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Triumph der Coolness

Sport - Triumph der Coolness

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft geht selbstbewusst ins EM-Halbfinale gegen Norwegen. So ganz realisiert haben die Spieler ihren bisherigen Erfolg nicht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.01.2017, 19:32

Eine überragende Defensive hat die deutschen Handballer ins Halbfinale der EM getragen. Nach dem 25:23 (12:13)-Sieg im Thriller gegen Dänemark fürchtet das Sigurdsson-Team niemanden mehr. Auch nicht am Freitag (ZDF SPORTextra ab 18:05 Uhr) den nächsten Gegner Norwegen.

 

Es waren noch drei Minuten zu spielen, als Bundestrainer Dagur Sigurdsson auf das Spielfeld schaute und nickte. Und noch einmal nickte. Es stand 23:23 gegen Dänemark, den großen Turnierfavoriten, der mit Rückraumstar Mikkel Hansen und Torwart Niklas Landin große Figuren in seinen Reihen hat. Und Sigurdsson freute sich innerlich, weil seine junge deutsche Mannschaft den Gegner genau dort hatte, wo er ihn haben wollte: unter Druck.

Aufgeregte Dänen

Anders Eggert, der sonst so fröhliche Däne in Diensten der SG Flensburg-Handewitt, meckerte und schimpfte mit den tschechischen Schiedsrichtern und den griffigen Deutschen. "Wir haben gemerkt, dass die Dänen immer nervöser werden", sagte Torwart Andreas Wolff (Wetzlar) nach dem Abpfiff.

Die deutschen Spieler dagegen blieben cool: Tobias Reichmann verwandelte auch seinen dritten Strafwurf, und eine Minuten vor Schluss tankte sich der selbstbewusste Fabian Wiede durch und schmetterte den Ball zum 25:23 in die Maschen.

Abwehr hält dicht

DHB-Spieler  Rune Dahmke jubelt
Grund zur Freude: Rune Dahmke Quelle: dpa

Den Rest besorgte die Deckung, die sich immer weiter steigerte, der überragende Finn Lemke (Magdeburg) blockte einen Sprungwurf Hansens, Nebenmann Hendrik Pekeler (Löwen) klammerte die anderen Dänen, und als Wolff 30 Sekunden vor Schluss den Wurf Mads Mensah Larsens entschärfte, war die Sensation vollbracht: Mit diesem 25:23 (12:13)-Sieg erreichte die Auswahl die Deutschen Handballbundes zum ersten Mal seit 2008 wieder ein EM-Halbfinale.

Aus den meisten brach der Jubel lautstark heraus. Andere schüttelten nur immer wieder den Kopf, so wie Steffen Fäth (Wetzlar), der mit sechs Toren überragende Schütze aus dem Rückraum. Man kann das getrost als Wunder bezeichnen. Fehlten der Mannschaft in diesem entscheidenden Spiel mit Patrick Wiencek, Steffen Weinhold, Christian Dissinger (alle THW Kiel), Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki (Löwen) und Paul Drux (Berlin) die komplette erste Feldbesetzung. Es schien unmöglich, dass diese B-Auswahl die spielstarken Skandinavier würde schlagen können.

Große Zuversicht

Andererseits hatten einige deutsche Spieler schon vor dem Turnier ihren Ehrgeiz kaum verstecken können. "Ich träume von einer Medaille bei der EM", hatte Pekeler nach dem letzten Testspiel verraten. "Ich bin hierhergefahren, um Europameister zu werden", sagte Torwart Wolff. "Alles", antwortete Rechtsaußen Tobias Reichmann am Mittwochabend auf die Frage, was am finalen Wochenende in Krakau jetzt noch möglich sei.

Bundestrainer Sigurdsson wollte soweit nicht denken, sondern staunte selbst über den Coup. "Wir haben unser Ding einfach durchgezogen", sagte der Isländer in der ARD: "Wir haben kühlen Kopf bewahrt und einfach weitergearbeitet." Die gesamte Mannschaft habe eine grandiose Leistung gezeigt. Alle Beteiligten, darauf legte er Wert.

Der Ersatz macht's

Auch Kai Häfner (Hannover) und Julius Kühn (Gummersbach), die erst am Montag anreist waren, um für die verletzten Weinhold und Dissinger einzuspringen, trugen in der Tat wesentlich zum Sieg bei: Häfner hatte viele Einsatzminuten auf Rückraum Mitte und warf drei Tore. Und Kühn schmetterte aus zehn Metern, hoch in der Luft stehend, mit brachialer Gewalt einen Sprungwurf zum 22:23-Anschlusstor in die Maschen. Damit läutete er den 4:0-Lauf in den letzten sieben Minuten ein.

Die deutschen Handballer jedenfalls haben sich in einen derartigen Rausch gesteigert, dass  sogar der zweite EM-Titel nach 2004 nicht mehr utopisch erscheint. "Ich glaube, im Moment will niemand gegen uns spielen", sagte Torwart Wolff und grinste.

Die deutschen Nobodys brauchen hingegen nach diesem historischen Sieg keinen Gegner mehr zu fürchten.

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