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Dietmar Hopp - Zielscheibe für radikale Fans

Seit 2008 immer wieder Hass-Plakate

Unglaubwürdige Reaktionen, wie Fangruppen behaupten - oder Fußball am Tiefpunkt angekommen, wie DFB-Präsident Fritz Keller meint? Teile der Ultraszene machen Aufstand - ihre Zielscheiben sind der DFB und auch Dietmar Hopp.

Spiel Bayern gegen Hoffenheim: Dietmar Hopp und Karl-Heinz Rummenigge
Dietmar Hopp (links) wurde im Bundesliga-Auswärtsspiel bei Bayern München von Fans beleidigt. Hier im Bild mit Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.
Quelle: DPA

Mitunter verschwimmen Grenzen des "Wer gegen Wen?" samt den Hintergründen, nachdem am vergangenen Wochenende Bundesligaspiele unterbrochen wurden, weil Dietmar Hopp mit Gesängen und Bannern beleidigt wurde.

BVB-Fans verwirken Bewährung

Der Milliardär und Hauptanteilseigner der TSG Hoffenheim sei nicht das hauptsächliche Ziel, verteidigten Fans ihre konzertierte Aktion. Vielmehr gehe es um einen Wortbruch des DFB. Der Verband habe sein Versprechen gebrochen, keine Kollektivstrafen zu erlassen.

Anhänger von Borussia Dortmund hegen seit zwölf Jahren ein feindliches Verhältnis zu Hopp. Trotz vieler Warnungen ritten sie immer wieder strafrechtlich relevante Attacken gegen den SAP-Mitgründer. So auch im November 2018, als BVB-Fans in Sinsheim aus der Rolle fielen. Das DFB-Sportgericht verhängte daraufhin ein zweijähriges Stadionverbot für Dortmunder Fans in Sinsheim - auf Bewährung.

Im Dezember 2019 zeigten Dortmunder Schlachtenbummler beim Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim abermals Hassplakate. Folglich trat der zweijährige Auswärtsbann in Kraft.

Wortbruch?

Eine Kollektivstrafe - womit der DFB, so meinen viele Fans, Wort gebrochen habe. Denn 2017 hatte der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärt, er werde dem Kontrollausschuss empfehlen, von Kollektivstrafen abzusehen. Gänzlich ausgeschlossen wurde diese Art der Sanktion allerdings nie.

Mittlerweile zeigen sich viele Fan-Gruppen in Deutschland solidarisch mit den BVB-Anhängern und halten - wie in Mönchengladbach - ebenfalls beleidigende Anti-Hopp-Plakate in die Höhe.

Fan-Gruppen argumentieren, weder bei rassistischen noch homophoben Entgleisungen habe es eine derart heftige Sanktion gegeben wie diesen Auswärtsbann gegen den BVB. Der jüngste Vertrauensbruch sei ein weiterer Beleg dafür, dass für Geld selbst die 50 plus 1 Regeln aufgeweicht werde. Für Hopp.

Schwammige 50 plus 1 Regel

Den schwammigen Umgang mit der Regel, die den Verkauf der Mehrheitsanteile an Investoren untersagt, gibt es jedoch schon seit Jahrzehnten: Bayer Leverkusen gehört dem Chemie- und Pharmagiganten Bayer; der VfL Wolfsburg wird von Volkswagen alimentiert. Beides mit dem Segen des DFB, der eine "erheblichen Förderung" erlaubt, sobald sich die Investoren mindestens schon 20 Jahre für den Verein engagieren.

Die Ausnahmen schienen weitgehend toleriert - bis Hopps Hoffenheim auftauchte, gefolgt vom ebenso feindselig empfangenen RB Leipzig, hinter dem das Investment des österreichischen Energydrink-Produzenten Dietrich Mateschitz steckt.

Ultras als Gralshüter?

Der Konkurrenzkampf um Punkte und Pokal wird mittlerweile auch zum Existenzkampf zwischen Tradition und Retorte hochstilisiert. Die Frage steht im Raum, wem gehört der Fußball? Als dessen Gralshüter verstehen sich die Ultras.

Und ihre Hassfigur ist der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp, der seit 1990 rund 350 Millionen Euro investierte, um den ehemaligen Dorfklub TSG Hoffenheim in die Bundesliga zu pushen.

Dabei spielt auch Hopps 800-Millionen-Euro-Engagement für Behindertenarbeit, Krebs-Forschung und benachteiligte Kinder für diese Fans keine Rolle. Er ist trotzdem zur Zielscheibe geworden.

Erstes Hass-Banner und Schall-Attacke

2008 tauchte das Banner mit seinem Gesicht, unter einem Fadenkreuz positioniert, das erste Mal auf. Hopp klagte gegen den Täter, zog seine Klage aber der sich persönlich entschuldigte. Die Fehde schien aus dem Ruder zu laufen, als ein Hausmeister der TSG-Arena beim nächsten BVB-Gastspiel in Sinsheim eine Schallattacke auf den Dortmunder Block startete. Und nachdem nun lange Zeit relative Ruhe geherrscht hatte, hat die Auswärts-Stadionsperre für BVB-Fans nun zur Explosion geführt.

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