Sie sind hier:

Kaymer: "Golf ist zu 80 Prozent Kopfsache"

Sport - Kaymer: "Golf ist zu 80 Prozent Kopfsache"

Martin Kaymer bedauert die Absage und das Desinteresse vieler Golfkollegen für Olympia. Im aktuellen sportstudio spricht der Profigolfer u.a. über den Umgang mit Druck und warum er sich auf Rio freut.

Beitragslänge:
14 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.07.2017, 23:55

Martin Kaymer ist einer der Großen in der Golfszene, mit seinem bodenständigen Auftreten aber kein schillernder Star.  Als Gast im aktuellen sportstudio spricht der Profigolfer u.a. über den Umgang mit Druck und warum er sich auf Olympia freut. Zugleich drückt er sein Bedauern aus, dass viele seiner Kollegen nicht in Rio starten wollen.

von Susanne Rohlfing

Martin Kaymer hat alles, was man braucht für ein rasantes Leben im Rampenlicht: Ein herausragendes Talent, Erfolg, eine Menge Geld und nun offenbar mit Tennisspielerin Sabine Lisicki auch noch eine interessante Frau an seiner Seite. Und doch hat es der 31 Jahre alte Düsseldorfer in den vergangenen zehn Jahren, seit seinem ersten Vorstoß in die internationale Golfelite, deren Anführer er im Jahr 2011 für acht Wochen war, irgendwie geschafft, mehr Durchschnittsdeutscher denn begehrtes Zielobjekt des Boulevards zu bleiben. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnete ihn im vergangenen Jahr als den "wohl unbekanntesten deutschen Weltstar".

Fleißig, zielstrebig, geduldig

Kein Problem für Kaymer, der in seiner Profi-Karriere schon knapp 20 Millionen Euro an Preisgeldern gewonnen hat. Er genieße es, in Düsseldorf noch unerkannt in der Kneipe sitzen zu können, sagte er mal. Und dem "Hamburger Abendblatt" erklärte er: "Die Welt denkt, wir Deutschen sind langweilig. Ich bin nicht langweilig, aber ich bin auch nicht verrückt." Wenn andere Martin Kaymer beschreiben, tauchen Adjektive wie diese auf: Fleißig, zielstrebig, akribisch, überlegt, verbissen, geduldig, lernwillig, pedantisch, kontrolliert, wenig spektakulär. Fest steht: Wenn es gut läuft, ist Kaymer als Golfer genial. Und es läuft ziemlich oft ziemlich gut bei ihm.

Kaymer kam als Zehnjähriger über seine Familie zum Golf. 2006, mit 21 Jahren, erlebte Kaymer dann, was er selbst als "einen einzigen perfekten Golfsommer" bezeichnete.  Ihm gelang bei der Habsberg Classic als erstem deutschen Golfprofi bei einem offiziellen Turnier eine 59er Runde, damit waren Bernhard Langer und Tobias Dier (60 Schläge) als Halter des nationalen Rekord entthront. Kaymer mischte die EPD-Turniere und schließlich die Challenge-Tour, die zweithöchste Turnierserie in Europa auf - und qualifizierte sich für die PGA European Tour 2007.

Erster Triumph auf der European Tour 2008

Die Hoffnungen, die von da an auf dem jungen Durchstarter lasteten, bestätigte Kaymer gleich in seiner ersten Saison mit fünf Top-Ten-Ergebnissen und der Kür zum Neuling des Jahres. So ging es zunächst Jahr für Jahr weiter: 2008 in Abu Dhabi der erste Triumph auf der European Tour und wieder ein Superlativ: Jüngster deutscher Sieger überhaupt. Die Saison 2009 beendete Kaymer auf Platz 13 der Weltrangliste - zum ersten Mal in den Top 20 des Golfsports. 2010: Der erste Major-Sieg bei der US-PGA-Championship in Kohler/Wisconsin, und das nach einem aufregenden Stechen gegen Bubba Watson (USA). Es war der erste Major-Titel für einen Deutschen seit Bernhard Langer 1993.

Am 28. Februar 2011 erklomm Martin Kaymer dann als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer den Thron des Golfsports und übernahm für acht Wochen die Führung in der Weltrangliste. 2012, in seinem siebten Jahr als Topspieler, lief es dann mal weniger gut. Aus diesem Tief kämpfte sich der Düsseldorfer beim Ryder Cup Ende September allerdings spektakulär heraus: Gegen Steve Stricker steuerte Kaymer den entscheidenden Punkt zum Sieg des europäischen Teams über die USA bei.

Turnierplan auf Olympia ausgerichtet

Seither wechseln sich bei Kaymer kleinere Tiefs und grandiose Erfolge ab. Vor allem seine Versuche, auch auf der US-Tour den Durchbruch zu schaffen, scheiterten bislang. In dieser Saison hat Kaymer seinen Turnierplan an den Olympischen Spielen ausgerichtet. Er will unbedingt dabei sein, wenn Golf nach 112 Jahren ins olympische Programm zurückkehrt. Er träumt von einer Medaille, will im olympischen Dorf wohnen, freut sich darauf.

Ganz anders also als rund 20 seiner Preisgeld-verwöhnten Kollegen, allen voran Rory McIlroy aus Nordirland, die für Rio abgesagt haben, angeblich aus Sorge wegen des Zika-Virus‘. McIlroy sprach aber auch ganz ungeniert von "belanglosen Olympischen Spielen".

Martin Kaymer bereiten Zika und Terrorgefahr inzwischen auch Sorgen. Doch seine Konsequenz lautet: So viel wie möglich im Olympischen Dorf bleiben und keine Stadtrundfahrten unternehmen. Eine olympische Medaille will der Düsseldorfer immer noch gern gewinnen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet