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Diskussion um die Führungsfigur

Handball-EM 2020 | DHB-Team vor Lettland-Spiel

Das Debakel der DHB-Sieben bei der EM gegen Spanien hat eine Debatte um die Führungsrolle des Kapitäns entzündet. Erneut nämlich blieb Uwe Gensheimer den Beweis seiner Weltklasse schuldig. Gegen Lettland (18.15 Uhr/live im ZDF) soll das besser werden.

Uwe Gensehimer bei einem Sprungwurf
Uwe Gensehimer im Spiel gegen Spanien in Trondheim.
Quelle: DPA

Dem Bundestrainer schwante, dass die Angelegenheit heikel geraten könnte. Deshalb zögerte Christian Prokop etwas, bevor er nach der bösen 26:33-Niederlage gegen Spanien über seinen Linksaußen Uwe Gensheimer sprach. Und meinte vorweg, er werde nun auf die Formulierung seiner Antwort besonders gut aufpassen müssen. Er war sich also der Gefahr bewusst, dass er mit einem einzigen Satz seinen Kapitän beschädigen könnte.

Fragen nach der Führungsfigur

Es ging um Fragen, die sich nach den ersten beiden deutschen Partien bei der 14. Europameisterschaft geradezu aufdrängten: Ob Gensheimer womöglich mit seiner Rolle als Anführer dieses Teams überfordert sein könnte. Ob er dem Druck, der damit verbunden ist, nicht gewachsen sei.

Auf den ersten Blick sind dies absurde Fragen. Gensheimer, 176 Länderspiele, mehr als 800 Tore, spielt schließlich seine vierte EM, der 33-Jährige zählt ohne jeden Zweifel zu den technisch versiertesten Linksaußen der Handballgeschichte. Ex-Profis wie Stefan Kretzschmar adelten ihn wegen seines gummihaften Handgelenks, mit dem er dem Ball irrwitzige Effets mitzugeben vermag.

Gensheimer überzeugt noch nicht

Aber dann gibt es jene rätselhafte Nervosität, mit der Gensheimer in wichtigen Spielen zu kämpfen hat. So verlor er seine Souveränität, als es im entscheidenden Spiel um die Deutsche Meisterschaft 2015 in Gummersbach um jedes Tor ging; auch im Champions League-Finale 2017 mit Paris St. Germain war seine Leistung mäßig. Und dann gibt es noch jene provokante These, die nicht zu überprüfen ist: Dass die DHB-Auswahl den EM-Titel 2016 mit Gensheimer nicht gewonnen hätte, weil er womöglich den entscheidenden Ball, den sein Stellvertreter Rune Dahmke (Kiel) im Halbfinale gegen Norwegen traf, nicht verwertet hätte.

Bei dieser EM ist Gensheimer bislang ein Schatten seiner selbst. Gegen die Niederlande verwarf er früh einen Siebenmeter und flog, als er vom Siebenmeterstrich den holländischen Keeper mit voller Wucht am Kopf traf, schon nach 16:55 Minuten mit einer berechtigten Roten Karte vom Platz. Gegen Spanien scheiterte er nach wenigen Sekunden aus freier Position am spanischen Keeper und leitete damit eine ganze Serie deutscher Fehlwürfe ein. Erneut verwertete er zwei Strafwürfe nicht, weshalb ihn Prokop nach der Pause auf die Bank setzte.

Prokop reagiert verhalten

Ich glaube nicht, dass er überfordert ist mit seiner Rolle.
Bundestrainer Christian Prokop über Kapitän Gensheimer

Aber selbstverständlich äußerte sich der Bundestrainer direkt im Anschluss an das Spanien-Debakel vorsichtig und betonte den Status seines Schützlings als Weltklasse-Spieler. „Ich glaube nicht, dass er überfordert ist mit seiner Rolle“, sagte Prokop. „Aber: Er spielt im Moment von der Chancenverwertung her nicht optimal.“ Sicher mache sich Gensheimer „persönlich viel Druck, weil er natürlich erfolgreich für die Mannschaft vorneweg gehen möchte.“

Gefragt, ob er seine Auswechslung nachvollziehen könne, sagte Gensheimer, dass er sie als „legitim“ betrachte: „Es lief leider nicht optimal in der ersten Halbzeit.“ Die Niederlage gegen Spanien sei „kein Beinbruch“, man dürfe sich nicht unterkriegen lassen und müsse nun den Fokus auf die kommenden Aufgaben richten. Auf die Frage, ob ihn derzeit irgendetwas blockiere oder behindere, sagte er: „Nee.“

Andere müssen in die Bresche springen

Prokop forderte seinen Linksaußen mit drastischer Wortwahl dazu auf, nicht allzuviel über die ersten beiden EM-Partien nachzudenken: „Scheißdrauf, neues Spiel.“ Und doch ließ die Antwort des Bundestrainers nach den Führungsfiguren, die nun nötig seien, tief blicken. Prokop zählte zunächst die beiden Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter auf, dann die Rückraumspieler Paul Drux, Fabian Böhm und Philipp Weber. Das seien die zentralen Leute. Und erst dann bezeichnete er Uwe Gensheimer, der neben ihm saß, als „periphere Führungsfigur“. Eine Charakterisierung, die ein Kapitän vermutlich nicht gern über sich hören möchte.

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