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Union - Kurz vor der Unsterblichkeit

Relegation zur Bundesliga

In den Relegationsspielen gegen Stuttgart kann Union Berlin den ersten Aufstieg in der Klubgeschichte schaffen. Für Mittelfeldakteur Grischa Prömel ist das erste Duell heute, 20.30 Uhr, im Stadion des VfB zugleich eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Union Berlin: Sebastian Andersson, Grischa Prömel,  Ritter Keule, Christopher Lenz
Bereit für den Ritterschlag von "Ritter Keule": Unions Sebastian Andersson, Grischa Prömel, und Christopher Lenz (v.l.n.r)
Quelle: dpa

Bei Union Berlin haben sie Urs Fischer in den letzten elf Monaten vor allem für seine extrem gefasste Art schätzen gelernt. Ruhig wie ein Bergsee hat der 53-jährige Übungsleiter aus der Schweiz den eigenwilligen Zweitligisten in die Relegationsspiele gegen Stuttgart geführt - und in den Tagen nach dem hauchdünn verpassten Direktaufstieg am Sonntag musste er sich besonders um einen Spieler kümmern: Um Grischa Prömel.

Erst Fehler, dann Fernschuss

Der Olympia-Finalist von 2016 ist einer der wichtigsten Eckpfeiler bei den "Eisernen", mit sieben Toren treffsicherster Mittelfeldakteur im Team - und einer, der die Niemals-aufgeben-Mentalität in Fischers Ensemble zuletzt in Bochum am nachdrücklichsten vorlebte.

Nachdem er sich zuvor einen fatalen Fehler geleistet hatte, der zum zwischenzeitlichen 2:0 des VfL per Strafstoß führte.

"Das war eine Lehre für ihn, daran wird er sich noch lange erinnern", mahnt Fischer, seit letztem Sommer bei Union, weiß aber zugleich: Prömel war es auch, der mit einem prächtigen Treffer aus 25 Metern Unions Schlussoffensive einleitete, die beim 2:2 letztlich um ein Tor zu kurzatmig ausfiel. Wichtig war dem Übungsleiter mit Blick auf das erste Duell mit dem VfB am Donnerstag aber vor allem dies: "Grischa hat sich durch seinen Fehler nicht verunsichern lassen."

Rustikales Ambiente

Eine wichtige Tugend auf dem Weg zum großen Ziel, als erster Zweiligist seit dem Düsseldorfer Coup vor sieben Jahren gegen Hertha BSC den höherklassigen Gegner in die Knie zu zwingen. "Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Relegation", versichert Kapitän Christopher Trimmel. Und Mitstreiter Prömel erklärte dem "Tagesspiegel" seine Sicht der Dinge schon vor dem Bochum-Spiel: "Man kann etwas Großes erreichen und sich hier im Verein unsterblich machen."

Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Relegation.
Christian Trimmel, Union-Kapitän

Schließlich kennt der rustikale Fußballklub aus Köpenick, in dessen Stadion An der Alten Försterei es fünf Mal so viele Steh- wie Sitzplätze gibt und die Anzeigetafel noch von Hand bedient wird, die Bundesliga bislang nur vom Hörensagen. Teil eins im Auf- oder Abstiegsdrama führt die Unioner nun nach Stuttgart in den Stadtteil Bad Cannstatt - wo Prömel, einen Steinwurf vom Stadion entfernt, im Januar 1995 zur Welt kam.

Spezielle Spiele

In seiner Jugend kickte er nicht für den VfB, sondern für die Stuttgarter Kickers. Und ehe er vor zwei Jahren, nach einer schwierigen Saison beim Karlsruher SC, nach Berlin kam, nahm er in Hoffenheim, bei den Übungseinheiten des damaligen U19-Trainers Julian Nagelsmann viel für seine weitere Karriere mit.

So schaffte Prömel es während seiner Zeit beim KSC als einziger Zweitligaprofi in den Olympia-Kader von 2016, stand als Einwechselspieler im verlorenen Finale von Rio gegen Brasilien unter anderem mit Niklas Süle, Serge Gnabry und Matthias Ginter auf dem Platz. Und dass er die Bundesliga nun womöglich mit etwas Verspätung durch die Hintertür betritt, hat viel mit seiner Grundeinstellung zum Leben und zum eigenen Beruf zu tun.

Auto von der Oma

Als Kollektiv verteidigen und dann über Zweikämpfe ins Spiel finden - das ist die DNA von Union in diesem Jahr.
Grischa Prömel

Er sei froh, sagt der 24-Jährige, in seiner Karriere einen Mittelweg gewählt zu haben - anstatt, wie viele andere, mit 14 ins Fußballinternat gegangen zu sein, den ersten Berater bereits an der Seite. Zum Training bei Union fährt Grischa Prömel in einem bescheidenen Auto vor, das ihm seine Oma mal geschenkt hat. Und zu dieser Haltung passt auch, was der Junge aus dem Ländle dem VfB über die mit Abstand beste Defensive der jüngsten Zweitligasaison zu berichten hat: "Als Kollektiv verteidigen und dann über Zweikämpfe ins Spiel finden - das ist die DNA von Union in diesem Jahr."

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