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Eine Frage der Schonung

Kroatien gegen Spanien - Muster ohne Wert?

Schon vor dem finalen Hauptrundenduell sind Kroatien und Spanien (Mittwoch, 16 Uhr, Livestream auf zdf.de) für das EM-Halbfinale am Freitag in Stockholm qualifiziert. Das stellt die Trainer vor die Frage, ob sie ihre besten Handballer schonen sollen.

Spaniens Handball-Nationaltrainer Jordi Ribera.
Spaniens Handball-Nationaltrainer Jordi Ribera.
Quelle: reuters

Als der letzte Schritt ins Halbfinale gegangen war, konnte Jordi Ribera die Genugtuung nicht verbergen. Sein Team hatte zwar zunächst ein paar Probleme bekommen im dritten Hauptrundenspiel gegen Weißrussland, aber das wollte der Coach, da am Ende ein klarer 37:28-Sieg Spaniens auf der Anzeigetafel in der Stadthalle Wien prangte, nicht allzu hoch hängen. Ribera war vielmehr stolz, dass seine Mannschaft es zum fünften Mal in das Halbfinale einer EM geschafft hatte.

 "Spanien ist immer noch da"

"Für den Handball in unserem Land ist das sehr wichtig", betonte Ribera und verwies auf das frühe Scheitern von Konkurrenten wie Dänemark oder Frankreich, die vor der EM neben Norwegen als Topfavorit eingestuft worden waren. Spanien hingegen, den Titelverteidiger, hatten nicht viele Experten auf dem Zettel – zu viele Leistungsträger seien in die Jahre gekommen, hieß es.

Das hatte der Coach als respektlos empfunden. "Spanien ist immer noch da", sagte der 56-jährige Katalane mit Stolz in der Stimme.

Die letzte Hauptrundenpartie am Mittwoch gegen Kroatien (live auf zdf.de, 16 Uhr) ist für beide Mannschaften sportlich bedeutungslos, da auch die Kroaten mit dem knappen Sieg gegen Tschechien (22:21) die letzten Zweifel am Erreichen des Halbfinals ausgeräumt hatten. Spekulationen darüber, beide Teams könnten daher diese Partie als "Trainingsspiel" herabstufen, trat der spanische Coach aber vehement entgegen. "Wir wollen auch diese Partie gewinnen und Gruppensieger werden und sehen dann, wer uns im Halbfinale erwartet."

 Wie tickt Cervar?

Den Iberern genügt, da sie mit plus 26 Treffern gegenüber Kroatien (plus 14) die bessere Tordifferenz aufweisen, ein Remis in diesem Duell zweier Teams, die ihre sechs Partien sämtlich gewonnen haben.

Kroatiens Handball-Nationaltrainer Lino Cervar.
Kroatiens Handball-Nationaltrainer Lino Cervar.
Quelle: reuters

Und natürlich ist der Gruppensieg auch mit der Aussicht verbunden, dann im Halbfinale von Stockholm dem mutmaßlich stärksten Team aus der anderen Hauptrundengruppe, Norwegen mit seinem Superstar Sander Sagosen, aus dem Weg zu gehen.

Unklar ist, ob auch Riberas Kontrahent an der Seitenlinie, Lino Cervar, ähnlich denkt. Denn der "Magier von Umag", der Kroatien schon 2003 zum WM-Titel und 2004 zum Olympiasieg führte und nun mit der EM das Triple ins Visier genommen hat, gilt als unberechenbarer Trainer. Ihm wäre zuzutrauen, dieses Spiel abzuschenken und alles auf die verbleibenden zwei Partien in Stockholm zu konzentrieren, auch wenn er sagte: "Wir warten auf Spanien, wir werden komplett sein, wir werden versuchen, die Serie fortzusetzen."

 Kritik am Reiseplan

Schon beim Sieg gegen Tschechien, den Luka Stepancic erst drei Sekunden vor Schluss sicherstellte, ließ Cervar seine Stammkräfte vornehmlich auf der Bank Platz nehmen. Der Sieg, meinte er danach dennoch, sei wichtig für das Selbstvertrauen. "Heute haben wir sogar die 6:0-Abwehr ausprobiert. Ich freue mich, dass meine Stammspieler sich ausruhen konnten." Er hatte also genau das gemacht, was der spanische Kollege kategorisch ablehnt: Ein EM-Hauptrundenspiel zu einer Trainingseinheit umfunktioniert.

Cervar freilich hätte gute Gründe, seine vier wichtigsten Rückraumspieler Domagoj Duvnjak, Luka Cindric, Igor Karacic und Luka Stepancic auch in der Neuauflage des WM-Finals von 2005 zu schonen. Denn der Leistungsabfall hin zur zweiten Garde im Rückraum ist viel krasser als bei den Spaniern. Cervar dürfte jedenfalls länger darüber nachdenken, ob er den Siegeslauf opfert, um dann in Stockholm mit einem ausgeruhten Spitzenquartett aufzulaufen.

Ribera kritisierte derweil, dass der Reiseweg für die Halbfinalisten aus Wien deutlich beschwerlicher sei als der aus Malmö. "So wird aus einem Vorbereitungstag ein Reisetag", so Ribera. "Das stellt für uns ein Problem dar."

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