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DFB-Team: Das neue Machtgefüge

Sport - DFB-Team: Das neue Machtgefüge

Beim Länderspiel gegen Finnland (Mi., ab 20:15 Uhr im ZDF) will Löw junge Spieler testen. Wer Nachfolger von Kapitän Schweinsteiger wird, will Löw erst nach dessen Abschiedsspiel bekanntgeben.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.08.2017, 20:35

Mit dem Abschied von Bastian Schweinsteiger beim Freundschaftsspiel gegen Finnland (Mittwoch 20:45 Uhr/live im ZDF ab 20:15 Uhr) verschieben sich auch die Hierarchien in der deutschen Nationalmannschaft. Der neue Kapitän wird zwar erst danach bestimmt, aber klar ist schon, wer künftig mehr Verantwortung übernehmen muss.

Fast schon futuristisch mutet das Designer-Hotel an, das den deutschen Nationalspieler dieser Tage mal wieder als Herberge vor einem Länderspiel dient. Die Mannschaft hat am Montag im Düsseldorfer Medienhafen das fast schon vertraute Quartier bezogen. Kaum ein anderer Ort bietet so prächtige Perspektiven wie das 19-stöckige Gebäude auf einer Landzunge am Rheinufer.

Für altgediente Kämpen wie Bastian Schweinsteiger, für den das Freundschaftsspiel gegen Finnland in Mönchengladbach (Mittwoch 20:45 Uhr/live im ZDF) als Abschiedsspiel fungiert, mag der Ausblick gewöhnlich sein, aber für unverbrauchte Neulinge wie Niklas Süle wirkt er außergewöhnlich. Schweinsteiger, der mit seinem 121. Länderspieleinsatz ausscheidende Anführer, und Süle, der gerade mit der Silbermedaille dekorierte Olympiateilnehmer, haben beide vom Bundestrainer Joachim Löw eine Einsatzgarantie für die Partie im längst nicht ausverkauften Borussia-Park erhalten.

Süle statt Schweinsteiger

Der eine, der 32-jährige Mittelfeldspieler, geht für immer, der andere, der 20-jährige Abwehrmann, ist zwar nicht fürs darauffolgende WM-Qualifikationsspiel in Oslo gegen Norwegen (Samstag um 20.45 Uhr) vorgesehen, soll aber wiederkommen. „Er ist schnell, stark im Kopfball und Zweikampf und gut in der Spieleröffnung. Von solchen Spielern erhoffen wir uns den nächsten Entwicklungsschritt“, sagt Löw, der ebenso den in Brasilien so überzeugend auftretenden Max Meyer und Julian Brandt ein Mitwirken im ersten Länderspiel der jungen Saison versprach.

Süle statt Schweinsteiger – nichts demonstriert besser, was künftig laut Löw gilt: „Ich will jungen Spielern mit Perspektive eine Chance geben. Die Türe ist weit offen.“ Namentlich sind von ihm noch Leon Goretzka, Jonathan Tah sowie „die Außenverteidiger bei den Olympischen Spielen“, also Jeremy Toljan und Lukas Klostermann, als Kandidaten fürs A-Team erwähnt worden.

Nicht zu vergessen Joshua Kimmich und Julian Weigl, die schon dem EM-Aufgebot in Frankreich angehörten. Die nächsten zwei Jahre, so viel steht fest, wird Löw den einen oder anderen Jüngeren auffordern, die Überholspur zu nehmen, ehe mit der WM 2018 in Russland die Mission Titelverteidigung angegangen wird. Klar auch, dass es für ein derlei ambitioniertes (Nachwuchs-)Projekt starke Führungsfiguren braucht.

Kapitän nicht mehr uneingeschränkter Chef

Ohne Schweinsteiger verschieben sich die Hierarchien, die sich nach dem WM-Titel 2014 durch die Rücktritte von Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose neu ordnen mussten, erneut. Offiziell will der Bundestrainer erst am Donnerstag bekanntgeben, wer künftig die Kapitänsbinde trägt. Alles deutet jedoch daraufhin, dass die Wahl auf Manuel Neuer fällt. Der 30-jährige Torwart des FC Bayern hatte schon bei der EM meist das schwarz-rot-goldene Stückchen Stoff getragen, dem Außenstehende so viel symbolische Bedeutung beimessen.

Löw hat hingegen während Schweinsteigers Absenzen diese Rolle oft wechselweise vergeben und sagt lapidar: „Für mich ist das Thema nicht so dominant. Einem werde ich die Binde geben.“ Vorbei die Zeiten, in denen der Mannschaftsführer automatisch den machtbewussten Anführer mimte. Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, später Lothar Matthäus oder Matthias Sammer – sie alle waren uneingeschränkte Chefs mit mehr oder minder ausgeprägtem Führungsanspruch. Die Zeiten haben sich geändert. Zwar redet auch Löw nicht mehr von flachen Hierarchien, aber er setzt auf eine Gruppe, die im Team den Takt angibt. „Und da haben wir einen funktionierenden Spielerkreis.“

Kroos kommt in den Mannschaftsrat

Zuletzt hat sich für Löw ein verlässlicher Kern herauskristallisiert, der Verantwortungsgefühl mit Pflichtbewusstsein so mischt, wie es sich der 56-Jährige vorstellt. Neben Neuer gelten Sami Khedira, Mats Hummels und Thomas Müller als Worführer, die nicht umsonst gemeinsam mit Schweinsteiger bei der EM auch den Mannschaftsrat bildeten. In das meinungsbildende Gremium, welches auch die Prämienverhandlungen führt, soll überdies Toni Kroos aufrücken, den Löw nun auch ganz offiziell mit mehr Mitspracherecht ausstattet.
Der bei Real Madrid weiter gereifte Mittelfeldstratege bringt ohnehin kraft seiner fußballerischen Klasse schon Führungsqualitäten auf dem Platz ein, gilt zudem als diplomatischer, aber klar strukturierter Profi. Nicht zu vergessen Jerome Boateng, der mit seiner Präsenz (und der Wahl zum Fußballer des Jahres) sein Profil enorm geschärft hat. All diese Führungskräfte halten von Platzhirsch-Gehabe wenig. Diese Zeiten sind ohnehin bei der DFB-Auswahl vorbei, seit Michael Ballack oder Torsten Frings während der Löw-Ära mehr oder minder unsanft hinausgedrängt wurden.

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