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Dauerdebatte Überlastung

Handball - EM-Qualifikation gegen Polen

Vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Polen (Mi., 18 Uhr/ARD und Sa., 14 Uhr/ZDF) diskutiert die Handballwelt wieder einmal über die zu hohe Belastung der Profis. Auslöser ist ein Video, in dem sich die Stars über die Hatz beklagen. So berechtigt die Kritik ist, so vielschichtig ist das Problem.

Uwe Gensheimer beim Training
Uwe Gensheimer
Quelle: dpa

Die Überbelastung der Profis: Während der WM im eigenen Land versuchte Christian Prokop diesen Komplex zu ignorieren. „Das ist für uns kein Thema“, antwortete der Trainer der deutschen Handballer im Januar, als das Event viele Millionen deutsche Fans in den Bann zog, auf entsprechende Fragen. Doch bevor Prokop den Kader für die wichtigen EM-Qualifikationsspiele nun gegen Polen zusammenzog – das ZDF überträgt das Rückspiel am Samstag (14 Uhr) in Halle/Westfalen live –, ist dieses Thema wieder auf der Agenda.

Spieler begehren auf

In einem Video unter dem Hashtag „Don’t play the players“ beklagten sich Stars wie Welthandballer Mikkel Hansen, Nikola Karabatić und der deutsche Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer über den Stress. „Die gesamten Konsequenzen für die Spieler sind, immer mehr zu spielen, ohne dass die Anzahl der Spiele in der gesamten Saison und der Druck auf die Spieler berücksichtigt wird“, sagte Gensheimer. Die französische Sportzeitung L’Equipe nennt das Video eine „Revolte“ der Profis.

Organisiert hatte das Video die europäische Spielergewerkschaft EHPU während der WM, die zahlreiche prominente Ausfälle zu verzeichnen hatte. So mussten der kroatische Spielmacher Luka Cindrić oder Islands Star Aron Pálmarsson in der entscheidenden Phase zuschauen. Islands Coach Gudmundur Gudmundsson prangerte an, dass sein Team drei Spiele an vier Tagen absolvieren musste (zumal der Ruhetag noch ein Reisetag war). „Eigentlich schon fast krank“ sei der Rhythmus von zehn WM-Spielen in 18 Tagen, kritisierte Nationalrechtsaußen Patrick Groetzki nach der WM.

Problem betrifft nur Wenige

So nachvollziehbar diese Kritik, so kompliziert und vielschichtig ist dieser Komplex. Denn die Belastungsdebatte betrifft lediglich rund 50 Topprofis – nämlich diejenigen, die neben Welt- und Europameisterschaften auch in der Champions League und in der deutschen oder französischen Liga spielen, die als besonders ausgeglichen gelten. Und auch dieser Elite ist wohl bewusst, dass sie ihren hohen Marktwert vor allem bei den großen Turnieren schafft, die jedes Jahr im Januar ausgetragen werden.

Die beiden einzigen deutschen Profis, die diese Maximalbelastung in dieser Saison durchstehen müssen, sind Groetzki (Löwen) und Gensheimer (Paris St. Germain) – sie kommen auf rund 70 Pflichtspiele. Die Belastung etwa bei Nationalspielern des THW Kiel (Andreas Wolff, Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek) oder den Füchsen Berlin (Silvio Heinevetter, Paul Drux, Fabian Wiede) fällt deutlich geringer aus, weil sie nur im EHF-Cup antreten. Daher sind die beiden aktuellen Kreuzbandverletzungen von Shooter Julius Kühn (Melsungen) und Martin Strobel (Balingen, 2. Liga) nicht als Folge der Überbelastung zu werten. Die Verletzung Strobels während der WM sei „einfach nur Pech“, konstatierte der Kniespezialist Jörg Richter, der Strobel operierte.

Weniger Spiele, weniger Geld

Der Weltverband IHF hat auf die Spielerkritik reagiert. Schon die nächste WM 2021 in Ägypten wird auf maximal neun Partien pro Team begrenzt. Auch wird ein Ruhetag zwischen den Spielen obligatorisch sein. Auch die Handball-Bundesliga reagierte bereits, indem sie ab 2019/20 den in Deutschland tätigen Profis einen längeren Sommerurlaub zugesteht.

Dennoch wird die Debatte um den internationalen Kalender weiterschwelen, da weder die nationalen Ligen noch die Dachverbände bereit sind, die Spieltage weiter zu reduzieren. Und auch von den Topstars war noch nicht zu hören, dass sie bereit wären, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten. Aber das wäre nötig, weil weniger Spiele schlicht geringere Erlöse bedeuten würden.

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