehr Körperspannung und Durchsetzungsvermögen von Hoffnungsträgern wie Kai Havertz, Julian Brandt oder auch Timo Werner gewünscht.

Einmal mehr zeigte sich, dass es ohne arrivierte Akteure dann eben doch nicht geht, um ein unerfahrenes Ensemble zu führen. Insofern schwang sich Marco Reus zum heimlichen Gewinner eines durchwachsenen Auftritts auf: Wie als Kapitän bei Borussia Dortmund ging der 29-Jährige auch in einer kritischen Phase bei der DFB-Auswahl voran und leitete nicht umsonst den 1:1-Ausgleich des ebenfalls eingewechselten Leon Goretzka (69.) ein. Gleichwohl trat Reus nicht so (selbst)zufrieden wie Löw vor die Kameras. "Im Großen und Ganzen war es zu wenig. Unser Anspruch muss sein, besser zu spielen und zu gewinnen. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Tempo, mehr Bewegung, sind mehr in die Tiefe gelaufen. Dann kamen auch die Torchancen", kritisierte der 38-fache Nationalspieler.

Am Freitag geht's nach Amsterdam

Löw hat dieser Tage nun vor, zum einen die Defizite aufzuarbeiten. "Das heißt auch viele Gespräche führen, Situationen aufzeigen. Was können wir besser machen? Wo waren die Fehler?" Und zum anderen fordert der Bundestrainer diese Fortschritte schon am Sonntag in der Amsterdam-Arena ein. Spätestens wenn die Nationalspieler am Freitagvormittag ihren Besuch im Volkswagenwerk hinter sich haben und von Braunschweig per Charterflug in die niederländische Metropole reisen, wird nur noch das EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande (Sonntag 20:45 Uhr) das Thema sein.

Wir können uns zwei Tage lang mit diesem Gegner beschäftigen; wir haben ihn klarer vor Augen als Serbien.
Bundestrainer Joachim Löw

Eine Lehrstunde wie im Herbst vergangenen Jahres, als Oranje in der Nations League mit 3:0 triumphierte und den Freudentaumel in der Grachtenstadt bis tief in die Nacht zelebrierten, braucht Fußball-Deutschland nicht mehr. "Wir können uns zwei Tage lang mit diesem Gegner beschäftigen; wir haben ihn klarer vor Augen als Serbien", versprach Löw.

Das für dieses Prestigeduell befähigte Personal hat der Bundestrainer auch schon benannt: Neben Torwart Manuel Neuer erhielten Verteidiger Antonio Rüdiger, Taktgeber Toni Kroos und eben auch Reus fast schon eine Einsatzgarantie für den Klassiker, der als wichtigster Wegweiser gilt, ob sich die Stimmung rund um die deutsche Nationalmannschaft wirklich zum Besseren dreht. Im größten deutschen Autowerk befand sie sich nach Zeitungsberichten am Mittwoch übrigens auf dem Tiefpunkt.

EM-Qualifikation

Do, 08.10.2020
Do, 08.10.2020
18:00
GEO
Georgien
Georgien
-:-
Belarus
Belarus
BLR
Do, 08.10.2020
20:45
ISL
Island
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Rumänien
Rumänien
ROU
Do, 08.10.2020
20:45
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Bulgarien
Bulgarien
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Ungarn
Ungarn
HUN
Do, 08.10.2020
20:45
BIH
Bosnien-H.
Bosnien-Herzegowina
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Nordirland
Nordirland
NIR
Do, 08.10.2020
20:45
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Slowakei
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Irland
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IRL
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Schottland
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Israel
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ISR
Do, 08.10.2020
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NOR
Norwegen
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Serbien
Serbien
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Do, 08.10.2020
20:45
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Nordmazedonien
Nordmazedonien
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Kosovo
Kosovo
KOS
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