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Die Zukunft des Fußballs: Fangesänge aus der Dose?

Fußballspiele ohne Zuschauer

Spaß hat das nicht gemacht – da waren sich Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Fans nach dem ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte ausnahmsweise einig. Trotzdem werden weitere folgen. Wie können sich Klubs und Spieler darauf einstellen?

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Gladbachs Torschütze Breel Embolo gegen Köln jubelt vor leeren Rängen.
Quelle: dpa

Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass ein Schiedsrichter nach einem Spiel gesagt hat: "Das hat nichts mit Fußball zu tun". Doch was Deniz Aytekin am Mittwochabend in Mönchengladbach meinte, waren keine Ausschreitungen, keine Fouls, Beleidigungen. Es war ein korrekt verlaufenes Bundesliga-Spiel mit drei gelben Karten und keinem Platzverweis. Aber ohne Zuschauer, ein Geisterspiel, wegen des Coronavirus.

Geisterspiele ohne Begeisterung

Aytekin war nicht der einzige, der keinen Spaß an diesem Abend hatte, an dem der Fußball all das nicht bot, was seine Magie ausmacht: Leidenschaft und Begeisterung. "Eine Erkenntnis ist, dass die Fußball-Bundesliga ohne Fans keinen Spaß macht", sagte FC Köln-Manager Horst Heldt.

Behauptet wurde die atmosphärische Abhängigkeit des Fußballs von seinen Fans schon immer. Wenn das Spiel in Gladbach vor leeren Rängen einen tieferen Sinn als die Tabellenbereinigung gehabt haben soll, dann als endgültiger Beweis dafür, dass Zuschauer "Part of the Game" sind, ein entscheidender Teil des Gesamterlebnisses.

Feldversuch geht weiter

Nun ist es aber durchaus möglich, dass UEFA, DFL und DFB ihren freudlosen Feldversuch noch ein paar Wochen verlängern. Was könnten dann zumindest die Mannschaften für ihre Vorbereitung aus den ersten Erfahrungen lernen?

"Ich hatte den Eindruck, dass sich die gespenstische Atmosphäre auf das Spiel übertragen hat", sagt die Sportpsychologin Kathrin Seufert im Gespräch mit zdfsport.de. "Es wirkte etwas schläfrig, als wenn ein Impuls fehlen würde. Die Spieler hatten sichtbar Probleme, sich auf die Situation einzustellen. Das erste Mal wurde erst nach einer halben Stunde die Handbremse gelockert, das Spiel nahm an normalem Spielfluss zu", so Seufert.

Nicht jeder braucht den Push von außen

Es sei nicht möglich, eine Mannschaft abschließend auf die ungewohnte Situation vorbereiten, da jeder Spieler anders mit der Situation umgehe. "Manche brauchen den Push der Anfeuerung, andere freuen sich sogar darüber, dass von außen kein zusätzlicher Druck kommt", sagt Seifert. Man könne also nur jeden Spieler individuell psychologisch vorbereiten. Das aber brauche wie jedes Training Zeit.

Kurzfristig können die Mannschaften sich nur bemühen, die sonst von außen kommenden Impulse zu ersetzen. "Man kann sicher versuchen, die Spieler durch Fangesänge in der Kabine in Stimmung zu bringen", sagt Seufert. "Vielleicht wäre es sogar möglich, Fangesänge im Stadion einzuspielen - wie den Torjubel in Mönchengladbach. Ich bin gespannt, welche kreative Ideen wir am Samstag sehen." Dann finden sämtliche Ligaspiele vor leeren Rängen statt.

Kreative Ideen gefragt

Möglicherweise bescheren uns die kommenden Wochen einen Wettstreit neuer Art. Während sich im Stadion die Klubs bemühen, künstlich so etwas wie Atmosphäre herzustellen, lassen sich die Fans draußen etwas einfallen, um sich drinnen Gehör zu verschaffen.

"Eine Abkehr der Fans würde meiner Einschätzung nach sich nur als Zeichen an DFB und DFL oder die jeweiligen Landesregierungen richten und nicht an die Vereine", sagt Seufert, die die Fanszene gut kennt. "In Mönchengladbach standen auch 300 Fans hinter dem Heimblock. Wenn es weitere Geisterspiele gibt, werden die Gruppierungen außerhalb des Stadions möglicherweise zunehmen." Allerdings: Mehrere Bundesligisten riefen ihre Anhänger dazu auf, sich wegen des Coronavirus nicht in größeren Mengen vor dem Stadion zu versammeln.

Die kommenden beiden Spieltagen überträgt Rechteinhaber Sky die Konferenz der Bundesliga sowie der 2.Bundesliga frei empfangbar. Sportpsychologin Seufert gibt zu bedenken: "Die Atmosphäre ist auch vor dem Fernseher eine andere. Die paar Klatscher in Gladbach wirkten eher befremdlich als aufbauend. Der Sprung von Fangesängen zu Totenstille ist einfach zu groß.“

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