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Geldstrafen für Bundesligisten hoch wie nie

Fußball - DFB-Bußgelder überschreiten Drei-Millionen-Grenze

Auch in der abgelaufenen Saison entfiel der größte Teil der Strafen, die der DFB an die 54 Bundesliga-Klubs verhängte, auf den Einsatz von Pyrotechnik. Erstmals wurde der neue Strafgeldkatalog eingesetzt, durch den mehr Verursacher ermittelt werden sollen.

1. FC Union Berlin - VfB Stuttgart: Fans von Stuttgart zünden Pyrotechnik auf der Tribüne
1. FC Union Berlin - VfB Stuttgart: Fans von Stuttgart zünden Pyrotechnik auf der Tribüne
Quelle: dpa

Normalerweise herrscht bei den Testspielen in den Sommertrainingslagern der Bundesligisten eher entspannte als hitzige Atmosphäre. Umso erstaunter war der Tross von Borussia Mönchengladbach, als beim Testspiel gegen Rayo Vallecano am Samstag im idyllischen Rottach-Egern die rund fünfzig mitgereisten spanischen Fans massiv Pyrotechnik zündeten und es im Anschluss zu einer Schlägerei samt Polizeieinsatz kam.

Letztes Urteil der Saison

Während die bayerische Polizei ermittelt, kann sich die DFB-Sportgerichtsbarkeit nur einschalten, falls sich Borussia Mönchengladbach etwas hat zuschulden kommen lassen. Aufgrund des Verbandsrechtes kann der DFB nur Mitglieder seines Verbandes bestrafen.

Das Sportgericht des DFB hat sein letztes Urteil vor der Sommerpause am 11. Juli gegen Union Berlin wegen der Vorkommnisse im Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart gesprochen. Insgesamt 56.800 Euro muss der Erstliga-Aufsteiger bezahlen und katapultiert sich damit noch auf Platz 10 der Liga-übergreifenden Geldstrafen-Tabelle des DFB für die vergangene Saison.

HSV bleibt Strafgeld-Meister

Mit dem letzten Urteil für die alte Saison steht endgültig fest, dass der HSV seinen Titel als Geldstrafen-Meister in der zweiten Liga verteidigt hat. Insgesamt 294.150 Euro mussten die Hanseaten für das Fehlverhalten ihrer Fans berappen. Gut die Hälfte davon entfiel auf das Derby beim Stadtrivalen FC St. Pauli, bei dem es wegen des Einsatzes von Pyrotechnik mehrfach zu Spielunterbrechungen kam.

Auch in der abgelaufenen Saison kam ein großer Anteil der Strafen wieder durch das Abbrennen bzw. Abschießen von Bengalos, Rauchtöpfen, Raketen und Böllern zustande. Der seit letzter Saison gültige Strafenkatalog des DFB listet detailliert auf, wie viel die Vereine pro Gegenstand je nach Ligazugehörigkeit zahlen müssen.

Strafenkatalog (Quelle: DFB.de)

Ermittlung soll sich lohnen

Aber auch die Strafen für das Eindringen auf das Spielfeld, das Werfen von Gegenständen, die Verwendung von Laserpointern und die Verkündung unsportlicher Botschaften auf Bannern und Transparenten sind klar geregelt. Führt das Fehlerverhalten zu Spielunterbrechungen, gibt es je nach Dauer der Unterbrechung kräftige Aufschläge von 20 bis zu 100 Prozent.

Reduzieren können die Klubs die Strafen hingegen um 25 bis 75 Prozent pro Delikt, wenn der oder die Täter ganz oder teilweise ermittelt werden. Diese neue Regelung kam unter anderem Bayern München nach dem Auswärtsspiel in Dortmund zugute, wo Bayern-Fans laut DFB mindestens zwölf pyrotechnische Gegenstände abgebrannt und ein Feuerzeug auf den Rasen geworfen hatten.

Leipzig fällt positiv auf

"Ziel ist es nicht, mit Geldstrafen Einnahmen zu generieren, sondern auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und die Identifizierung der Täter durch die Vereine hinzuwirken", teilte der DFB gegenüber zdfsport.de mit. Den größten Sprung aus der sportlichen Tabelle nach vorn macht im unrühmlichen Bußgeld-Ranking Zweitligaabsteiger FC Magdeburg, der mit einer Strafsumme von 166.850 Platz sechs belegt.

Im krassen Gegenteil dazu findet sich der Erstliga-Dritte RB Leipzig mit einer Strafbilanz von lediglich 7000 Euro für sieben Pyros beim DFB-Pokalfinale auf Platz 46 der Tabelle. Am satzungstreuesten sind die Fans des Drittligisten Sonnenhof Großaspach, bei dem überhaupt nicht gezündelt wurde, dafür aber ein Spieler von Energie Cottbus rassistisch beleidigt wurde, was 1000 Euro kostete.

Strafen

  • Gesamt: 3.264.870 Euro
  • Höchste Einzelstrafe: 150.00 Euro für den HSV wegen Pyrotechnik und Spielunterbrechung während des Spielsbeim FC St. Pauli
  • Top-Ten: Hamburger SV, Borussia Dortmund, Bayern München, Fortuna Düsseldorf, Hertha BSC, 1. FC Magedburg, Eintracht Frankfurt, VFB Stuttgart, Dynamo Dresden, Union Berlin

Bremen testet kalte Pyro

Das Gesamtergebnis überschritt nach Vergleichszahlen des Portals fußbballmafia.de erstmals die Dreimillionen-Grenze. Der Betrag ging allerdings nicht in voller Höhe an den DFB, da die Urteile teilweise die Möglichkeit boten, Teilbeträge im Gesamtumfang von gut 300.000 Euro für sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen aufzuwenden.

Die eingenommenen Gelder müssen laut DFB aufgrund gesetzlicher Vorgaben in den Haushalt des Verbandes fließen: "DFB und DFL unterhalten aber eigene fußballnahe Stiftungen und unterstützen weitere Fußball-Stiftungen, an die regelmäßig Geldbeträge fließen, die die Einnahmen aus den Geldstrafen übersteigen." Zu den aus dem DFB-Haushalt geförderten Stiftungen zählen die Egidius-Braun-, die DFL- und die Robert-Enke-Stiftung.

Alternativen müssen gefunden werden

Auf Vereins-Seite ist auch in der Sommerpause die Diskussion über die "Pyrotechnik" weitergegangen. So hat die Bremer Feuerwehr auf Bitten von Werder Bremen Anfang Juli die sogenannte "kalte Pyrotechnik" getestet. Die Versuchsreihen zeigten laut Werder Bremen, dass auch diese Alternativtechnik trotz Gefahrenreduzierung "deutlich zu gefährlich" sei. Werder-Vorstand Hubertus Hess-Grunewald will die Diskussion allerdings nicht beenden, sondern den dänischen Konstrukteur dieser Fackeln nach Bremen einladen.

Bereits im Februar hatte sein Hamburger Amtskollege Bernd Hoffmann einen Dialog mit Fanszene, DFB, Polizei und Feuerwehr angeregt. "Wenn man sich eingesteht, dass Pyro ein Teil der Fankultur ist, und das haben wir, dann muss man zumindest über alternative Lösungen ernsthaft nachdenken", sagte Hoffmann. Laut Strafentabelle scheint das beim HSV am dringlichsten zu sein.

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