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Mit aller Macht zurück an die Fleischtöpfe

2. Fußball-Bundesliga - 34. Spieltag

Es ist eine alt bekannte Strategie mit der sich der VfB Stuttgart und Hannover 96 in die Bundesliga zurück kämpften. Fast jede Position im Kader doppelt mit Spitzenkräften besetzt und ein Etat, von dem andere Zweitligisten nur träumen können. Am Ende des nervenzehrenden Marathons hat sich die Politik des dicken Geldbeutels ausgezahlt.

Simon Terodde (l.) hebt die Meisterschale
Simon Terodde und Timo Baumgartl (r) feiern Quelle: dpa

Dass sich die Kicker des Meisters Stuttgart und des Zweiten Hannover am letzten Spieltag zusammen mit ihren Klubchefs schweißgebadet in den Armen lagen, um die Rückkehr in die Bundesliga zu feiern, war nicht nur den sommerlichen Temperaturen geschuldet. Es war vielmehr Beweis dafür, wie schwer es selbst Vereinen mit dicken Etats fällt, Erfolg in Liga zwei zu planen.

Investitionen, die lohnen

Eintracht Braunschweig muss sich als Dritter (mit weitaus geringerem Etat) brisanten Relegationsduellen gegen den VfL Wolfsburg stellen.

Die genauen Etats hüten die Klubs wie den heiligen Gral. Mindestens 25 Millionen aber sollen die Schwaben ins Aufstiegsrennen investiert haben, in Hannover sollen es weit mehr gewesen sein. Weniger betuchte Zweitligisten müssen mit drei bis zehn Millionen auskommen. Dazu passt: Die besten Torschützen stellen Stuttgart (Simon Terodde/25) und Hannover (Martin Harnik/17).

Geld garantiert keinen Erfolg

Dass Geld allein kein sorgloses Zweitliga-Leben garantiert, aber zeigt das Beispiel der Niedersachsen. Bevor die Rückkehr gelang, wechselte 96 nicht nur den Trainer, sondern auch den Manager. Was Daniel Stendel und Martin Bader nicht schafften, mussten Andre Breitenreiter und Horst Heldt zum guten Ende bringen – mit kräftiger Unterstützung des Klubchefs Martin Kind.

In Stuttgart musste Trainer Jos Luhukay nach wenigen Spieltagen in Liga zwei gehen und wurde durch Hannes Wolf ersetzt. Manager Jan Schindelmeiser krempelte den Klub um. Die Schwaben hatten mit dem Risiko Erfolg, auf eine teure, aber junge Mannschaft zu setzen – und den mit 36 Jahren jüngsten Zweitligatrainer.

Schnelle Rückkehr ins Oberhaus wichtig

Mit großem finanziellen Aufwand zurück in die Bundesliga zu drängen, hat gute Gründe. Es gibt genug Beispiele wie schnell die Sache entgleiten kann, wenn die Rückkehr an die Fleischtöpfe des Profifußballs auf Dauer misslingt. Der Karlsruher SC ist neben Zweitliganeuling Würzburger Kickers in die dritte Liga abgestiegen, der 1. FC Kaiserslautern rettete sich mit Mühe und Not und 1860 München muss nach vielen internen Skandalen auf die Relegationsspiele gegen den Drittligisten Jahn Regensburg setzen, um den Absturz zu vermeiden.

Wo früher Zuschauereinnahmen, die Etats aufpolsterten, sind es heute TV-Gelder, die den Klubs finanzielles Überleben in der Spitzengruppe ihrer Ligen garantieren. Nach dem Abstieg sanken die Zuwendungen aus dem TV-Geschäft in Stuttgart von 27 Millionen auf rund elf. Der Gesamtetat sank von über 52 Millionen auf weniger als die Hälfte.

Knochenharte Zweite Liga

Eine derartige Belastung lässt sich allenfalls zwei Jahre stemmen, bevor die Etats dauerhaft schrumpfen und die Wahrscheinlichkeit sinkt, eine reelle Aufstiegs-Chance zu haben. Deshalb gilt die Zweite Liga als knochenharter Marathon, der selbst den Großen alles abverlangt.

Die Würzburger sind so etwas wie der Gegenentwurf. Nach dem Durchmarsch aus der Regionalliga war die Zweite Liga über 34 Spieltage eine Nummer zu groß. Trainer Bernd Hollerbach zog trotz der „riesigen Enttäuschung“ eine positive Bilanz: „Der Verein hat keine Schulden mehr, ist breiter aufgestellt und kann den Wiederaufstieg anpeilen.“ In Liga drei zählen nun die Kickers mit zu denen, die über die dicksten Geldbeutel verfügen.

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