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Experiment in drei Ländern

Handball-EM 2020 erstmals als Drei-Länder-Turnier

Erstmals findet eine Handball-Europameisterschaft in drei Ländern und mit 24 Teilnehmern statt. Während Traditionalisten die Gefahr einer sportlichen Verwässerung wittern, betrachten die Funktionäre diese Entwicklung als logisch und sinnvoll.

Maskottchen der Handball-EM der Männer 2020
Das Drei-Länder-Turnier hat ein gemeinsames Maskottchen: Luchs "Winnie"
Quelle: imago images / Bildbyran

Puristen des Spiels tun sich schwer, sich mit dem bevorstehenden Turnier anzufreunden. "Unnötig aufgebläht" sei die 14. Handball-Europameisterschaft, kritisiert mancher Fan in Handball-Foren.

Es könne nicht angehen, dass 24 Mannschaften dabei seien, wo doch die Europäische Handball Föderation (EHF) nur 52 Mitgliedsverbände aufweise. Der Status der EM als sportlich härtestes Turnier der Welt sei gefährdet.

Das ist freilich nur eine Perspektive. Auf der anderen Seite lagen dem nahezu einmütigen Beschluss des EHF-Kongresses, das Teilnehmerfeld ab dieser EM von 16 auf 24 aufzustocken und erstmals in drei Ländern auszutragen, gute sportliche und auch ökonomische Argumente zugrunde.

Nicht nur EHF-Präsident Michael Wiederer sah nach der EM 2018 in Kroatien die Zeit gekommen für eine Ausweitung des Teilnehmerfeldes: Das Turnier habe bewiesen, dass die Qualität der Teams groß genug sei, so Wiederer damals.

Geringe Leistungsunterschiede

Tatsächlich weisen einige Indizien der Qualifikation für die EM 2020 und der Vorjahre darauf hin, dass die Abstände zwischen den zuvor zweitklassigen Teams und den traditionell starken Mannschaften nicht mehr so eklatant sind wie früher.

So musste nicht nur Rekord-Weltmeister Frankreich im April 2019 eine herbe 27:33-Niederlage in Portugal hinnehmen. Auch der Zwergstaat Montenegro (650.000 Einwohner) gewann sensationell gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark (32:31). Die traditionell starken Slowenen verloren in Lettland (24:25). Die Schweiz, zuletzt 2006 bei einer EM-Endrunde dabei, siegte im Playoff-Rückspiel für die WM 2019 gegen den späteren Vize-Weltmeister Norwegen (33:30).

Verschärfter Vorrundenmodus

Die Niederlande - am Donnerstag, 18.15 Uhr, Auftaktgegner der deutschen Mannschaft (ab 17.45 Uhr live im ZDF) - düpierten in den WM-Playoffs Rekord-Europameister Schweden (25:24). Und das sind nur die eindrucksvollsten Beispiele.

Hinzu kommt, dass der Vorrunden-Modus sich verschärft: Nur noch die besten zwei Teams der Vorrundengruppen ziehen in die Hauptrunde ein. Das macht jedes Vorrundenspiel noch wichtiger.

Spielorte melden hohe Ticket-Auslastung

Für den Ticketverkauf sieht sich die EHF als Veranstalter ebenfalls bestätigt. Nicht nur in Trondheim, wo die Norweger in einer neuen Halle auftreten, sondern auch die Vorrundenorte Göteborg (Gruppenkopf Schweden), Malmö (Dänemark), Wien (Österreich) und Graz (Kroatien) melden hohe Auslastungen - die Nähe der kroatischen Fans zu Graz oder der dänischen Fans zu Malmö sorgte für hohe Nachfrage.

"Es zeigt sich, dass unsere Idee, auf diese Weise den Zugang zu den Spielen attraktiv zu machen, offenbar aufgeht", freut sich EHF-Wettbewerbschef Markus Glaser.

Gemäß dem allgemeinen Trend

Und selbstverständlich dürfte sich die Ausweitung des Teilnehmerfeldes auch positiv auf die TV-Reichweiten auswirken, wenn nun Debütanten wie Bosnien, Lettland oder die Niederlande erstmals auf großem Parkett vorspielen. Speziell der holländische Markt sei interessant, sagt EHF-Generalsekretär Markus Hausleitner, zumal dort die Handballerinnen seit einigen Jahren hohe Quoten erzielten.

Am Ende fügt sich die Politik der Handballfunktionäre auch in den allgemeinen Trend. So wurde die Basketball-EM 2017 bekanntlich in vier Ländern (Finnland, Rumänien, Israel, Türkei) ausgetragen. Und die Fußball-EM 2020 wird im Sommer gar in zwölf Ländern stattfinden.

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