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Heidels Mammutaufgabe

Sport - Heidels Mammutaufgabe

Christian Heidel hat sich eingerichtet auf Schalke. Und nun bastelt der neue Manager, der sich als Trainer-Entdecker einen Namen gemacht hat, an der Mannschaft für die Saison 2016/17.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.07.2017, 14:35

Vom Autoverkäufer zu einem der begehrtesten Bundesliga-Manager: Die Geschichte von Christian Heidel liest sich fast so wie die berühmte Erfolgsstory des Tellerwäschers, der zum Millionär wurde. Bei seiner neuen Aufgabe auf Schalke kommt ihm der frühere Job gleich zugute. Einen Einblick gibt die SPORTreportage am Sonntag um 17.10 Uhr.

Verkaufstalent, Verhandlungsgeschick und auch eine gute Portion Geduld braucht Heidel nämlich gerade in diesen Tagen. Der seit Wochen hinter den Kulissen vorbereitete Wechsel des Schalker Supertalents Leroy Sané zu Pep Guardiolas neuem Klub Manchester City soll nun an diesem Wochenende tatsächlich über die Bühne gehen. Sané  besitzt in seinem bis 2019 gültigen Vertrag eine Ausstiegsklausel, nach der er die Gelsenkirchener im Sommer 2017 für 34 Millionen Euro verlassen kann.

Sané zu Pep?

Bei einem jetzigen Verkauf des deutschen EM-Teilnehmers winken Schalke 50 Millionen Euro. Die Frage ist nur, ob Sané sich jetzt schon, nach nur eineinhalb Jahren in der Bundesliga, den gnadenlosen Konkurrenzkampf bei einem Topklub der Premier League zutraut.

Auch für einen gewieften Manager wie Heidel ist das eine neue Dimension, aber genau deshalb hat er ja nach 25 Jahren das beschauliche Mainz hinter sich gelassen und sich auf das oft chaotische Schalke eingelassen. Von Vereinsboss Clemens Tönnies zum neuen starken Mann bei den Königsblauen ernannt, hat der 53-Jährige erst eine von mehreren schwierigen Baustellen abgeschlossen: Mit Markus Weinzierl konnte vom FC Augsburg zwar der erklärte Wunschtrainer für Schalke losgeeist werden, doch weder die Mannschaft noch die Gemütslage im gesamten Verein sind schon in dem Zustand, wie es sich Heidel und die meisten anderen auf Schalke wünschen.

Teurer Hoffnungsträger Embolo

FC Schalke 04 Manager Christian Heidel und Breel Embolo
Christian Heidel und Breel Embolo Quelle: imago

Vier Wochen vor dem Saisonstart suchen Weinzierl und Heidel noch einen gestandenen Mittelfeldspieler, einen "Sechser" mit strategischen Fähigkeiten und offensiver Ausrichtung. Nach Sanés wahrscheinlichem Abgang in Richtung britischer Insel dürfte auch weiter vorne noch etwas passieren, auch wenn Schalke dort bereits für Breel Embolo richtig Geld ausgab. Der Schweizer EM-Teilnehmer vom FC Basel kostete 22,5 Millionen Euro Ablöse und ist somit der teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte.

Auch wenn Heidel schon vor Wochen einen größeren Umbruch im S04-Kader ausschloss, dürften auch noch einige Spieler den Vorjahresfünften verlassen. Während Heidel und Weinzierl auf den in der Sommerpause umworbenen in die Jahre gekommenen Torjäger Klaas-Jan Huntelaar nicht verzichten möchten, ist die Frage erlaubt, ob dessen vor einem Jahr für sechs Millionen Euro von Werder Bremen geholte Sturmpartner Franco Di Santo seinen Ruf als teures Missverständnis nun ablegen kann.

Kandidaten für einen Wechsel sind neben dem Argentinier auch Routinier Dennis Aogo und möglicherweise ein Rechtsverteidiger. Nachdem der ewig verletzte Atsuto Uchida wieder ins Training eingestiegen ist, besteht dort mit Junior Caicara, Sascha Riether und dem Japaner ein gewisser Überhang.

Typisch Schalke

Viel schwieriger wird es aber für Heidel, alle im Verein - Verantwortliche, Mannschaft und Fans - endlich auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen. "Aus der kleinsten Mücke wird hier ein Elefant gemacht. Wenn etwas nicht läuft, heißt es gleich: typisch Schalke", sagte Heidel erst in dieser Woche in der "Sport Bild" und führte aus: "Schalke darf nicht mehr für Pleiten, Pech und Pannen stehen. ‚Typisch Schalke‘ muss für etwas Positives stehen, für Leidenschaft, für Fan-Treue, für eine erfolgreiche Fußball-Philosophie, mit der sich die Anhänger identifizieren."

PLACEHOLDERNach zwei enttäuschenden Spielzeiten, in denen unter den Trainerflops Roberto Di Matteo sowie André Breitenreiter das Ziel Champions League jeweils klar verfehlt wurde, stehen Heidel und Weinzierl mal wieder für einen Aufbruch in bessere Zeiten auf Schalke.

Bisher genießen der neue Sportvorstand und der neue Coach hohes Vertrauen im Verein und Umfeld. Die erneut hohen Erwartungen nicht zu enttäuschen, sondern aus Schalke das riesige Potenzial heraus zu holen, das der Traditionsklub im Kern besitzt, ist Heidels Riesenaufgabe. Das auf Schalke inzwischen fast verpönte Wort Meisterschaft muss er dabei gar nicht in den Mund nehmen.

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