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Robert Huth - Der Fels im Fußballmärchen

Sport - Robert Huth - Der Fels im Fußballmärchen

Der Countdown läuft: Leicester City ist nur noch einen Sieg von einer der größten Überraschungen der letzten Jahrzehnte entfernt. Die "Foxes" können am Wochenende englischer Meister werden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.04.2017, 08:06

Leicester City steht vor dem Gewinn der Premier League, es wäre die größte Sensation der jüngeren Fußballgeschichte. Neben Stars wie Jamie Vardy und Riyad Mahrez ist ein alter Bekannter Eckpfeiler des Erfolgs: Robert Huth.

An diesem milden Apriltag ist das Spiel von Leicester City mal wieder so schnörkellos und wunderschön, dass es ein leichtes wäre, sich während des 4:0 gegen Swansea in einen der Spieler der "Foxes“ zu verlieben. Riyad Mahrez etwa, der leichtfüßig über das Feld schwebt, oder N'Golo Kanté, der unaufhörlich Bälle erobert. Aber es ist der Name eines alten Bekannten, den die Fans bei jedem Ballkontakt stakkatoartig durchs King Power Stadium rufen: "Huth Huth Huth“.

Robert Huth kennt diese Rufe, seit er als Teenager von Union Berlin zu Chelsea ging, wo er mit 17 Jahren debütierte. An der Stamford Bridge konnte sich Huth nie durchsetzen, dennoch blieb er in England, genau wie die Rufe blieben, auch wenn seine Vereine stetig kleiner wurden. Middlesborough, Stoke, schließlich Leicester City, als diese zu Beginn der Rückrunde 2014/15 Tabellenletzter waren.

"Es ist furchtbar, gegen ihn zu spielen“

Was seither passiert ist, kann man getrost als Wunder bezeichnen. Mit einem Sieg in Manchester könnte Leicester City die erste Meisterschaft der 132-jährigen Vereinsgeschichte klarmachen, gerade mal ein Jahr, nachdem der Klub um ein Haar dem Abstieg entging. Seit Bestehen pendelt der LCFC zwischen den Ligen, hat nie etwas gewonnen und könnte insgesamt kaum graumäusiger sein. Damit passt er zwar perfekt in dieses beschauliche Städtchen in den East Midlands, ist aber der unwahrscheinlichste aller Überraschungsmeister, wie entstanden am Reißbrett für eine möglichst kitschige Hollywood-Sportkomödie. Ein Underdog, der against all odds die Großen ärgert, und das mit einem Team voller Aussortierter und Unterschätzter. Ihr Fels in der Brandung heißt: Robert Huth. Sieben Jahre nach dessen letzten von 19 Länderspielen gibt es nun plötzlich nicht wenige, die sich den 31-Jährigen zurück im Nationaltrikot wünschen, allen Hummels' und Boatengs zum Trotz.

So ließe sich dem Fußballmärchen ein weiteres Kapitel hinzufügen, vor allem aber würde es der Verlässlichkeit Rechnung tragen, mit der Huth in dieser Saison seiner knallharten Fußballarbeit nachgeht. In 34 von 35 Spielen stand er auf dem Platz, beim 3:1 gegen Manchester City, einem Meilenstein im Titelrennen, schoss Huth zwei Tore. Mit seiner wandschrankartigen Statur hat er eine Präsenz, die die gegnerischen Stürmer schon im Spielertunnel einschüchtert. Troy Deeney, Angreifer des FC Watford, sagte unlängst voller Ehrfurcht: "Es ist furchtbar, gegen ihn zu spielen. Robert ist der härteste Verteidiger der Liga.“ Eine Härte, die ihn erfolgreich macht: Bisher hat der Klub, der vor der Saison als Abstiegskandidat galt und dessen Quote auf den Titel bei 5000:1 lag, erst drei Spiele verloren, bei nur 33 Gegentoren.

Smarte und humorvolle Abrissbirne

Tweet von Robert Huth (Leicester)
Champions League: Robert Huth möchte Kabinett-Stückchen üben Quelle: twitter

Und so ist es nur logisch, dass einer wie Huth von den Fans gefeiert wird, "Huth Huth Huth“, wenn er sich mal wieder in einen Zweikampf wirft wie eine Abrissbirne oder einen Ball auf die Tribüne drischt, vielleicht auch stellvertretend für all jene Abwehrrecken, die so oft als unbesungene Helden hinter den Spielmachern und Torjägern zurückstecken müssen. Dass sich Huth mit der Zeit zum smarten und humorvollen Typen gewandelt hat, läuft seiner Beliebtheit sicherlich nicht zuwider. Bei Twitter schrieb Huth: "Yes, Champions League! Ich fange mal lieber an, meine Rabonas zu trainieren“, nachdem den "Foxes“ die Qualifikation zur Königsklasse nicht mehr zu nehmen war. Ein Foto von sich, in dem er einen Gegner resolut abräumt, kommentierte er mit dem Hashtag #playon, "weiterspielen“.

Man könnte meinen, Huths Humor sei mit der Zeit ebenso englisch geworden, wie es seine Spielweise schon immer war. Mit Chelsea ist er übrigens schon zweimal Meister geworden, 2005 und 2006, allerdings eher auf der Tribüne. Das Fußballwunder von Leicester wäre also auch für Huth ein echter Traum. Der nun ausgerechnet im "Theatre of Dreams“ in Manchester seine Erfüllung finden könnte, ganz sicher begleitet vom Stakkato des "Huth Huth Huth“, wann immer er am Ball ist. Leicester City Football Club

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