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Löw zieht die Zügel an

Länderspiel in Düsseldorf: Deutschland gegen Spanien

Mit dem ersten Länderspiel des Jahres gegen Spanien (20:45 Uhr) beginnt für die deutsche Nationalmannschaft zugleich der WM-Countdown. Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff schlagen im Vorfeld nicht nur euphorische Töne an.

Training der Deutschen Nationalmannschaft mit Joachim Löw
Bundestrainer Joachim Löw schwört sein Team auf die Härtetests ein. Quelle: dpa

Eigentlich hätte die Präsenz eines wissensdurstigen mexikanischen und brasilianischen Kamerateams, die eigens für das Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft ins verregnete Düsseldorf gereist sind, ja ausreichen müssen. Aber Joachim Löw hat eigens noch einmal betont, was für jeden Fußballer aus seinem erlesenen Zirkel in diesem Jahr auf der Prioritätenliste oben stehen müsse. "Diese WM, das größte Turnier, das es überhaupt gibt im sportlichen Leben. Dafür muss man sich präparieren. Mental und körperlich. Ich brauche 23 Spieler, die Leistung abrufen." Hätte nur noch gefehlt, dass der mit Nachdruck vorgebrachte Satz mit einem Ausrufezeichen versehen wird.

WM verlangt "Unmenschliches"

Vor dem ersten Länderspiel des Jahres gegen das einstige Vorbild Spanien in der proppevollen Düsseldorfer Arena (Anstoß 20:45 Uhr/ARD) und dem Klassiker gegen Brasilien im ebenfalls ausverkauften Berliner Olympiastadion (Dienstag, 20:45 Uhr/live im ZDF) überbrachte der Bundestrainer noch diese Botschaft: "Diese beiden Gegner gehören bei der WM zu den absoluten Favoriten. Wir wollen genau beobachten, wer uns mit Leistung überzeugt." Denn laut Löw verlangt die Endrunde in Russland "Unmenschliches".

Der Experimentiercharakter tritt zwangsläufig knapp zwei Monate vor der Nominierung des vorläufigen Kaders am 15. Mai im Dortmunder Fußball-Museum in den Hintergrund. Löw kündigte an, in der ersten Begegnung auf ein Gerüst um Mats Hummels, Jerome Boateng, Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller zu setzen. Ein Quintett an Weltmeistern, die auch für den Ernstfall der Endrunde gesetzt sein dürften. Und auch Marc-André ter Stegen als Vertreter von Manuel Neuer erhielt vom Coach am Tag vorher eine Einsatzgarantie. Aber ansonsten soll der Konkurrenzkampf ruhig toben.

Mit neuem Slogan unterwegs

Dass der 58-Jährige intern die Zügel angezogen hat, ist unstrittig. Wer es aus dem Spielerkreis auf bequem macht, der bekommt ein Problem mit dem Südbadener, der freilich nach dem WM-Titel 2014 selbst in eine Art Laissez-faire-Modus gefallen war. Im inneren Antrieb mal nachzulassen, sei "menschlich verständlich", sagt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der keine Zweifel hat, dass seit dem Aus im EM-Halbfinale 2016 der Fokus zurück ist.

Der neue angebrachte Slogan "Best neVer rest" - die Besten lassen nie nach, wobei das große "V" für das Streben nach dem fünften Stern steht - stehe der Mannschaft gut, glaubt Bierhoff: "Die Besten hören nie auf. Das passt in Richtung WM." Und Löw ergänzt: "Wenn wir in Russland erfolgreich sein wollen, müssen wir bedingungslosen Hunger auf Erfolg haben."

Löw missfällt die Spielweise vieler Vereine

Einerseits ist der erste Weltranglistenplatz, die Serie von 21 Länderspielen ohne Niederlage sowie der quasi im Vorbeigehen eingeheimste Titel beim Confed-Cup 2017 aller Ehren wert, doch andererseits schimmert den Fußball-Himmel über Deutschland nicht rosarot. Vordenker Löw hat schon mehrfach zu verstehen geben, dass Nationen wie England, Frankreich oder Spanien im Nachwuchsbereich vielleicht schon wieder vor den Deutschen liegen.

Und ihm ist es beispielsweise ein Dorn im Auge, wie sich eine Vielzahl von Bundesliga-Klubs ausgerichtet hat, die in den Europapokalwettbewerben mit Ausnahme des FC Bayern und RB Leipzig teils krachend Schiffbruch erlitten. Sich vor allem auf die Arbeit gegen den Ball zu konzentrieren, missfällt dem Bundestrainer sichtlich. Das Allerwichtigste aus seiner Sicht: "Was passiert, wenn ich den Ball habe." Im Liga-Alltag leider oft nicht viel. Außer langen Schlägen, um die Pressing-Linien zu überspielen. Für den Genussmensch und Offensivliebhaber ein Graus.

Bierhoff will einen Masterplan

Die Nationalmannschaften verfolgen einen komplett anderen Ansatz, suchen die spielerische Lösung, wie es zwischen 2008 und 2012 der Trendsetter Spanien mit zwei EM-Titeln und einem WM-Triumph vorgemacht hat. Sonst hätte sich auch nicht die U21-Nationalmannschaft vergangenen Sommer in Polen im Finale gegen Spanien zum Europameister gekrönt. Dennoch warnt auch Bierhoff davor, dass im Juniorenbereich alles bestens läuft: "Wir hatten vor einigen Jahren sechs oder sieben Toptalente in einem Ausbildungsjahrgang, jetzt sind es manchmal nur noch zwei oder drei." Der neue Direktor Nationalmannschaften und Fußballentwicklung warnt sogar: "Wir müssen was tun im deutschen Fußball und aufpassen, dass wir nicht von anderen Nationen abgehängt werden.“

Er fordert einen Masterplan wie es ihn am Tiefpunkt des deutschen Fußballs 2000 gab - obwohl 2018 gewiss kein Tiefpunkt darstellt. Verantwortliche, Verbände und Vereine seien gleichwohl gefordert, eine neue Qualitätsoffensive auf den Weg zu bringen. Das höre sich hochgegriffen an, beteuert der 49-Jährige, "aber der nächste Schritt muss kommen". Denn wer sich nicht weiterentwickelt - und da spannt sich der Bogen zu den bei der WM in Brasilien bereits in der Vorrunde gescheiterten Spaniern - verpasst den Zug der Zeit schneller als man denkt.

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