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Der passende Jahresabschluss

Nations League: Das 2:2 gegen Niederlande deckt Schwächen auf

Selbst eine 80-minütige Überlegenheit und eine 2:0-Führung haben der DFB-Elf gegen die Niederlande nicht zum Sieg gereicht. Die Nations League legt schonungslos bloß, dass es der nachrückenden Garde noch an Wettkampfqualitäten fehlt.

Beim 2:2 der DFB-Elf gegen die Niederlande: Manuel Neuer holt Ball aus Tor
Oft gesehen im Jahr 2018: Manuel Neuer holt den Ball aus dem Tor
Quelle: dpa

In der Straßenbahnlinie 302 von Gelsenkirchen sammelt sich nach Spielen in der blau illuminierten Arena zumeist ein breiter Querschnitt des Fußball-Volkes. Ein Blatt nimmt hier niemand vor den Mund - und mitunter wäre es Nationalspielern, Trainern und Verantwortlichen zu wünschen, sie würden die Stimmung an der Basis aufsaugen. Neben Biergeruch lag an diesem kalten Novemberabend nach dem 2:2 gegen die Niederlande eine eigenartige Mixtur aus Ernüchterung und Enttäuschung in der Luft.

Wie kann das passieren?

An Haltestellen wie dem "Ernst-Kuzorra-Platz" oder "Schalker Meile" kam unter den Anhängern immer wieder die Kardinalfrage auf, wie das passieren konnte: dass die deutsche Elf eine 80-minütige Überlegenheit und eine 2:0-Führung durch frühe Tore von Timo Werner (9.) und Leroy Sané (19.) hergab.

"80 Minuten waren wir klar besser, hatten überhaupt keine Probleme: In den letzten fünf Minuten waren wir ein wenig wacklig", sagte Joachim Löw. Doch von einem Systemversagen wollte der Bundestrainer nichts wissen. Das sei halt der Preis seines Erneuerungs- und Verjüngungsprozess: "Eine junge Mannschaft braucht manchmal eine solche Erfahrung, um es in Zukunft besser zu machen. Normalerweise muss man so ein Spiel nach Hause bringen."

Riskantes Spiel

Löw versteifte sich auf eine Argumentationskette, die vor allem ihn stützte: Hatte der 58-Jährige nicht gebetsmühlenartig gemahnt, ohne die alten Stützen gehe es nicht. Motto: Seht her, wenn all diese Überflieger und Himmelsstürmer mitmachen, dann bleibt das nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen.

Der eingewechselte Leon Goretzka, der es bislang nicht den Sprung zum Leistungsträger geschafft hat, leistete sich an alter Wirkungsstätte einen verhängnisvollen Ballverlust, der den Gästen bei der Aufholjagd durch  Treffer von Quincy Promes (84.) und Kapitän Virgil van Dijk (90.) entscheidend half.

Dauendrücken für Portugal

Folge: Die Niederlande spielen im Juni 2019 nun bei den Final Four der neuen Nations League mit, Deutschland muss hoffen, dass Polen nicht in Portugal punktet, um wenigstens bei der EM-Auslosung am 2. Dezember in Dublin im ersten Lostopf zu landen.

Der passende Jahresabschluss legte schonungslos offen, dass es an Wettkampfhärte und Widerstandskraft fehlt. Und vielleicht kamen auch von der Trainerbank die falschen Impulse. Interessant, dass selbst Bondscoach Ronald Koeman nicht negierte, dass ihm sein Gegenüber Löw mit der kompletten Auswechslung seiner drei Sturmflitzer geholfen hatte.

Weder Marco Reus und erst recht nicht der Jubilar Thomas Müller in seinem höchst unglücklichen 100. Länderspieleinsatz konnten für Entlastung sorgen, nachdem die Torschützen Werner und Sané zuvor die Chancen aufs dritte Tor leichtfertig hatten liegen lassen.

Ausgelaugte Stürmer

"Das ist eine gute Frage für Herrn Löw", entgegnete Koeman in der Pressekonferenz, doch der deutsche Kollege fühlte sich in dieser Frage zwar angesprochen, aber nicht schuldig. "Serge Gnabry war ein bisschen am Limit. In der Halbzeit hat der Arzt schon gesagt, es sei nicht sicher, ob er es durchsteht. Der Muskel hat ein bisschen zugemacht. Timo Werner und Leroy Sané sind auch weite Wege gegangen, haben viele Sprints absolviert und in der Defensive gut gearbeitet. Deshalb waren sie ein bisschen müde."

Wenn aber erfahrene Recken wie Reus oder Müller und ein Hoffnungsträger wie Goretzka von der Bank keine Beruhigung bringen, scheint das Gebilde insgesamt nicht stabil genug.

Wir hätten das Erfolgserlebnis ein Stück weit gebraucht. Das ist ärgerlich, sehr ärgerlich", sagte der stark beginnende, aber auch stark nachlassende Taktgeber Toni Kroos: "Wenn es in der 85. Minute 2:0 steht, muss es reichen. Holland hatte bis dahin keine großen Chancen. Diese zwei Aktionen passen hervorragend zu diesem Jahr. Am Ende stehen wir wieder da." Ziemlich nackt nämlich.

Bloß keine Aussetzer mehr

Mit nur vier Siegen, drei Unentschieden, aber sechs Niederlagen geht ein historisch schlechtes Länderspieljahr zu Ende. Der Abstieg aus der A-Kategorie der Nations League manifestiert den Wertverfall der DFB-Auswahl, die sich in von März bis November 2019 terminierten EM-Qualifikation nicht mehr allzu viele Aussetzer dieser Art erlauben sollte.

Löw aber gab sich grundsätzlich optimistisch: "Es war natürlich für uns gerade mit der WM ein sehr enttäuschendes Jahr, weil wir uns das anders vorgestellt haben." Er gehe nach den Spielen gegen Russland und Holland mit einem guten Gefühl in die Winterpause. "Weil ich schon gesehen habe, dass wir viel Potenzial haben." Er nehme viel Mut für das nächste Jahr mit. "Mein Gefühl ist einfach, dass wir wieder auf einem sehr guten Weg sind."

In einer Annahme lag Löw jedoch nicht richtig. "Ich glaube nicht, dass so viele Zuschauer enttäuscht nach Hause gegangen sind. Ich habe andere Reaktionen vernommen." Aber nicht jene aus der Straßenbahnlinie 302.

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