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Serben hoffen auf Sensation

Handball-WM | Gegner der DHB-Auswahl im letzten Vorrundenspiel

Die einst große Handballnation Serbien, am Donnerstag letzter deutscher Vorrundengegner, wagt den Neuaufbau. Dem Team von Nenad Perunicic fehlt Substanz im Rückraum. Und doch bleibt noch eine theoretische Chance auf die WM-Hauptrunde.

Nenad Perunicic
Serbiens Trainer Nenad Perunicic
Quelle: dpa

Das nächste Debakel drohte. Nenad Perunicic, der Trainer die serbischen Handballer, schrie an der Bank seine Wut heraus, als die Verteidigung auch in der zweiten Halbzeit die wuseligen Koreaner einfach nicht in den Griff bekam. Zehn Minuten vor Schluss stand es 24:25 gegen den krassen Außenseiter aus Fernost. Die stolze Handballnation Serbien, die nach zwei desaströsen Auftritten in der EM-Qualifikation gegen Belgien (27:27) und in der Schweiz (24:29) ohnehin schwer angeknockt war, stand vor dem nächsten Tiefschlag.

Theoretische Chance auf Hauptrunde

Bogdan Radivojevic in Aktion
Serbien gegen Brasilien: Bogdan Radivojevic in Aktion
Quelle: imago

Doch dann löste sich der Knoten endlich. Insbesondere die Flügelspieler Nemanja Ilic und Vukasin Vorkapic trafen in Serie, so dass am Ende noch ein 31:29-Sieg heraussprang. „Ich freue mich so für die Jungs“, sagte Perunicic danach. Und so haben die Serben vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Gastgeber Deutschland am Donnerstag (18 Uhr/ARD), mit 3:5-Punkten immerhin  noch eine kleine Chance auf den Einzug in die Hauptrunde: Dafür wären neben einem serbischen Sieg allerdings auch Niederlagen von Brasilien (gegen Korea) und Russland (gegen Frankreich) nötig. 

Gegen starke Gegner bringen wir auch starke Leistungen.
Nenad Perunicic

Ein Weiterkommen wäre angesichts des schleichenden Niedergangs des serbischen Handballs eine veritable Sensation. In den 1980er Jahren galten die Profis von Metaloplastica Sabac noch als Avantgarde des Handballs, 1986 feierte Jugoslawien mit Stars wie Mirko Basic, Veselin Vukovic und Mile Isakovic in der Schweiz den WM-Titel. Aber die Zeiten, in denen serbische Stars wie Perunicic (früher u.a. THW Kiel und SC Magdeburg) oder sein Co-Trainer Nedeljko Jovanovic (u.a. Essen, Hameln) bei großen Clubs unter Vertrag standen, sind lange her. Die einzigen beiden Rückraum-Asse, die Serbien mit Momir Ilic (Telekom Veszprem) und Marko Vujin (THW Kiel) noch hat, wollen nach vielen internen Querelen nicht mehr für ihr Land spielen.

 Probleme im Rückraum

Vor allem im Rückraum als zentralen Mannschaftsteil fehlte es bei dem überraschenden Remis gegen Russland (30:30) und der Niederlage gegen Brasilien (22:24) daher an Substanz. Hier hat das Team enorme taktische Probleme, weil mit Nemanja Zelenovic (FA Göppingen) der einzige Linkshänder von Format verletzt ausgefallen ist. Milan Milic und Milos Orbovic genügen nicht den Ansprüchen des Trainers, weshalb im halbrechten Rückraum oft ein Rechtshänder agieren muss. 

Meine Spieler sollen diese Arena mit 15.000 Zuschauern noch einmal genießen. Sie sollen noch einmal Spaß haben.
Nenad Perunicic

Perunicic freute sich nach dem Sieg über Korea sichtlich darüber, dass bei dem Spielmacher Lazar Kukic (Logrones) der Knoten geplatzt war. „Ich habe schon immer gesagt, dass er ein großartiger Spieler sein wird“, sagte der Coach. Ein weiterer Hoffnungsträger für das letzte Vorrundenspiel ist Kreisläufer Mijailo Marsenic, der als Profi der Füchse Berlin ein Heimspiel genießt. Mit seinen 2,03 Metern Körpergröße und 110 Kilogramm kann er als „serbischer Turm in der Schlacht“ auch physisch mit den deutschen Abwehrriesen Pekeler, Wiencek und Lemke mithalten. Bester Torschütze ist bisher Rechtsaußen Bogdan Radivojevic (Rhein Neckar-Löwen) mit 18 Treffern.

Neuanfang mit jungen Team

Der Trainer trauert immer noch dem Punktverlust gegen Russland hinterher, als die Serben in den Schlusssekunden eine Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand gaben. Die Idee, ein stark verjüngtes Team aufzubauen und damit einen Neuanfang zu starten, verteidigt Perunicic aber weiterhin. „Ich stehe zu dieser Mannschaft“, sagt der 47-Jährige. „Ich genieße, dass wir hier sind, und auch meine Spieler sollen diese Arena mit 15.000 Zuschauern noch einmal genießen. Sie sollen noch einmal Spaß haben.“ Bundesligaprofi Radivojevic ist jedenfalls optimistisch: „Gegen starke Gegner bringen wir auch starke Leistungen.”

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