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Polizeikosten-Beteiligung: Bremen allein auf weiter Flur

Fußball - Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen

Mit dem Vorstoß, die Deutsche Fußballliga (DFL) an den Polizeikosten für Hochrisikospiele zu beteiligen, hat Bremen bislang keine Miststreiter in anderen Bundesländern gefunden. In Frankreich gibt es dagegen schon länger eine Kosten-Beteiligung der Klubs. Heute entscheidet ein Bremer Gericht über den ersten Gebührenbescheid an die DFL.

Polizeieinsatz am Bremer Stadion
Polizeieinsatz am Bremer Stadion Quelle: imago sportfotodienst

Normalerweise ist der Ökonom Rudolf Hickel in der Öffentlichkeit gefragt, wenn es um die ganz großen Themen geht – die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte etwa. In diesen Tagen bewegt ihn allerdings ein Thema, das außerhalb des kleinsten Bundeslandes bislang wenig Resonanz gefunden hat.

Vom Vorreiter zum Alleingänger

„Auch in den anderen Bundesländern, die sich bisher der Teilnahme an der Bremer Initiative verweigern, sollte im Interesse der Steuerzahler eine Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen erreicht werden“, sagt Hickel gegenüber zdfsport.de. „Der Abzug von Polizei zur Sicherung von Hochrisikospielen führt zu Defiziten beim Auftrag, die allgemeine Sicherheit zu gewährleisten.“

Mit dem Vorstoß, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) an den Polizeikosten bei Hochrisikospielen zu beteiligen, wollte Bremen 2015 eigentlich die anderen Länder mitziehen. Doch kurz bevor das Bremer Verwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit des ersten Gebührenbescheides an die DFL entscheidet, muss Innensenator Ulrich Mäurer eingestehen, dass Bremen „ganz allein“ dastehe. Sein niedersächsischer Amtskollege und Parteifreund Boris Pistorius (SPD) will selbst im Fall eines Bremer Sieges vor Gericht keine Rechnungen an die DFL schicken. „Polizeieinsätze sind Aufgaben des Staates“, sagt Pistorius. „Die DFL zahlt Steuern, Werder Bremen zahlt Steuern. Aus diesem Topf werden solche Einsätze bezahlt.“

Kompromiss mit Totalverweigerer DFL?

Rudolf Hickel vermutet hinter der Zurückhaltung der anderen Bundesländer eher eine Feigheit davor, es sich mit den Zuschauern verderben zu können. „Die Sicherung bei Hochrisikospielen ist keine Aufgabe, die der Steuerzahler zu finanzieren hat“, argumentiert er. „Bei diesen Fußballspielen handelt es sich um ein gewinnwirtschaftliches Großevent, das im Prinzip durch private Entgelte, Medienrechte, Sponsoring finanziert wird.“

Hickel begibt sich mit seiner Auffassung in einen heimischen Konfliktherd: Er ist eingefleischter Werder-Fan und in ökonomischen Angelegenheiten gefragter Gesprächspartner der Klub-Verantwortlichen, die den Bremer Vorstoß ablehnen. Es ist ihm wichtig zu betonen, dass sich seine Forderungen nicht gegen den Klub richten. „Der Profifußball ist als System in der DFL und im DFB organisiert und darf die Kosten für zusätzliche Polizeieinsätze für Risikospiele nicht einzelnen Vereinen aufbürden.“ Hickel hofft wie Innensenator Mäurer, dass die DFL ihre „Totalverweigerung" aufgibt und ein Kompromiss gefunden werden kann.

Frankreich: Zwanzig Euro pro Polizeistunde

Auch wenn Mäurer sagt, dass das Thema „in der Bevölkerung auf großes Verständnis stößt“, ist eine öffentliche Debatte darüber im Moment kaum erkennbar. Im Unterschied etwa zu England, wo es eine klare Aufteilung gibt: Am Bahnhof und in der Innenstadt zahlt der Steuerzahler für die Polizei, innerhalb des Stadions muss der Klub nicht nur die privaten Sicherheitskräfte, sondern auch die hier eingesetzten Polizisten bezahlen.

Noch weiter als der Bremer Vorstoß geht die in Frankreich praktizierte Lösung. Dort wird den Klubs 20 Euro pro Polizei-Stunde in Rechnung gestellt, ein Tarif, der sich je nach Risikofaktor des Spiels noch erhöhen kann. „Die Sicherheitsfrage betrifft alle“, sagte der Chefpolizist für Hooligan-Einsätze, Antoine Boutonanet: „Wir nehmen damit die Klubs in die Pflicht.“ Diese Maßnahme habe unter anderem zur Reduzierung der Anzahl der bei Sportveranstaltungen eingesetzten Polizisten geführt.

Was macht der DFB?

Neben der Entscheidung des Bremer Verwaltungsgerichtes, gegen die die unterlegene Partei höchstwahrscheinlich in Revision gehen wird, bleibt die Reaktion des DFB spannend. Nach dem ersten Gebührenbescheid hatte der Verband der Stadt Bremen ein WM-Qualifikationsspiel entzogen. Nun bewirbt sich Bremen als Austragungsort für die EM 2024. „Strafaktionen wie die Rücknahme der Vergabe des Spiels gegen Gibraltar sind ein Machtmissbrauch des DFB“, sagt Rudolf Hickel.

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