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Die Champions League der Nationalmannschaften

Nations League - eine neue Liga für Europa

Die Nations League soll im europäischen Fußball die Freundschaftsspiele ersetzen und die EM-Qualifikation vereinfachen. Bis sie als echter Wettbewerb akzeptiert wird, könnte aber noch dauern. Am Mittwoch wird erstmal ausgelost.

Mesut Özil und Toni Kroos
Nationalspieler Mesut Özil und Toni Kroos Quelle: ap
Logo: UEFA Nations League
Quelle: uefa

Das Logo besteht aus einer Fahne, vielen Farben und noch mehr Wappen. Insofern hat die UEFA wenigstens ein passendes Symbol für ihr neuestes Produkt gefunden, das in dieser Woche einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wird: die Nations League. Kein Wettbewerb steht für mehr Vielfalt unter dem europäischen Fußballdach. Aber durchdringt auch jeder wirklich, was sich hinter einem neuen Konstrukt mit vier Ligen und 55 Teilnehmern verbirgt?

Auslosung am Mittwoch

Oliver Bierhoff
Oliver Bierhoff: "Auf der einen Seite müssen wir schauen, dass wir es mit den Wettbewerben nicht übertreiben, auf der anderen Seite werden das interessante Spiele." Quelle: dpa

Am Mittwoch (12 Uhr) wird in Lausanne der neue Wettbewerb namens Nations League ausgelost, über den künftig vier direkte Startplätze einer EM vergeben werden. Den DFB repräsentieren im "Swiss Tech Convention Center" Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff, dazu Präsident Reinhard Grindel und Generalsekretär Friedrich Curtius. Das Quartett kennt die Vorbehalte, die dem prestigeträchtigen Pilotprojekt noch entgegenschlagen.

"Der Fan wird das mehr oder weniger annehmen", bekundete Bierhoff zuletzt. Dabei ist der DFB-Superdirektor - seit Jahresbeginn für sämtliche Nationalmannschaften (auch die der Frauen) und die Fußball-Entwicklung zuständig - selbst hin- und hergerissen: "Auf der einen Seite müssen wir schauen, dass wir es mit den Wettbewerben nicht übertreiben, auf der anderen Seite werden das interessante Spiele."

ARD und ZDF am Ball

Selbst der amtierende Weltmeister hat ja die Erfahrung gemacht, dass heutzutage Freundschaftsspiele auch gegen Top-Nationen immer schwieriger zu vermarkten und nur noch selten ausverkauft sind. Beim letzten Länderspiel im November vergangenen Jahres kamen gegen Frankreich gerade mal 37.000 Besucher in die Kölner Arena, die bei internationalen Partien 46.200 Sitzplätze bietet.

"Freundschaftsspiele sind weniger attraktiv, was sich daran zeigt, dass weniger Leute in den Stadien sind. Wir lassen nun Partien, die sowieso von den Nationalteams gespielt worden wären, unter Wettbewerbsbedingungen stattfinden", erklärte UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti. Aus der Gesamtvermarktung sollen bis zu zwei Milliarden Euro hereinkommen. Die Übertragungsrechte für den deutschen Markt haben bis 2022 ARD und ZDF erworben. Freundschaftsspiele bestreitet das A-Team des DFB weiterhin, aber in deutlich geringerer Zahl.

"Riesensache für die kleineren und mittleren Verbände"

Deutschland muss die Nations League schon vor dem Hintergrund der EM-Bewerbung 2024 mit einigem Wohlwollen begleiten. "Es ist eine Riesensache für die kleineren und mittleren Verbände", findet Grindel, "ein großer Verband muss auch Solidarität zeigen."

Ihm war die Zusicherung an Löw wichtig, "dass wir nicht mehr Spiele haben." Tatsächlich spielen die zwölf Top-Nationen ab September dieses Jahres in Dreiergruppen. Zudem ist ihnen in der EM-Qualifikation eine Fünfer- statt Sechsergruppe gewiss. So werden die Nations-League-Spiele in den normalen Länderspielkalender eingepasst. Die vier Gruppensieger der League A spielen im Juni 2019 in einer Endrunde einen Gewinner aus. Für die restlichen Teams sind die Playoffs für die EM-Endrunde interessant.

Rummenigge kritisch

Widerstand regt sich von Seiten der deutschen Topklubs. Er sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch, sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: "Wir brauchen nicht mehr Länderspiele, sondern weniger Länderspiele. Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen."

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc meint: "Ich empfinde das als ein weiteres Drehen an der Schraube, wo man zu dem Punkt kommt, ob es nicht doch zu viel wird." Und der BVB-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Watzke erkennt: "Wir haben schon genug Wettbewerbe."

Es gibt Pläne für ein globales Turnier

Noch etwas schürt Unbehagen: Längst laufen Planungen, die Nations League zu einem globalen Projekt zu machen. In diesem Fall ziehen offenbar sogar UEFA und FIFA an einem Strang. Herauskommen könnte eine weltweite Nations League, ein "Global Eight": Daran würden neben drei europäischen Vertretern auch die Gewinner der fünf anderen Konföderationen teilnehmen.

Dem Vernehmen ist FIFA-Präsident Gianni Infantino erpicht darauf, über neue Wettbewerbe die in Schieflage geratene Einnahmesituation des Weltverbands zu verbessern. Bei einem Treffen des FIFA-Councils soll in Kürze über dieses Modell gesprochen werden, das anstelle des Confed-Cups treten würde – und nichts anderes als eine Art Mini-WM wäre.

Daten und Fakten zur Nations League

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