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Ein Polizist für den Sport

Sport - Ein Polizist für den Sport

Am 3. Oktober tritt der in Plattling geborene Günter Younger im kanadischen Toronto seinen Posten als Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.09.2017, 08:00

Am 3. Oktober tritt der in Plattling geborene Günter Younger im kanadischen Toronto seinen Posten als Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an. Sein Ziel: den Sport mit knallharten Ermittlungen zum Positiven verändern.

In den vergangenen fast 30 Jahren seines Berufslebens hatte es Günter Younger mit Verbrechern zu tun. Zuletzt war der 49-Jährige auf Internet-Kriminalität spezialisiert, zuvor hat er für Europol und Interpol gearbeitet, ist gegen Drogenkriminalität und organisiertes Verbrechen vorgegangen.

Umzug nach Toronto

Nun gibt der als Günter Seibold geborene Bayer, der bei der Hochzeit den Nachnamen seiner neuseeländischen Frau angenommen hat, seinen Job als Kriminaldirektor beim Landeskriminalamt in München auf, um sich von Toronto aus, wo die WADA ihren Sitz hat, mit Dopern in aller Welt und den sie umgebenden Netzwerken zu befassen - einer sehr speziellen Gruppe von Verbrechern, könnte man sagen.

Sie stehlen sauberen Konkurrenten die Chance auf große Siege und dem internationalen Spitzensport seine Reputation. Dabei gehen sie zum Teil so gewieft und so skrupellos vor wie gut organisierte Verbrecherclans. Das weiß die Welt spätestens seit den umfassenden Geständnissen des ehemaligen Radsport-Superstars Lance Armstrong und seiner Gefolgsleute.

Doping mit System

Doping - dahinter stecken nicht nur einzelne Sportler, die ein paar leistungssteigernde Pillen einwerfen, sondern ganze Systeme, unter Umständen staatliche gestützt und geschützt, wie zuletzt die Enthüllungen in Russland gezeigt haben. An ihnen war Günter Younger entscheidend beteiligt, was seinen Ehrgeiz in Sachen Dopingbekämpfung und die Begeisterung der WADA für Younger geweckt hat.

"Wir haben, über Strafe hinaus, etwas ausgelöst, von dem wir uns Veränderungen im Sport erhoffen", sagte Younger der "FAZ" über die Arbeit der dreiköpfigen WADA-Untersuchungskommission zum Doping in Russland. Younger und seine Kollegen konnten reichlich Beweise für das flächendeckende Doping-Prozedere in Russland und die Beteiligung hoher Funktionäre wie des damaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack vorlegen.

Ermittler-Fähigkeiten gefragt

Kontakte knüpfen, die richtigen Fragen stellen, zuhören, die Puzzleteile kombinieren und die richtigen Schlüsse ziehen - das kann Younger. Und diese Fähigkeiten eines guten Ermittlers sind enorm wichtig in der aktuellen Dopingbekämpfung, die abgesehen von Russland in noch manch anderer Nation intensiviert werden müsste.

Bis zum Einsatz von Younger und der Russland-Untersuchungskommission hatte sich die WADA als oberste Instanz des Anti-Doping-Kampfes nicht mit Ermittlungsarbeit hervor getan, sondern schien wie so viele Verbände und Institutionen im Sport Teil des großen, über alle Instanzen hinweg kameradschaftlich verbandelten Systems zu sein.

Doping-Doku rüttelt wach

Als die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa sich zunächst in einem Brief an die WADA wandte, wurde sie trotz der Brisanz ihrer Enthüllungen ignoriert. Erst als ihre Aussagen in einer viel beachteten Dokumentation in der ARD öffentlich gemacht wurden, sah sich die WADA zum Handeln genötigt.

Leichtathletik: Julia Stepanowa
Julia Stepanowa Quelle: dpa

Dass mit Günter Younger nun ein unabhängiger, ermittlungswilliger und -erfahrener Polizist zum Chefermittler ernannt wurde, und dass er nicht als Einzelkämpfer, sondern wie von ihm gefordert mit einem Team arbeiten darf, zeigt zumindest, dass die WADA gewillt scheint, künftig anders zu agieren.

Vertrauen schaffen

Younger hat sich vorgenommen, sehr genau hinzuhören. Wo brodelt die Gerüchteküche derart intensiv, dass Ermittlungen aufgenommen werden sollten? Wo haben Athleten die Nase voll und wollen auspacken? "Ganz wichtig ist Vertrauensbildung", sagte Younger dem "Sport Informations Dienst". Er wolle ihnen zeigen: Wendet euch an mich, ich kümmere mich um euer Problem.

Der Ansatz ist vielversprechend, denn - das hat die Vergangenheit gezeigt - die großen Erfolge in der Dopingbekämpfung waren bislang immer nur durch Insider möglich, die auspackten.

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