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Sollbruchstellen des Gegners nutzen

Sport - Sollbruchstellen des Gegners nutzen

Torhüter Andreas Wolff konnte trotz starker Paraden die EM-Auftaktniederlage gegen Spanien nicht verhindern. Für das DHB-Team ist aber noch alles drin und Wolff könnte eine entscheidende Rolle spielen

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.01.2017, 08:00

Nach der Auftaktniederlage gegen Spanien stehen die deutschen Handballer am zweiten Spieltag gegen Schweden (20.15 Uhr/live in der ARD) unter starkem Druck. Mut macht vor allem der junge Torwart Andreas Wolff (Wetzlar), der sofort Topleistung abrief.

Über die 90 Sekunden nach Wiederanpfiff brüteten sie noch lange. „Wir hatten ja das Momentum auf unserer Seite“, sagte Kreisläufer Erik Schmidt (Hannover). Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) hatte vor dem Pausenpfiff vier Tore in Folge erzielt und nun startete sie beim Stand von 15:18 mit einer 5:3-Überzahl, für einige Sekunden spielten sie sogar Sechs gegen Drei.

Gelassenheit fehlt noch

Doch dann regierte die Hektik, Tobias Reichmann scheiterte aus schlechtem Winkel mit einem Dreher am spanischen Keeper.  Als der erste Spanier wieder aufs Feld stürmte fingen sie sich sogar ein Gegentor. Das Momentum war hin. „Das war ein halber Beinbruch“, analysierte Schmidt. Danach verwalteten die Iberer den Vorsprung recht clever und fügten dem Team von Dagur Sigurdsson die erste EM-Niederlage zu. „Wir sind noch nicht die abgezockte Mannschaft wie Spanien“, lautete das Fazit von Schmidt.


Über diese  90 Sekunden im ersten Spiel sollten sie nicht lange nachdenken. Denn im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden (20.15 Uhr, live in der ARD) geht es schon fast um alles. Bei einer Niederlage droht das Vorrunden-Aus. Das Halbfinale, von dem Profis wie Kreisläufer Hendrik Pekeler träumten, wäre fast unerreichbar.

"Leistung hat gestimmt"

Sigurdsson indes glaubt weiter an seine Mannschaft. „Wir sind nicht gebrochen und haben  Charakter gezeigt, obwohl wir weit zurücklagen. Ich glaube, wir werden den Weg weiter gehen“, sagte der Isländer am Tag nach der Auftaktniederlage. „Die Leistung hat gestimmt, die Einstellung auch.“


Hoffnung macht den Spielern und Trainern, dass Schweden nicht ganz das große Kaliber der Spanier besitzt. „Schweden hat eine ganz starke Abwehr und überragende Torhüter“, sagt Sigurdsson, speziell Keeper Mattias Andersson zählt seit Jahren zu den besten. Und Abwehrchef Tobias Karlsson, der wie Andersson in Flensburg sein Geld verdient, ist vielleicht der beste Defensivspezialist der Welt.

Sollbruchstellen nutzen

Doch Schweden hat auch Sollbruchstellen, weiß Sigurdsson: „Die haben auch eine relativ junge Mannschaft im Rückraum.“ Will heißen: Das ist der Mannschaftssteil, der vielleicht anfällig für Fehler ist. Speziell der Halblinke Lukas Nilsson (Jahrgang 1996) und Regisseur Jesper Konradsson (Jg. 1994) sind ähnlich unerfahren wie die meisten der deutschen 16 Profis (14 haben am Samstag ihr EM-Debüt bestritten).


Einer der jungen deutschen Hoffnungsträger, der sofort Topleistung abrief, war Torwart Andreas Wolff. Es schien den Wetzlarer zu motivieren, dass auf der Gegenseite sein großes Idol Arpad Sterbik stand. Jedenfalls parierte er reihenweise Würfe aus der Nahdistanz. „Er ist gut drauf“, sagte Sigurdsson, Wolffs Paraden hätten das Team lange im Spiel gehalten.

Selbstkritischer Wolff

Wolff aber haderte mit sich. Speziell die Würfe des spanischen Rechtsaußen Victor Tomas, sagte er, habe er besser antizipieren müssen. Aber den Optimismus hat Wolff deswegen nicht verloren. „Jeder Gegner der Welt hat Respekt vor uns, wir haben gezeigt, dass wir Handball spielen können“, sagte der 24-Jährige nach seinem erst 18. Länderspiel. Ob Wolff gegen die Skandinavier von Anfang an im Tor steht, wollte Sigurdsson nicht preisgeben.

Wer auch immer im Tor steht: Wolff oder der erfahrene Carsten Lichtlein (205 Einsätze) wird gegen Schweden und auch im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien (Mittwoch, 17.15 Uhr, live im ZDF) wieder zu den Schlüsselfiguren zählen. Ein Thriller kündigt sich an, auch wenn Spaniens Regisseur Joan Canellas (Kiel) die Deutschen im Vorteil sieht: „Ich bin sicher, dass die Deutschen die nächsten zwei Spiele gewinnen.

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