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Blau-weiße Renaissance

Sport - Blau-weiße Renaissance

Nationaltorwart Andreas Wolff outet sich als Angsthase. Die Furcht vor Gespenstern habe ihn einmal so weit getrieben, dass er Team-Kollege Jannik Kohlbacher bat, bei ihm im Gästezimmer zu übernachten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.02.2017, 23:37

Der traditionsreiche Handballstandort Gummersbach richtet heute gegen Österreich (15:20 Uhr, live im ZDF) zum zweiten Mal ein Länderspiel in seiner schmucken Halle aus. Ohne die vor zweieinhalb Jahren eröffnete Schwalbe-Arena wäre der VfL, sagt Geschäftsführer Frank Flatten, schon Geschichte.

Es war im Oktober 2014, als die Stadt Gummersbach die Delegation des Deutschen Handballbundes (DHB) empfing. Anlass war das erste Länderspiel einer DHB-Auswahl in Gummersbach überhaupt, der Gegner hieß damals Finnland. Die Stadtväter empfingen die DHB-Delegation in Halle 32, einem architektonischen Relikt auf dem riesigen Gelände der großen Maschinenbaufabrik Steinmüller, die über ein Jahrhundert lang die Stadt ernährt hatte, aber im Jahr 2000 in den Konkurs gegangen war.

Beispiel für den erfolgreichen Wandel

Die Stadtvertreter um Bürgermeister Frank Helmenstein berichteten, auf welch mutige Weise dieses marode Gebiet modernisiert worden war. Im Zentrum des Vortrags: Die schmucke Schwalbe-Arena, die im August 2013 feierlich eröffnet wurde und seither als Heimspielstätte des VfL Gummersbach fungiert. Der damalige DHB-Präsident Bernhard Bauer war begeistert: "Gummersbach ist Handballtradition, aber auch Zukunft, die Schwalbe-Arena steht für den erfolgreichen Wandel im Handballsport."

Nur 18 Monate später läuft die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson zum zweiten Mal in Gummersbach auf, nun im Testspiel gegen Österreich (ab 15:20 Uhr live im ZDF). Dass im Team des neuen Europameisters mit Torhüter Carsten Lichtlein, Julius Kühn und Simon Ernst drei VfL-Profis auflaufen, hätten sich die Verantwortlichen in Gummersbach damals nicht träumen lassen. "Das ist einfach sensationell und bedeutet so viel für den Klub", sagt VfL-Geschäftsführer Frank Flatten.

Rettung dank neuer Arena

Selbstverständlich erinnert das viele ältere Handballfans an jene großen Zeiten, in denen der VfL Gummersbach sich nach 1966 zur besten Klubmannschaft der Welt emporschwang. Hansi Schmidt, die drei Brüder Klaus, Jochen und Heiner Brand, Klaus Westebbe, Jochen Feldhoff, Joachim Deckarm, Erhard Wunderlich, Andreas Thiel – diese Namen haben mit zwölf Meistertiteln und fünf Triumphen im Europapokal der Landesmeister bis 1991 für den VfL Handballgeschichte geschrieben.

Doch in den Neunzigern verblasste der Ruhm. Als der VfL den Europapokal einmal verpasste, konnte er nicht mehr mit Klubs wie dem THW Kiel mithalten, da die Eugen-Haas-Halle nur gut 2000 Fans fasste. Der Ausflug in die Kölnarena ab 2001, so vielversprechend er schien, erwies sich am Ende als finanzielles Desaster. Mehrfach stand der traditionsreiche Standort vor dem Aus. "Ohne die Schwalbe-Arena wäre der Bundesligahandball in Gummersbach wahrscheinlich tot", sagt Flatten.

Vereinskonzept trägt Früchte

Sie wissen in Gummersbach, dass die ganz großen Zeiten des VfL vorbei sind. Flatten und der VfL-Beirat um Götz Timmerbeil und Heiner Brand haben vor drei Jahren deshalb einen Weg als Ausbildungsverein eingeschlagen, der junge deutsche Talente anziehen sollte. "Wir bilden A-Nationalspieler aus – mit diesem Satz haben wir damals geworben", berichtet Flatten. "Das klang verwegen. Aber genau das ist jetzt eingetreten."

Torhüter Lichtlein, der aus Lemgo kam, trägt schon seit 2001 das Trikot mit dem Adler. Aber die jungen Rückraum-Asse Julius Kühn, der am 1. April 22 Jahre alt wird, und auch Simon Ernst, der einen Tag später seinen 21. Geburtstag feiert, konnten durch viele Einsatzzeiten in der Bundesliga in Gummersbach zu Nationalspielern reifen.

Weitere Nachwuchstalente sollen folgen

Das gleiche gilt für den Halblinken Andreas Schröder, der zuletzt aber nicht im DHB-Kader auftauchte. Und Flatten glaubt, dass weitere junge VfL-Profis folgen werden. "Dass aus unserer Jugend noch mehr kommt, davon bin ich überzeugt." Doch erst einmal wollen sie das Länderspiel in Gummersbach genießen. Die knapp 4200 Plätze in der Schwalbe-Arena waren schon nach einigen Tagen ausverkauft.

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