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Sigurdsson: Viel Respekt vor Talant Dushebajew

Sport - Sigurdsson: Viel Respekt vor Talant Dushebajew

Hat das DHB-Team bei dem langen EM-Turnier einen Vorteil, weil es auf junge Spieler zurückgreifen muss? Der Bundestrainer sieht es so, doch im Spiel gegen Ungarn ist vor allem Konzentration gefragt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.01.2017, 19:30

Keine andere Figur verkörpert die Internationalität des Handballs so sehr wie Talant Dushebajew. Der ungarische Nationaltrainer kämpft gegen Deutschland (heute, ab 18.05 Uhr, live im ZDF) um das Olympiaticket. Den Respekt des Bundestrainers hat er.

Wenn Talant Dushebajew, 47, aus seinem Leben erzählt, geht die Reise durch viele Länder und Sprachen. Geboren wurde er in Frunse, Kirgisien, er trug das Trikot der Sowjetunion, der GUS (mit dem Team wurde er 1992 in Barcelona Olympiasieger), Russlands und, nach einem Staatenwechsel, Spaniens. Auf seinem Weg von Ost nach West verdiente er sein Geld auch als Profi in Nettelstedt Minden.


Viele Länder, viele Sprachen

Als Trainer arbeitete er zuerst in Spanien, bevor er in der polnischen Provinz bei KS Kielce unterschrieb, dort coacht er übrigens den deutschen Nationalrechtsaußen Tobias Reichmann. Und seit gut einem Jahr ist er, quasi nebenberuflich, auch verantwortlich für die Nationalmannschaft Ungarns, erster deutscher Gegner in der Hauptrunde der 12. EM in Polen.


„Jetzt gilt es, jetzt sind wir drin im Turnier“, zeigte sich Kapitän Steffen Weinhold (THW Kiel) angriffslustig. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gilt vor dem Anpfiff heute (18.15 Uhr, ZDF) als leichter Favorit, weil es mit 2:2-Punkten in die Hauptrunde startet, währen die Ungarn 0:4-Zähler aufweisen.


Aber das ist im Grunde ohne Bedeutung. Mussten einige Wettfavoriten doch bei dieser EM schon herbe Niederlagen einstecken, so Island (gegen Weißrussland), Titelverteidiger Frankreich (gegen Polen) oder Kroatien (gegen Norwegen). Und wenn die Ungarn auch in der Vorrunde recht überraschend gegen Russland verloren, so stellt Dushebajew stets eine Rechnung mit vielen Unbekannten dar. „Er ist unheimlich erfahren“, zollt ihm Bundestrainer Dagur Sigurdsson großen Respekt. „Er arbeitet schon seit mehreren Jahren nur an der Spitze. Er war als Spieler ein sehr starker Stratege und ist jetzt ein Taktik-Fuchs.“

Greenhorn Faluvegi
Dushebajew hat die Ungarn nach der verpassten WM 2015 stark verjüngt und vor dieser EM noch einmal Schlagzeilen produziert, weil er den routinierten Regisseur Gabor Csazar (den Heiner Brand stets Zsa Zsa Gabor nannte) aus dem Kader strich und dafür Rudolf Faluvegi nominierte, einen 21jährigen mit nur vier Länderspielen. Und Faluvegi ist nicht das einzige Greenhorn.

Dushebajew leidet als Nationaltrainer stark darunter, dass die ungarischen Topklubs Veszprém und Szeged, weil sie das nötige Kleingeld haben, ihren Rückraum mit Stars aus dem Ausland bestücken – einer von ihnen ist Christian Zeitz, der deutsche Weltmeister von 2007. Die einzige Ausnahme ist der hünenhafte Laszlo Nagy (Veszprém), ein 2,09m großer Linkshänder, der allerdings auch schon 35 Jahre alt ist. „Sie sind körperlich groß und stark, haben sehr erfahrene Spielern wie Nagy, der viele Entscheidungen trifft sowohl vorne als auch hinten“, sagt Sigurdsson.

Enormer Druck

„Laszlo ist ein hervorragender Kapitän“, sagt Dushebajew über die Ikone des ungarischen Sports. „Er hat eine Menge Erfahrung, um die junge Mannschaft zu führen.“ Am besten zum olympischen Turnier nach Rio. Ungarn kämpft noch um ein Ticket für die Qualifikationsturniere im April, wie auch Schweden und Norwegen, und steht daher enorm unter Druck.


Einer, der zu Nagy aufsieht, ist Jamali Iman, ein Halblinker mit enormer Wurfkraft – er verfügt wahrscheinlich über den härtesten Wurf bei dieser EM. Auch Iman steht bei Veszprém unter Vertrag, ist aber aktuell an den schwedischen Meister Kristianstad ausgeliehen. Geboren und aufgewachsen im Iran, ist er, schon länger eingebürgert, erst seit kurzem für Ungarn spielberechtigt. Iran, Schweden, Ungarn – das alles klingt für normale Erdenbürger ziemlich verwirrend. Nicht jedoch für den Kosmopoliten Dushebajew.

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