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Talente, aber keine Erlöser

Fußball-Nations-League: Deutschland - Niederlande

Spieler wie Kai Havertz verkörpern die Zukunft für die deutsche Nationalmannschaft. Vor dem Jahresabschluss in der Nations League gegen die Niederlande (heute, 20.45 Uhr) bremst Joachim Löw aber die Euphorie um die jungen Wilden.

Kai Havertz
Im Kreis der Nationalmannschaft angekommen: Kai Havertz
Quelle: imago

Der Name von Kai Havertz ist auf der letzten Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft vor dem Nations-League-Duell gegen die Niederlande (Montag 20.45 Uhr) auffällig oft gefallen. Aber ist das verwunderlich, wenn ein Senkrechtstarter so überzeugt die der 19-Jährige beim ersten Startelfeinsatz gegen Russland (3:0)?

"Er hat alle Möglichkeiten für eine große Karriere. Seine Entwicklung ist bewundernswert!, sagte Joachim Löw am Sonntag erneut. Dennoch versah der Bundestrainer die Lobpreisung nach dem Quartierwechsel ins SportCentrum Kamen-Kaiserau mit einer Einschränkung: "Wir müssen sehen, dass wir bei ihm nicht überziehen und die Belastung steuern."

Hörte sich fast so an, als bekäme der Shootingstar von Bayer Leverkusen zum Jahresabschluss noch mal eine Pause. Schließlich überwintert sein Arbeitgeber noch auf europäischer Bühne.

Der Weg ist steinig

Zudem sind Löw die vielen Komplimente, die auf seine Nummer 23 einprasselten, offenbar ein bisschen zu weit gegangen. Auch Akteure wie Serge Gnabry ständen am Durchbruch zur internationalen Klasse, aber niemand solle erwarten, "dass Kai Havertz jetzt wie ein Komet durch den deutschen Fußball-Himmel schießt". Der 58-Jährige schob fast mahnend nach: "Der Weg ist steinig genug."

Und dann erinnerte der Fußballlehrer an die Erfahrungen, die stilprägende Figuren wie Jens Lehmann oder Oliver Kahn, Michael Ballack und Torsten Frings, später dann Sami Khedira oder Miroslav Klose gemacht hätten: "Es braucht Jahre, bis sich ein Spieler entwickelt."

Doch an den außergewöhnlichen Anlagen bestehen bei dem Mittelfeldspieler keinerlei grundsätzlichen Zweifel. "Kai hat das Talent und das Potenzial, ein Weltstar zu werden", glaubt Julian Brandt. Der Klubkollege hatte sich nach dem WM-Desaster bewusst die Nummer zehn gesichert, um seine Ansprüche zu untermauern. Aber nun wird als neuer Zehner der Leverkusener Kumpel gehandelt.

Auf den Spuren von Mesut Özil

"Für 19 Jahre ist er sehr weit, weil er eine gute Ballbehandlung und eine gute Übersicht hat", lobte Löw nach der Russland-Partie. "So wie er sich präsentiert hat in den wenigen Trainingseinheiten ist schon auffällig gut. Natürlich kann man sich gut vorstellen, dass er eine Schlüsselrolle einnimmt."

Als tiefsinniger Stratege, der mit seinem Gespür für Raum und Zeit perfekt zum neuen Spielstil passt. "Es hat Spaß gemacht. Ich hatte ein gutes Gefühl, ich war gut eingebunden, ich hatte viele Bälle. Es ist immer noch Luft nach oben, aber ich kann zufrieden sein. Ich spiele auch im Verein lieber auf der Zehn. Ich mag es, die Mitspieler glänzen zu lassen", sagte Havertz.

Der Hoffnungsträger ähnelt in dieser Gabe dem zurückgetretenen Mesut Özil, mit dem ihn mehr als nur ein feines Füßchen verbindet. "Ich habe das Spiel von Özil immer gerne angesehen: die Übersicht, die Ruhe am Ball.

"Brutales Gefühl für den Raum"

Sein öffnender Steilpass vor dem 3:0 von Serge Gnabry war in Leipzig bester Beleg seiner fußballerischen Fähigkeiten, die dem deutschen Hochgeschwindigkeitssturm zugute kamen. Nebenmann Joshua Kimmich urteilte sogleich: "Er hat ein brutales Gefühl für den Raum, eine super Ballkontrolle und tolle Übersicht." Ob solch einer nicht auch ein Kandidat für den FC Bayern sei? "Ich kann ihn nicht kaufen, aber er ist ein Spieler, der sehr gut zu uns passen würde."

Eine mutige Ansage, die unter dem Bayer-Kreuz nicht gerne gehört wurde. "Es gibt keinen Grund unruhig zu werden. Seine Zukunft liegt in Leverkusen", richtete Leverkusens Manager Jonas Boldt sofort aus. Man würde sich als Verein über solch eine Leistung freuen, "das bestätigt ja auch unseren Weg in Leverkusen".

Nämlich als Plattform, die Hochbegabte in Ruhe reifen lässt. Vertraglich hat der gewiss nicht unter finanziellen Nöten leidende Werksverein alle Hebel in der Hand: Das bis 2022 vereinbarte Vertragswerk enthält angeblich keine Ausstiegsklausel.

Universelle Fähigkeiten

Havertz ist mit 18 Jahren und 307 Tage der jüngste Profi, der in der Bundesliga 50 Spiele machte. Mittlerweile stehen bei 65 Einsätzen schon zehn Tore und 17 Vorlagen in der Bilanz. Aus der Werkself ist er gar nicht mehr wegzudenken und erklimmt die Karriereleiter nicht zufällig im Sauseschritt.

Weil er universelle Fähigkeiten mitbringt: beidfüßig und ballsicher, technisch und läuferisch, defensiv und offensiv. Prototyp Alleskönner. Trotzdem bedingt die Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold nicht, dass es auch bei der A-Nationalmannschaft rasend schnell geht. Gut Ding will Weile haben. Bei ihm könnte das heißen: Erst im Länderspieljahr 2019 wird Kai Havertz eine tragende Rolle bekommen.

06.10.2021
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Mi, 06.10.2021
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Do, 07.10.2021
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