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Sorgen trotz schwarzer Zahlen

Nachwehen der WM-Affäre drücken beim DFB auf die Stimmung

Zum zweiten Mal veröffentlicht der DFB seinen Finanzbericht - und gewährt damit mehr Transparenz, wie es nach der WM-Affäre gefordert wurde. Die drückt durch drohende Steuernachzahlungen weiter auf die Stimmung. Weitere Problemposten: die unklare Zukunft der geplanten Akademie und zu hohe Verwaltungskosten. Da kommen die frischen VW-Millionen für die A-Nationalmannschaft ab 2019 gelegen.

Archiv: Fahnen mit dem Logo des DFB wehen am 15.04.2016 in Frankfurt am Main
Quelle: dpa

Der DFB kann beim Thema Finanzen wieder scherzen. „Nun genießen Sie noch ein Brötchen aus der Kostengruppe 6“, sagte Moderator Stephan Brause nach Ende der Pressekonferenz, auf der der DFB seinen Finanzbericht 2016 vorstellte. Immerhin konnte Schatzmeister Stephan Osnabrügge kurz zuvor vermelden, dass der Verband „wirtschaftlich gesund und jederzeit in der Lage ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.“

Damoklesschwert

Möglicherweise mischte sich auch ein Schuss Galgenhumor in den Scherz, denn über der wirtschaftlichen Situation kreist das Damoklesschwert einer kräftigen Steuernachzahlung. Die Steuerfahndung wirft dem Verband vor, das Finanzamt bei der Rückzahlung des Darlehens von 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2006 bewusst getäuscht zu haben. Falls es im Zuge der Ermittlungen zu einem Entzug der Gemeinnützigkeit für das Jahr kommt, „hätte der DFB Steuernachzahlungen und Zinsbelastungen in Höhe von etwa 26,2 Millionen Euro zu tragen", wie es in dem Bericht heißt. Dieser Betrag taucht bislang keiner Kostengruppe auf, auch bei den Rücklagen nicht.

Steigende Kosten vor Baubeginn

Der Verband hat "keine Rückstellung für steuerliche Risiken" gebildet, da deren Vertreter es als „unwahrscheinlich“ ansehen, dass tatsächlich neue Steuerbescheide ins Haus kommen. Aber auch so belastet die WM-Affäre den Haushalt erheblich. Insgesamt hat der DFB seit der Enthüllung des Skandals 7,11 Millionen Euro zu dessen Aufklärung und Bewältigung aufgewendet. Aufgestockt wurde dagegen die Rücklage für das große Zukunftprojekt, die neue Akademie.

Für Projekt- und Beratungskosten wurden 2016 1,2, Millionen aufgewendet, aber der Baubeginn verzögert sich weiter. Am Donnerstag will das Frankfurter Oberlandesgericht über die Räumungsklage der Stadt Frankfurt an die Pächter der für die Akademie vorgesehene Galopprennbahn entscheiden. Ein Verfahrensende ist damit aber nicht garantiert. Derweil ist die Kostenkalkulation von ursprünglichen 89 Millionen längst auf mindestens 109 Millionen geklettert, eine Prognose über die weitere Entwicklung will Stephan Osnabrügge nicht geben.

Motor Nationalmannschaft

Für die Einnahmensteigerung 2016 war hauptsächlich die Fußball-Europameisterschaft verantwortliche, denn "Motor des wirtschaftlichen Erfolgs", so Osnabrügge, bleibt weiter die A-Nationalmannschaft, die über Spielbetrieb und Vermarktung 85,9 Millionen Euro generierte. In diesem Bereich werden die neuen Verträge mit Generalausrüster Adidas und Volkswagen die Einnahmen deutlich steigern, aber erst ab 2019. Einnahmen, die „verstärkt zur Erfüllung unserer gemeinnützigen Ziele“ eingesetzt werden sollen.

Im aktuellen Haushalt stecken laut Osnabrügge 43,5 Million Euro zur Unterstützung des Amateurfußballs. Davon gehen 8 Millionen direkt an die Landesverbände. Eine direkte Unterstützung der Vereine ist dem DFB satzungsrechtlich nicht erlaubt. Er darf lediglich Serviceangebote bereitstellen und übergeordnete Projekte initiieren.

Murrende Basis

Deren Wirksamkeit ist an der Basis nicht unumstritten. „Reine Alibiveranstaltungen“, sagte Engelbert Kupka, frühere Präsident der SpVgg Unterhaching im Januar bei der Gründungsversammlung des Bündnisses „Rettte den Amatuerfußall“ zu den Maßnahmen des DFB im Amatuerbereich. Viel mehr wäre geholfen, die Bürokratie zu entschlacken und die Gebühren zu senken. Beim größten Einzelposten auf der Ausgabenseite, zeigte sich Schatzmeister Osnabrügge selbstkritisch. 70,7 Millionen Euro, also rund ein Viertel des Gesamtetats, gibt der DFB für Administration und Kommunikation aus. „Wir sind der Auffassung, dass die Kosten in der Haushaltsgruppe 6 zu hoch sind“, sagte Osnabrügge. An den Brötchen wird es nicht gelegen haben.

DFB-Jahreszahlen 2016

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