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Bronze verloren, Zuversicht gewonnen

Handball-WM - Bilanz aus deutscher Sicht

Nach dem unglücklichen 25:26 gegen Frankreich verpassen die deutschen Handballer bei der Heim-Weltmeisterschaft Edelmetall. Die beiden abschließenden Niederlagen trüben die Bilanz. Und doch schöpfen Patrick Wiencek & Co. Hoffnung für die Zukunft.

Kai Haefner (r) und Hendrik Pekeler enttäuscht
Kai Haefner (r) und Hendrik Pekeler
Quelle: dpa

Der falsche Ort war es. Auch der falsche Zeitpunkt. Als die tiefen Bässe in der Jyske Bank Boxen die über 14.100 Fans auf das Finale der 26. Handball-Weltmeisterschaft einstimmten, standen die deutschen Handballer nicht, wie sie es gewollt hatten, auf dem Spielfeld in der Messehalle von Herning. Sondern sie hatten ihre WM-Mission schon beendet. Und die Mienen von Andreas Wolff & Co. waren düster, hatten sie nach dem klaren Halbfinal-Aus gegen Norwegen doch auch das Spiel um Bronze mit 25:26 (13:9)-Toren gegen Frankreich verloren. „Schwer, jetzt was zu sagen, die Enttäuschung sitzt tief“, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek (THW Kiel) mit leerem Blick.

Eiskalt vollendeter Konter

Die letzten bizarren Sekunden werden lange in Erinnerung bleiben. Nach einer starken Parade von Silvio Heinevetter (Berlin) war Mathias Musche (SC Magdeburg) 15 Sekunden vor Schluss mit dem Ball auf das französische Tor zugerannt, doch Hendrik Pekeler (Kiel) brachte den riskanten Pass nicht unter Kontrolle – und so konterten die Franzosen eiskalt und warfen mit der Schlusssirene durch Nikola Karabatic das Siegtor.

Man kann das fehlende Fortune nennen, Naivität oder mangelnde Cleverness, Bundestrainer Christian Prokop jedoch wollte über andere Szenarien nicht nachdenken. „Das sind alles Wenns, die uninteressant sind“, sagte er. „Natürlich hätten wir, finde ich, einen lucky Punch verdient gehabt, aber wir haben verloren.“

Prokop trotz allem zufrieden

Es gab kein Team, das wir nicht hätten schlagen können.
Axel Kromer

Der Trainer der DHB-Auswahl zog es stattdessen vor, in seiner Bilanz die positiven Aspekte der zurückliegenden WM herauszukehren. „Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft“, sagte der 40-Jährige. Man habe dem deutschen Handball viele neue Fans erschließen können, die Stimmung in den Arenen sei großartig gewesen, und mit dem Einzug in das Halbfinale habe man auch das sportliche Ziel erreicht. Kurzum, es habe „alles gestimmt, bis auf das Endergebnis“.

Auch Axel Kromer zog ein positives Fazit. „Wir sind zurück in der Weltspitze“, sagte der DHB-Vorstand Sport. „Es gab kein Team, das wir nicht hätten schlagen können. Die Mannschaft hat einen tollen Schritt nach vorn gemacht.“ Auch die Profis sehen das so. „Wir sind in den letzten zweieinhalb Wochen als Mannschaft zusammengewachsen und sind auf einem guten Weg“, meinte Wiencek.

Hart erarbeitete Tore

Auf diesem Fundament könne man aufbauen, meinte der Kreisläufer, der es mit seinen spektakulären Abwehrleistungen auf die Titelseiten der Zeitungen gebracht hatte. Sportvorstand Kromer wies daraufhin, dass mit Julius Kühn (Melsungen) der einzige hochkarätige Shooter wegen Verletzung gefehlt habe. „Uns fehlten deshalb die sogenannten leichten Tore, wir mussten für unsere Tore hart arbeiten.“ Und auch Regisseur Martin Strobel, der sich im zweiten Hauptrundenspiel gegen Kroatien verletzt hatte, habe in der Spielsteuerung am Ende gefehlt.

Da mit diesem gelungenen Auftritt die desaströse EM 2018 in Kroatien repariert wurde, ist den DHB-Verantwortlichen für die Zukunft nicht bange. „Es kommen viele junge Spieler nach, wir haben ein gutes Ausbildungssystem in Deutschland“, sagte Prokop. Aber er lehnt es ab, auf einen Spieler zu hoffen, der wie Nikola Karabatic (Frankreich) oder Mikkel Hansen (Dänemark) eine Ära für Deutschland prägen könnte. „Wir werden immer über die Mannschaft kommen“, sagte er.

Fernziel: Olympia 2020

Es gehe nun darum, das lange angepeilte Ziel des Olympiasieges anzugehen, so Kromer. Die Basis für die Qualifikation für Tokio 2020 hat das deutsche Team gelegt, denn es darf als WM-Vierter vermutlich im Frühjahr 2020 ein Olympiaqualifikationsturnier ausrichten. Doch vorher steht noch die Europameisterschaft 2020 in Österreich, Norwegen und Schweden an. „Dann wollen wir wieder ins Halbfinale“, kündigte Wiencek an. Und dann will er, sagte sein Blick, im letzten Spiel am richtigen Ort stehen.

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