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Geschlauchte Abwehr

Handball-EM | Weißrussland - Deutschland, Hauptrunde

Zu Beginn der EM-Hauptrunde treffen die deutschen Handballer auf Weißrussland. Auf dem Papier eine zu lösende Aufgabe. Aber der Kieler Mittelblock Pekeler/Wiencek, von dem viel abhängt, wirkt müde.

Deutsche Handball-Nationalmannschaft
Wie weit geht die EM-Reise für das DHB-Team?
Quelle: dpa

Weißrussland. Das klingt machbar als Gegner. Nur einmal in 15 Spielen verlor die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen die Osteuropäer, 26 Jahre ist das her, bei der EM 1994 (23:24). In der letzten Partie bei der WM 2017 fuhr die DHB-Auswahl einen 31:25-Arbeitssieg ein. Aber klang nicht auch Lettland nach einer lästigen Pflichtaufgabe? Und dann stolperte das Team um Kapitän Uwe Gensheimer im letzten EM-Vorrundenspiel in Trondheim zu einem peinlichen 28:27-Zittersieg gegen die Balten.

Die Abwehr muss wieder ihr WM-Niveau erreichen und die Torhüter müssen stabiler werden.
Bundestrainer Christian Prokop

Mit dem Umzug in die österreichische Hauptstadt soll alles besser werden. "Jetzt geht es darum, perfekt in die richtige Richtung zu gehen, jeder muss eine Schippe drauflegen", sagte Bundestrainer Christian Prokop vor dem Auftakt in die Hauptrunde, wenn am Donnerstagabend (20.30 Uhr/ARD) nur ein Sieg zählt. "Wir sind eine große Handball-Nation, das wollen wir auch zeigen", versicherte Prokop.

Aggressiver Gegner

Wenn es nur so einfach wäre. Zumal der deutsche Positionsangriff gegen Weißrussland vor größere Aufgaben gestellt werden dürfte. Anders als die Letten, die durchgängig im defensiven 6:0-Verband standen, dürfte Weißrussland aggressiver agieren. Denn dem erfahrenen gegnerischen Coach Juri Schewzow werden die enormen Probleme des deutschen Angriffs gegen solche Abwehrreihen nicht entgangen sein.

Schewzow kennt als ehemaliger Bundesliga-Coach (Essen, Lemgo, Löwen) seinen Gegner aus dem Effeff. Zu rechnen ist damit, dass der Olympiasieger von 1988 seine Lieblingsoption ausspielt und einen vorgezogenen "Indianer" in den deutschen Rückraum stellt – womögilch gegen den Melsunger Julius Kühn, der als einziger Shooter gegen Lettland Normalform zeigte.

"Leichte Tore" erzwingen

Sollte der deutsche Positionsangriff wieder schwächeln, kommt es noch mehr auf eine starke Deckung an.

Angesichts der vielen Verletzten im deutschen Rückraum hatte Prokop ohnehin den Fokus auf die Defensive gelegt. Die nachvollziehbare Idee: Nach Steals der Verteidiger oder Paraden der Torleute blitzschnell umschalten und über Tempogegenstöße die sogenannten "leichte Tore" erzwingen.

Torhüter-Debakel

Diese Idee aber hatte sich gegen Lettland in Luft aufgelöst. Jämmerliche fünf Paraden standen am Ende in der Statistik, Keeper Andreas Wolff hatte in knapp 13 Minuten Einsatzzeit keinen Ball gehalten. Dabei hatte der Bundestrainer nach dem 26:33-Debakel gegen Spanien eine Leistungssteigerung seiner Torleute versprochen.

"Die Abwehr muss wieder ihr WM-Niveau erreichen und die Torhüter müssen stabiler werden", forderte Prokop in diesem Mannschaftsteil eine klare Steigerung.

Kopfschütteln über ein Bauchgefühl

Warum Prokop gegen Lettland Johannes Bitter zu Beginn ins Tor stellte und nicht Andreas Wolff ("das war ein Bauchgefühl"), verursachte bei Experten freilich Kopfschütteln. Schließlich glänzte Wolff nur selten als Bankspieler. Die ansteigende Form Wolffs im Spätherbst jedenfalls ist jäh beendet, was auch für die kommenden Partien gegen Kroatien (ZDF), Österreich (ARD) und Tschechien (ZDF) wenig Gutes verheißt.

Auch die Abwehr präsentierte sich bisher nicht turnierreif. Jannik Kohlbacher war auf der Halbposition in der Deckung schlichtweg überfordert. Und selbst um den eingespielten Mittelblock aus Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler muss man sich große Sorgen machen.

Duo Wiencek/Pekeler gefordert

DHB-Spieler Patrick Wiencek (l.) und Hendrik Pekeler
Eingespieltes Duo: Patrick Wiencek (l.) und Hendrik Pekeler
Quelle: imago images / Revierfoto

Das Duo vom THW Kiel, das im Welthandball zum Besten zählt, wirkt nach rund 40 Pflichtspielen in Bundesliga und Champions League müde, fast ein wenig ausgebrannt.

Ob sich beide Schlüsselspieler in der Hauptrunde noch einmal zu einer Energieleistung aufraffen können? Davon wird das Schicksal der deutschen Handballer in Wien entscheidend abhängen. Und auch das von Bundestrainer Christian Prokop.

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