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Das "Bremer Urteil" und die Folgen

Fußball | Hochrisikospiele

Das Hamburger Derby ist eröffnet. Schon 48 Stunden vor dem Anpfiff des Zweitligaduelles zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV an diesem Montag (20:30 Uhr) kam es zwischen Fans der beiden Klubs zu Auseinandersetzungen. Doch wer zahlt für den Polizeieinsatz?

Polizei-Einsatz im Fußball-Stadion
Verursacht Woche für Woche Kosten: Polizei-Einsätze rund um Fußballspiele

1,17 Millionen Euro: Diese Summe hat die Deutsche Fußball Liga nach langem Hin und Her dem Bundesland Bremen zur Begleichung von Kosten für Polizeieinsätze überwiesen. Ein Vorgang, der weitreichende Auswirkungen auf den deutschen Profifußball haben dürfte.

Plan, der selten aufgeht

Beim Hamburger Derby am Millerntor werden etwa 1000 Polizeikräfte im Einsatz sein. Sie sollen die rivalisierenden Fans beider Klubs in Schach halten und größere Ausschreitungen, wie sie bei sogenannten Risikospielen wie diesem nicht selten vorkommen, möglichst verhindern. Ein gut gemeinter Plan, der selten aufgeht. Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag machten sich gewaltbereite Anhänger des HSV auf zur Reeperbahn und wurden dort von Paulianern "freundlich" begrüßt.

Beim rheinischen Derby in der Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (0:1) hat das mal wieder nicht ganz geklappt. Die traurige Bilanz am Samstagnachmittag: Zwölf Verletzte durch einen Böllerwurf aus der Kölner Südkurve kurz vor Ende der Partie, aber immerhin nur zwei Festnahmen angesichts von 600 gewaltbereiten Fans, denen 1800 Ordnungskräfte und Polizisten inklusive vier Wasserwerfern und einer Reiterstaffel gegenüber standen. Ähnlich brisant wie die beiden beschriebenen Nachbarduelle ist natürlich die "Mutter aller Derbys", das Ruhrpott-Treffen zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund, das wieder am 26. Oktober in Gelsenkirchen steigt.

100 Millionen Euro Kosten

Die Polizeikräfte, die rund um die Stadien zum Einsatz kommen, fehlen in dieser Zeit an anderer Stelle. Die Beamten sammeln so Millionen Überstunden an und die jährlich über 100 Millionen Euro Personalkosten für den Einsatz in den ersten drei Fußballklassen zahlt bisher der Steuerzahler. Das könnte ein Ende haben. Ob nach dem "Bremer Urteil" nun auf die DFL weitere oder gar dauerhaft derlei Gebührenentscheide zukommen, ist noch offen, gilt aber als wahrscheinlich.

Der Dachverband der Bundesliga hat zwar die offenen Rechnungen erst einmal fristgerecht beglichen, will aber das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts weiterhin nicht anerkennen. Die Behörde mit Sitz in Leipzig hatte im März dieses Jahres entschieden, dass "für den besonderen Polizeiaufwand aus Anlass einer kommerziellen Hochrisiko-Veranstaltung grundsätzlich eine Gebühr erhoben werden" dürfe.

Das sind Größenordnungen von vielleicht 20 oder 30 Millionen Euro für die gesamte Spielzeit im Bereich der Profiliga.
Bremens Innensenator Ulrich Mäurer zu den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen

Die Liga hält dagegen, dass der Fußball nicht der Veranlasser von Gewalt sei und ohnehin der Staat zuständig für die Wahrnehmung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. So sei es auch bei anderen Großveranstaltungen mit massivem Polizeiaufgebot - wie zum Beispiel beim G-20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg oder rund um den Braunkohleabbau am Hambacher Forst.

Stein ins Rollen gebracht

Nun aber ist der erste Stein ins Rollen gebracht und wieso sollten etwa die Bundesländer Hamburg oder Nordrhein-Westfalen nicht dem Bremer Beispiel folgen? "Man kann berechnen, wie viele Hochrisikospiele wir im Jahr haben. Das Bundesland, das damit belastet wird, bekommt einen Teil dieser Summen erstattet. Das sind Größenordnungen von vielleicht 20 oder 30 Millionen Euro für die gesamte Spielzeit im Bereich der Profiliga", rechnet Bremens Innensenator Ulrich Mäurer in einem Interview mit der "SZ" vor.

Bis es so weit ist, wird diese Diskussion weitergehen - und heute Abend in St. Pauli die Polizei mit mal wieder einer vierstelligen Zahl an Einsatzkräften versuchen, fast 30.000 friedliebende Zuschauer vor den Auswüchsen von 500 bis 1000 gewaltbereiten Fußballfans zu schützen.

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