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Brendel: Gold fest im Blick

Sebastian Brendel

Sport - Brendel: Gold fest im Blick

Das ZDF sendet an neun Wettkampftagen 170 Stunden, dazu noch 1000 Stunden Livestreams. Weltneuheit: Ausgewählte Wettkämpfe und der Blick hinter die Kulissen in 360 Grad und in Virtual Reality.

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London-Olympiasieger Sebastian Brendel ist auch in Rio der große Gold-Hoffnungsträger der deutschen Kanuten. Doch reich wird er mit all seinen Erfolgen nicht – selbst um einen Flug in der Businessklasse nach Brasilien musste der Paddel-Star kämpfen.

Sebastian Brendel ist vor ein paar Wochen zum zehnten Mal Europameister geworden, außerdem fünfmal Weltmeister und Olympiasieger von London. Trotzdem ist Deutschlands bester Kanute in der allgemeinen Öffentlichkeit unbekannter als viele Zweitliga-Fußballer. Und Bundespolizist Brendel verdient deutlich weniger. „Natürlich denkt man manchmal nach, ob das gerecht ist. Aber ich bin nicht neidisch, sondern einer, der immer schaut, was er selbst verändern kann“, sagt Brendel.

Eine Medaille ist das Mindestziel

Manchmal platzt aber auch dem ruhigen und intelligenten Familienvater der Kragen. Zum Beispiel als der 1,92 Meter große Recke mitbekam, dass er im Gegensatz zu anderen Sportlern im deutschen Olympia-Team (wie zum Beispiel dem Fußball-Nationalteam) in der „Holzklasse“ zwölf Stunden zu den Sommerspielen nach Rio fliegen sollte. „Ich wundere mich schon, dass es solche Unterschiede gibt“, schimpfte Brendel. Zumal er erst vier Tage vor seinem ersten Wettkampf anreisen wird und wenig Zeit zur Akklimatisierung hat.

Am Ende fand sich aber doch ein Sponsor (Team Kunststoff), der Brendel die geschätzten 3000 Euro Aufpreis für den Flug in der Business-Klasse mit mehr Beinfreiheit spendiert. "Mir geht es wirklich nicht darum bequem zu sitzen, aber kurz vor meinem Wettkampfhöhepunkt, auf den ich vier Jahre hingearbeitet habe, muss wirklich alles passen, um möglichst optimal vorbereitet an den Start in Rio zu gehen und dort um die Medaillen zu kämpfen“, so Brendel. Eine Medaille ist das Mindestziel, aber wer in den letzten beiden Jahren Weltmeister war, hat natürlich Gold im Blick.

Zwei Chancen auf das Siegerpodest

Zumal Sebastian Brendel in Rio gleich zwei Chancen auf das oberste Siegerpodest haben wird. Neben dem Canadier-Einer, wo er als haushoher Favorit antritt, ist er mit Jan Vandrey auch im Zweiercanadier am Start: „Natürlich liegt der Fokus auf dem Einer. Aber dass wir auch im Zweier starten können, ist Wahnsinn, echt sensationell.“ Das deutsche Duo profitierte kurzfristig von einer Doping-Sperre gegen weißrussische und rumänische Sportler. Dass in Sachen Doping zumindest partiell durchgegriffen wurde – wie zum Beispiel bei der Sperre der russischen Leichtathleten – findet Brendel richtig.

„Doping gibt es nicht nur in Russland, sondern länder- und sportartenübergreifend. Die Glaubwürdigkeit des Sports steht auf dem Spiel, weil die gesamte Szene unter Generalverdacht gestellt wird. Wer will dann noch seine Kinder zum Leistungssport schicken?“, fragt Brendel. Das Thema Kinder liegt dem 28-Jährigen am Herzen, schließlich hat er mit seiner Partnerin Friederike selbst zwei. Hanna und Edwin werden übrigens in Deutschland vor dem Fernseher mitfiebern, wenn ihr Papa in Rio um Gold paddelt.

"Kanu müsste man größer aufziehen"

Dass sich an seinem Leben was ändert, wenn er noch einmal Olympiasieger wird, glaubt Sebastian Brendel übrigens nicht. Der von seinen Sportlerkollegen zum „Champion des Jahres 2015“ gewählte Mann kann sich „ganz entspannt auf der Straße bewegen“ – immerhin ein Vorteil gegenüber berühmten Fußballern. Brendel, der scherzhaft sogar einmal drüber nachgedacht hat, nackt zu paddeln, um seinem Sport mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen: „Fußball siehst du halt jede Woche in Fernsehen. Und Kanu höchstens dreimal im Jahr bei WM, EM und vielleicht dem Heim-Weltcup in Duisburg. Um mehr Präsenz zu bekommen, müsste man Kanu viel größer aufziehen und die Wettkämpfe attraktiver machen. Aber dazu gib es Strukturen im Weltverband und nationalen Verband ja gar nicht.“

So ist Rio für einen großen deutschen Sport-Star Chance, einmal für ein paar Stunden ins große Rampenlicht zu rücken.

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