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Brexit: Premier League fürchtet um Attraktivität

Fußball - England

Wenn es 2019 zu einem harten Brexit kommen sollte, wäre auch die Premier League mit einem Schlag von der Freizügigkeit innerhalb der EU abgeschnitten. Hinter den Kulissen laufen längst Verhandlungen um Sonderregeln für den Fußball. Dessen Verbände sind sich aber nicht einig.

Wembley-Stadion: Tottenham - Fulham
Wird die Premier League die Auswirkungen des Brexit zu spüren bekommen?
Quelle: imago

Nur noch 18 Tage, dann öffnet das Transferfenster der großen europäischen Fußballligen wieder für einen Monat. Diese Phase ist auch im Normalfall mit viel Nervosität verbunden, diesmal kommt noch die Verunsicherung dazu, die den europäischen Fußball angesichts des nahenden Brexits ergriffen hat.

Ende der Freizügigkeit

Vor allem in England werden seit Monaten die Vor- und Nachteile ausführlich diskutiert, die der Brexit für den heimischen Fußball bedeuten wird. Fast alle Experten sind sich einig, dass es die Premier League stark verändern würde, falls sie nach dem EU-Austritt keine Spieler aus EU-Ländern mehr unbeschränkt verpflichten dürfte.

Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob von einem weichen oder harten Brexit ausgegangen wird - das Thema der Arbeitnehmerfreizügigkeit war eines der zentralen Argumente für das Brexit-Votum und wird selbst bei einer sanften Trennung von der EU nach einer Übergangszeit der Vergangenheit angehören.

Zwei von drei Spielern sind Ausländer

Dabei hat diese Freizügigkeit, auf die sich seit dem Bosman-Urteil 1995 auch Profi-Fußballer berufen können, wesentlich zum Boom der Premier League beigetragen. Aktuell dürfen 17 Spieler bei einer maximalen Kadergröße von 25 Akteuren aus dem Ausland kommen. Den Spielraum nutzt die Premier League mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln ausländischer Akteure aus.

Bei einem harten Brexit würden ab März 2019 für die gut vierzig Prozent der Ausländer, die aus dem EU-Ausland kommen, die gleichen Regeln gelten wie für diejenigen aus den anderen Teilen der Welt. Diese müssen ein Punktesystem erfüllen, das sich aus der Anzahl der Länderspiele für ihr Land, dessen Fifa-Ranking sowie der Höhe von Ablösesumme und Gehalt des Spielers zusammensetzt.

Weniger junge Spieler auf die Insel

Einer Analyse des BBC zu Folge würden aktuell 332 Spieler in den ersten beiden englischen Ligen sowie in der schottischen Premier League diese Kriterien nicht erfüllen. Vom Brexit betroffen wären auch die Nachwuchszentren, da internationale Wechsel von Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren nur innerhalb der EU möglich sind.

Bei aller Sorge um die Strahlkraft der Premier League zeigen die Berichte in den englischen Medien, dass die Funktionäre und Experten davon überzeugt sind, dass der Fußball einflussreich genug ist, Sonderregelungen für sich durchzusetzen.

Sonderegeln für den Fußball erwartet

So erklärte Professor Raymond Boyle von der University of Glasgow gegenüber der „BBC“: “ Mein Gefühl ist, dass die Elite des kommerziellen Sports immer die Schlagkraft haben wird, Regeln so zu beeinflussen, dass sie davon profitieren.“

Diese Einschätung teilt Henning Vöpel, Direktors des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), gegenüber heute.de: „Der Profi-Fußball ist stark genug, sich seine eigenen Regeln zu schaffen. In der Frage des Aufenthaltsrechtes der Spieler werden dafür allerdings Verhandlungen mit der Regierung nötig sein.“

Diese Gespräche laufen nach Auskunft der Regierung bereits. Dabei haben die beiden großen Fußballorganisationen, der Verband (FA) und die Premier League (EPL), deren Verhältnis etwa dem von DFB zur DFL im deutschen Fußball entspricht, allerdings unterschiedliche Interessen.

Unterschiedliche Interessen bei FA und Premier League

Laut der "Times" drängt die Premier League darauf, dass alle Beschränkungen für die Verpflichtung nichtbritischer Profis abgeschafft werden. Der Vorschlag der FA, die vor allem die Nationalmannschaft im Blick hat, sieht dagegen eine Beschränkung der Anzahl der ausländischen Spieler auf zwölf vor. Im Gegenzug für eine Vereinbarung will die FA jedem Spieler - auch aus dem nicht-europäischen Ausland - eine Arbeitsgenehmigung erteilen.

Übergangszeit bei weichem Brexit

Falls es zu einem weichen Brexit kommt, also das mit der EU vereinbarte Austrittsabkommen doch noch vom britischen Parlament abgesegnet wird, gibt es eine Übergansfrist bis mindestens Ende 2020, in der auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit weiter gilt. Darüber hinaus schafft das Abkommen Rechtssicherheit für die jetzt bereits in Großbritannien kickenden Spieler.

EU-Bürger, die ihren Wohnsitz vor dem Ende der Übergangsfrist in Großbritannien genommen haben, erhalten mit ihren Familien ein zeitlich unbegrenztes Aufenthaltsrecht und dürfen arbeiten. Ob diese Regelung wirksam wird, entscheidet sich frühestens am 21. Januar, dann ist die Transferperiode fast zu Ende.

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