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Die Zehn-Millionen-Normalität

Die Summen auf dem Transfermarkt werden höher und höher

Fußballprofis werden immer teurer. Die Bundesligaklubs haben sich in diesem Sommer schon 20 Spieler geleistet, die mehr als zehn Millionen Euro Ablöse gekostet haben. Der Transfermarkt kennt kaum noch Hemmungen. Wohin führt dieser Weg?

Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg
Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg
Quelle: dpa

Heribert Bruchhagen meldet sich nur noch punktuell zum Geschehen in der Fußball-Bundesliga zu Wort - wie kürzlich als Laudator bei einer Gala in der Kölner Flora, als Friedhelm Funkel zum Trainer des Jahres gekürt wurde. Wobei der 70 Jahre alte Bruchhagen den nur fünf Jahre jüngeren Fußballlehrer von Fortuna Düsseldorf warnte: „Die glauben in Düsseldorf doch nicht ernsthaft, dass sie jetzt ein fester Bestandteil der Bundesliga sind. Die, die dich jetzt bejubeln, werden mit Blumentöpfen nach dir werfen!“ Beide schmunzelten über den Ausspruch.

Tatsächlich ist das Geschäft immer schnelllebiger, die Halbwertszeit von Manager und Trainern immer geringer geworden. Was fraglos mit dem vielen Geld zu tun hat, das sich im Kreislauf bewegt. Der Anstieg von Gehältern und Ablösen macht es den Verantwortlichen nicht leicht, Bodenhaftung, Geduld und Ruhe zu bewahren. In der aktuellen Transferperiode haben bisher allein 20 Spieler mehr als zehn Millionen gekostet. Solche Summen erhöhen zwangsläufig den Druck.

Selbst Talente kosten 15 Millionen Euro

Die Preistreiberei treibt immer wildere Blüten. Der österreichische Nationalspieler Xaver Schlager kostet den VfL Wolfsburg mal eben 15 Millionen Euro, dieselbe Summe blättert Bayer Leverkusen für das französische Talent Moussa Diaby hin, und für den dänischen U21-Nationalspieler Robert Skov bezahlt die TSG Hoffenheim zehn Millionen.

Die Flut hebt alle Boote.
Heribert Bruchhagen

Zweistellige Millionenbeträge - wohlgemerkt für Transfers der zweiten Kategorie. Schon vor Jahren warnte Bruchhagen, damals noch Vorstandschef bei Eintracht Frankfurt, vor einer solchen Entwicklung mit dem prägnanten Satz: „Die Flut hebt alle Boote.“ Damit war auch das Boot der Spielergehälter gemeint, da die Marktwerte der Spieler bei einem Transfer erheblich steigen. Von den im Profifußball generierten Mehreinnahmen profitieren in erster Linie die Akteure und deren Agenten.

Alles wird teurer – aber nicht besser

Höhere Ablösen münden nicht zwangsläufig in eine sportliche Verbesserung. Vor der Saison 2012/2013, als sich Bayern München und Borussia Dortmund im Champions-League-Finale von Wembley begegneten und mit der deutschen Dominanz einen Vorboten für den WM-Triumph 2014 aussandten, leistete sich die Liga gerade einmal sechs solcher Transfers. Ein achtstelliger Ablösebetrag galt vielen als unüberwindbare Schallmauer. Teuerster Deal vor sieben Jahren: Der Wechsel von Javier Martinez zum FC Bayern für 40 Millionen Euro - damals neue Rekordablöse.

Die Relationen verrücken sich in immer schwindelerregende Sphären. Heute gelten die 80 Millionen, die der FC Bayern für Weltmeister Lucas Hernandez ausgab, gemessen an internationalen Maßstäben als handelsüblich. Landsmann Benjamin Pavard war mit einem 35-Millionen-Preisschild versehen. Borussia Dortmund blättert dreimal je rund 25 Millionen Euro hin, um sich mit Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt auf den Flügeln zu verstärken. Auch Mats Hummels, obwohl mit 30 Jahren kein aktueller Nationalspieler mehr, war für den BVB noch 30,5 Millionen Euro teuer.

Zwei Vereine haben bereits besonders profitiert

Luka Jovic am 02.05.2019 in Frankfurt
Luka Jovic
Quelle: dpa

Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge (Bayern) und Hans-Joachim Watzke (BVB) haben sich das Wehklagen fast abgewöhnt, denn die Mechanismen des Marktes werden sie nicht verändern können. Im Umkehrschluss profitieren deutsche Vereine bei Verkäufen ja auch von den opulenten Summen, die vor allem aus der englischen Premier League in den Markt gepumpt werden.

Bei der TSG Hoffenheim spülten die Verkäufe von Joelinton (Newcastle United), Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen), Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen) und Schulz mehr als 110 Millionen in die Kasse. Eine ähnliche Summe erlöste Eintracht Frankfurt für seine Stürmer Luka Jovic (für 60 Millionen zu Real Madrid) und Sebastien Haller (für kolportierte 50 Millionen zu West Ham United).

Das Ende der Nahrungskette

Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen stellte fest: „Es gilt abzuwägen zwischen sportlichem Wunsch und finanzieller Vernunft. Joelinton ist Beweis für eine bewährte und alternativlose Strategie.“ Am Ende der Nahrungskette sind die Global Player und die englischen Erstligaklubs. Nur fressen die Großen die Kleinen jetzt immer schneller. Eine gute Halbserie genügt oft, dann ist ein Himmelsstürmer selbst für die gehobene Mittelklasseklubs wie Hoffenheim und Frankfurt kaum mehr zu halten.

Für  Einkäufe hat die Bundesliga nach aktuellem Stand Anfang August laut dem Portal transfermarkt.de rund 640 Millionen Euro ausgegeben und für  Verkäufe rund 492 Millionen eingenommen. Im letzten DFL-Wirtschaftsreport (bezogen auf die Saison 2017/2018) machten Transfers bei den Erlösen 645,5 Millionen Euro aus, der Anteil war größer als die Zuschauereinnahmen. Für neue Spieler gaben die Bundesligisten 839 Millionen Euro aus (22,6 Prozent der Ausgaben). Da in dieser Saison die heiße Phase zum Ende des Transferfensters (31. August) erst noch bevorsteht, kündigen sich neue Rekorde an. Vor allem, wenn sich der FC Bayern mit Leroy Sané den ersten Deal jenseits der 100-Millionen-Marke abwickeln sollte.

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