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Veränderte Vorzeichen

Handball-Supercup | SG Flensburg - THW Kiel

Der Handball-Supercup in Düsseldorf bietet das 100. Nordderby. Alle Augen sind dabei auf Filip Jicha gerichtet, den neuen Trainer des Pokalsiegers THW Kiel. Der Flensburger Meistercoach Maik Machulla muss ebenfalls eine Zäsur verkraften.

Filip Jicha und Maik Machulla
Filip Jicha (li.) und Maik Machulla
Quelle: imago

Als Profis waren Filip Jicha, 37, und Maik Machulla, 42, in unterschiedlichen Sphären unterwegs. Der Tscheche Jicha war einer der besten Handballer auf diesem Planeten und zählte bei den sieben Meistertiteln und zwei Champions League-Siegen mit dem THW Kiel zu den Hauptfiguren, 2010 wurde er Welthandballer. Auch Machulla kam auf zwölf Länderspiele und einen Meistertitel (2001 mit Magdeburg), aber der gebürtige Greifswalder stand dabei nicht, wie Jicha, im grellen Rampenlicht.

Besondere Note

Inzwischen aber haben sich Vorzeichen massiv verändert. Machulla hat, seit er im Sommer 2017 die SG Flensburg-Handewitt als Chefcoach übernahm, zwei Deutsche Meisterschaften gewonnen und ist als Persönlichkeit erkennbar gereift. Jicha hingegen feiert als neuer Trainer des THW Kiel nun sein Debüt beim diesjährigen Supercup, der am Mittwochabend im Düsseldorfer ISS Dome die 54. Bundesliga-Saison eröffnet. Das verleiht dem 100. Derby zwischen den beiden Traditionsklubs eine besondere Note.

Ich fange wieder bei null an.
Filip Jicha, Trainer THW Kiel

Auch Machulla wurde vor zwei Jahren als Trainernovize argwöhnisch beäugt; nur wenige Wochen vor seinem ersten Titel stand er noch zur Debatte. Nun schaut ganz Europa auf den Nachfolger des großen Alfred Gislason und die neue Konstellation beim THW Kiel, das ist einstigen Rückraumstar wohl bewusst. Er gebe "allen Leuten recht, die sagen, dass ein Welthandballer nicht automatisch ein guter Trainer ist", sagte Jicha den "Kieler Nachrichten". "Ich fange wieder bei null an."

Demut bei Jicha

Deutschlands Torwart Andreas Wolff ballt die faust zum Jubel
Hat den THW verlassen: Andreas Wolff
Quelle: dpa

Der Tscheche sagt, er gehe seine Aufgabe mit Demut an. Zwar hat er öffentlich erklärt, mit dem THW Kiel in allen Wettbewerben "um das Maximale" zu spielen. Und doch schob er die Bürde des Meisterschaftsfavoriten beiseite, die der SG-Coach Machulla wie viele anderen Kollegen bei den "Zebras" sehen. Es sei unpassend, sich selbst zum Favoriten auszurufen, wenn man diesen Titel vier Jahre lang nicht gewonnen habe, so Jicha. Er sieht seine vorrangige Aufgabe darin, dem Rekordmeister wieder jene Aura des Siegers zu verleihen, mit der dieser Klub über Jahre hinweg schon viele Spiele vor Anpfiff gewonnen hatte. Ein Vorteil liegt beim THW Kiel freilich darin, dass das Personal sich kaum verändert hat. Mit Torwart Andreas Wolff (nach Kielce) hat nur ein Leistungsträger den Verein verlassen, ihn ersetzt Dario Quenstedt (aus Magdeburg).

SG-Trainer Machulla hingegen hat den Verlust zweier großer Persönlichkeiten zu beklagen. So muss er den großen Schweden Tobias Karlsson (Karriereende) ersetzen, der als bester Abwehrspieler der Welt eingestuft wurde. Auch wechselte mit Rasmus Lauge Schmidt der Schlüsselspieler im Angriff gen Veszprém, wo der dänische Weltmeister laut Insidern mehr als das Dreifache als in Flensburg verdienen soll (rund 30.000 Euro netto monatlich). Für den Angriff mache er sich weniger Sorgen, sagte Machulla zwar, er lege den Fokus mehr auf die Defensive. Aber es war in den besten letzten Spielzeiten meistens Lauge, der in den kritischen Situationen die größte Verantwortung übernommen hatte.

Neue Situation bei beiden Vereinen

Beide Supercup-Teilnehmer haben jedenfalls eine Zäsur zu verarbeiten, der THW aufgrund des Trainerwechsels und die SG wegen des Verlustes zweier Stars. Und so gilt für beide Spitzenvereine das, was der THW-Sportgeschäftsführer Viktor Szilágyi zur neuen Situation bei den "Zebras" gesagt hat: "Ich weiß, dass es im Leistungssport keine Garantie für den Erfolg gibt." Als Trainer kann Machulla freilich dem Druck in Düsseldorf etwas lässiger begegnen als sein Kontrahent. Mit zwei Meistertiteln im Kreuz lebt es sich deutlich leichter.

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